6,7 Kilometer laufen. Jede Stunde. Immer und immer wieder. Was für andere wie eine perfide Strafe klingt, ist Caroline Maria Boltes Komfortzone. Gleich bei ihrer ersten Teilnahme am Last Soul Ultra knackte sie den deutschen Rekord. Gesund, sagt sie selbst, sei das alles aber nicht.
Caroline Maria Bolte
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Ultraläuferin Bolte: Rekordsieg nach 348 Kilometern | hessenschau Sport vom 25.08.2026

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Caroline Maria Bolte hat merkwürdige Vorlieben. Als „nie endende Freude“ beschreibt sie ihr Verhältnis zum Laufen im Gespräch mit dem hr-sport. Als nahezu unendlichen Spaß muss man dann wohl das verstehen, was die Frankfurterin vor gut einer Woche über zwei Tage lang mit 168 anderen Laufverrückten in Bornheim veranstaltet hat.
„Last Soul Ultra“ nennt sich das Format, das der deutsche Influencer und Extremläufer Kai Gottwald im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland veranstaltet hat. Ziel ist es, eine Runde von überschaubaren 6,7 Kilometern innerhalb von einer Stunde zu absolvieren. Jeweils zur vollen Stunde geht es wieder von vorne los. Wer einen „Loop“ in weniger als einer Stunde schafft, kann die restliche Zeit nutzen, vorzugsweise zum Essen oder Schlafen.
Sieger steht erst nach 94 Stunden fest
Das klingt noch recht human, wird aber auf Strecke zum ultimativen Stresstest für Kopf und Körper. Gelaufen wird so lange, bis der vorletzte Athlet aufgibt. Das war in diesem Jahr nach 94 Stunden und 630,4 Kilometern der Fall. Der Amerikaner Mark Dowdle krönte sich zum Sieger des Spektakels, das phasenweise über 100.000 Menschen gleichzeitig im Livestream verfolgten.
Bolte ging in diesem Jahr erstmals an den Start und konnte gar nicht genug bekommen: „Ich hab mich wirklich auf die allermeisten Loops einfach unfassbar gefreut.“ Wer ihr dabei zuhört, bekommt das Gefühl: Die meint das ernst. „Ich bin stolz auf die Leistung, überwältigt von all den Erlebnissen, die dieser Wettkampf mit sich gebracht hat, und auch einfach sehr dankbar und erfüllt darüber, über so viele Stunden den Sport zu machen, den ich liebe“, sagt die 31-Jährige.
Deutscher Frauenrekord
Mit 52 absolvierten Runden stellte Bolte einen deutschen Frauenrekord auf – ein Loop mehr als die bisherige Rekordhalterin Marina Kollassa 2020 geschafft hatte. Übersetzt sind das 348,7 Kilometer, mehr als acht Marathons. Die besondere Herausforderung ist, dass sich die Distanz erst im Wettkampf ergibt. „Das Spannende ist ja, dass du nicht weißt, wie weit du laufen wirst. Für mich waren immer nur die nächsten 6,7 Kilometer relevant. Dass am Ende so eine Strecke dabei herauskommen würde, hätte ich auch nicht gedacht“, sagt Bolte.
Natürlich musste die Hessin in den 52 Stunden aber auch ein paar kleinere Hänger durchleben. Wenn sie von Tiefs spricht, malt sie mit ihren Fingern aber gleichzeitig Anführungszeichen in die Luft. Eigentlich, na klar, macht ihr das Laufen immer Freude. „In der ersten Runde der zweiten Nacht bin ich aber ins Zelt gekommen zu meiner Crew und habe gesagt: ‚Das war irgendwie keine so gute Runde.‘ Das war ein kleiner Downer, aber nach jedem Down kommt auch wieder ein Up“, sagt Bolte. „Tatsächlich ist die Runde danach wieder besser gewesen und ich hatte wieder extrem viel Spaß.“
„Das ist kein Gesundheitssport“
Mit der Begeisterung, die sie vermittelt, taugt Bolte zur Botschafterin ihres Sports. Ihre Message klingt dabei aber anders, als man es von einer Ultra-Läuferin vielleicht erwarten würde. Da ist durchaus auch Verständnis für die Kritik an solchen Extremformaten durchzuhören. „Das ist kein Gesundeitssport“, sagt Bolte etwa. „Da brauchen wir uns nichts vormachen.“
Wer sich allein auf die Wettkämpfe bezieht, blende aber die minutiöse Vorbereitung aus. „Ich habe meinen Körper über Jahre kennengelernt. Ich laufe schon sehr lange und da achte ich darauf, mich zu erholen nach harten Einheiten, genügend zu schlafen etc. Jetzt beim Rennen hatte ich einen sehr guten Freund dabei, der auch mein Physiotherapeut ist. Wir kennen meine kleinen Pain Points und konnten während des Rennens da rangehen.“
„Es muss nicht immer höher, schneller, weiter sein“
Dass sie auch nach einer solchen Erfahrung noch Freude an einem schnöden Marathon entwickeln kann, ist für sie gar kein Widerspruch und auch eine Botschaft an alle, die nur zum Spaß laufen und darunter etwas anderes verstehen als sie. „Es muss nicht immer höher, schneller, weiter sein. Beim Laufen denkt man: Mehr ist besser, aber es ist gar nicht unbedingt so. Ein 800-Meter-Läufer stellt sich ja auch nicht hin und sagt: 800 Meter sind mir zu wenig, ich fange an, fünf Kilometer zu laufen“, erklärt die Frankfurterin. „Da gibt es sehr viele unterschiedliche Disziplinen, jede hat ihren Reiz, da geht es einfach darum zu gucken: Was gefällt mir, woran habe ich Freude und das dann möglichst nachhaltig für sich zu machen.“
Sie selbst musste sich nach dem Last Soul Ultra eine „Zwangspause“ verordnen: Beine, Füße und Knie waren angeschwollen. Eine Entzündungsreaktion des Körpers. Der soll nun erstmal regenieren, bis sie dann endlich wieder laufen kann. Vielleicht mal wieder einen Marathon, ohne dabei auf Bestzeiten zu gehen. „Einfach aus Gaudi.“ Keine Frage: Bolte liebt, was sie tut.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/mehr-sport/last-soul-ultra-caroline-bolte-hat-auch-nach-350-kilometern-noch-nicht-genug-v1,last-soul-ultra-bolte-100.html


