Auf ihren Rückschlag im Marathon lässt Gesa Krause eine maximal erfolgreiche Saison über die 3000-Meter-Hindernis folgen. Doch die Hessin ist viel mehr für die deutsche Leichtathletik als eine Europameisterin.
Eine der Leichtathletik-Gesichter Deutschlands: Gesa Krause.
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Schmerzen an den Füßen, an den Gelenken, auch ein zwickender Rücken. Und dazu diese mentale Dauerbelastung. Rennen für Rennen, Vorbereitung, Saison-Höhepunkt, Heimwettkämpfe. Wer Gesa Krause zuhört, der ahnt, wie sehr die prominenteste Läuferin des Landes die nächsten Wochen herbeisehnt. Pause, Urlaub, Abschalten. Endlich. Und doch sagt die 34-Jährige: „Dieses Jahr war ganz besonders.“ Besonders erfolgreich.
Rückblick: Im Dezember 2025 will die Dillenburgerin (Lahn-Dill-Kreis) ihre so langsam auf die Zielgerade zusteuernde Karriere neu beleben. Die 3.000-Meter-Hindernis, ihre Lieblingsstrecke, schiebt sie vorübergehend zur Seite und probiert es im Marathon. Die Vorbereitung läuft ausgezeichnet, über die halbe Distanz ist sie flott unterwegs, so dass der Glaube an eine manierliche Marathon-Premiere in Valencia wächst. Einzig: Krauses Körper macht nicht mit. Ab Kilometer 26 geht plötzlich nichts mehr, bei Kilometer 30 steigt die Hessin aus, ein dickes DNF (did not finish) prangt auf der Ergebnisliste. „Viel investiert, kein Outcome“, sagt Krause hinterher, „das schmerzt unheimlich.“ Sie meint nicht ihren Körper.
Role Model für die deutsche Leichtathletik
Rund acht Monate später ist Krause die Beste des Kontinents, mal wieder, zum dritten Mal in ihrer Karriere. Nicht etwa im Marathon, aber über die 3.000 Meter Hindernis. Wenn man so will: Bei den Europameisterschaften im britischen Birmingham läuft sie zurück zu sich selbst, zaubert sie eine Glanzleistung auf die Bahn – taktisch, nervlich, läuferisch. Klar, Krause profitiert auch vom Hürden-Sturz mit anschließendem Polter-Auftritt ihrer deutschen Kollegin Lea Meyer, letztlich aber untermauert die Mutter der dreijährigen Lola ihren Status.
Zwei Wochen später, als sich der traditionsreiche Istaf im Berliner Olympiastadion ankündigt, steht Krause vorher auf einem Event an der Seite von Zehnkampf-Star Leo Neugebauer und dem Wetzlarer Para-Sprinter Felix Streng, um die Werbetrommel zu rühren. Natürlich. Denn Krause war und bleibt ein Role Model für die hiesige Leichtathletik- Ein Gesicht, das Tickets verkauft. Und später ganz nebenbei auch noch ihr Rennen gewinnt.
„Ein Privileg, meine Leidenschaft noch ausleben zu dürfen“
Gesa Krause wird nicht nur von Sportmedien interviewt, sondern findet auch andernorts statt. Der Vogue gab sie zuletzt gemeinsam mit der Frankfurter 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe, 24 Jahre alt und so etwas wie der Shootingstar in der deutschen Leichtathletik, ein Interview – als Vertreterinnen zweier Leichtathletik-Generationen.
„Ich merke, dass die lange Saison an mir zehrt und der Körper nicht mehr so frisch ist, wie er noch vor ein paar Wochen war“, sagt Krause auch im Gespräch mit der ARD, doch: „Ich sehe es als Privileg, dass ich meine Leidenschaft noch ausleben darf.“ Gerade als Mutter. „In diesem Jahr nochmal EM-Gold zu gewinnen, das war toll.“
Olympia-Teilnahme 2028 bleibt Krauses Ziel
2027 steht die Weltmeisterschaft in Peking an, Krauses Ziel aber bleiben vor allem die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Es wären ihre fünften Sommerspiele, mit dann fast 36 Jahren. Dort, sagt Krause, wolle sie sich noch einmal selbst überraschen.
Vielleicht nicht mit einer Medaille, das wäre aus jetziger Sicht recht vermessen, aber mit gelungenen Auftritten, einer Finalteilnahme. Schmerzende Füße und Gelenke, der Dauerdruck, ein Rückschlag wie im Marathon von Valencia stellen auf diesem Weg für Krause kein wirkliches Hindernis dar. Tausendfach hat sie zeit ihrer Karriere schließlich bewiesen, Hürden locker überspringen zu können.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/mehr-sport/leichtathletik-gesa-krause-laeuft-zurueck-zu-sich-selbst-v1,gesa-saison-fazit-100.html





