Kann Kunst helfen, den eigenen Weg zu finden? Zum 20. Geburtstag des SABA-Förderprogramms zeigt eine Ausstellung Arbeiten von Menschen mit Fluchterfahrung, die mit dem Stipendium ihren Bildungsweg in Deutschland neu begonnen haben.
Ende August in der Frankfurter Innenstadt. Rand Matlef – schwarze, lange Haare und in weißem Kostüm – wartet im Eingang des Crespo Hauses. Das Gebäude liegt nicht unweit vom Bankenviertel, sticht durch die ausladenden Flächen, Fenster und die begrünte Dachschräge aber hervor.
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03:30 Min.|Cara Platte
Durch den Umbau und den „Open Space“, indem nun die Ausstellung stattfindet, sei das Crespo Haus offener geworden. Auch sie selbst sei als Praktikantin am Umbau des Crespo Hauses beteiligt, erzählt Matlef. Bereits als sie jünger war, wollte sie Architektin werden. Ein Weg, den sie mit ihrem Studium später auch einschlug – unterstützt durch ein Bildungsstipendium der Crespo Foundation.
Stiftungsgründerin Ulrike Crespo starb 2019.
Bild © Nina Werth / Crespo Foundation
Ein neuer Weg durch Bildung
Als Matlef vor zehn Jahren aus dem Irak nach Deutschland kam, fehlte ihr die Orientierung. „Ich wusste nicht, wohin mit mir“, erzählt sie. „Ich hatte all diese Wünsche und Träume in Bezug auf meine Zukunft, aber ich wusste nicht, wie ich sie umsetzen kann.“ Denn zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch keinen Realschulabschluss.
„Das kennzeichnet viele unserer Stipendiat:innen“, sagt Cora Stein, die das SABA-Bildungsstipendium der Crespo Foundation lange begleitet hat.
„Ihr Leben ist von Flucht- und Migrationserfahrungen geprägt“, so Stein. „Entweder sie hatten in ihrem Heimatland nicht die Chance, den gewünschten Schulabschluss zu machen oder die Abschlüsse werden in Deutschland nicht anerkannt.“ Vor allem für Menschen über 18 sei es schwierig, in das deutsche Bildungssystem einzusteigen.

Lebendige Einblicke aus zwei Jahrzehnten: Die hängenden Foto-Exponate lassen Besucher tief in die SABA-Gemeinschaft eintauchen.
Bild © Cara Platte / hr
Das SABA-Bildungsstipendium versucht deswegen, Frauen mit Migrationsbiografien auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen. Es wurde ursprünglich von der Gründerin der Stiftung, Ulrike Crespo, ins Leben gerufen. Sie beobachtete bei Frauen mit Migrationserfahrung einen großen Bildungswillen – und zugleich hohe Zugangshürden.
Mehr als finanzielle Unterstützung
Deshalb gehe es bei dem Stipendium um mehr als finanzielle Unterstützung. Diese sei zwar essenziell, um zum Beispiel Schulbücher und einen Laptop zu kaufen oder einen Bildungsabschluss insbesondere als alleinerziehende Mutter überhaupt finanzieren zu können. Vor allem gehe es aber um die Unterstützung und die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung.
Bildung sei mehr als nur ein Bildungsabschluss, mehr als Mathe, Deutsch, Englisch. Es gehe um den Menschen als gesamte Person – mit all seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel auch Kreativität, Community und die Beziehungen, die daraus entstehen, betont Stein. „Ja, genau“, stimmt Matlef ihr zu. „Ich habe auch eine meiner besten Freundinnen während des Stipendiums kennengelernt.“

Gemeinsam für mehr Bildungschancen: Rand Matlef (links) und Cora Stein bei der feierlichen Eröffnung der SABA-Jubiläumsausstellung
Bild © Cara Platte / hr
Kunst eröffnet Perspektiven
Neben schulischer Bildung geht es auch um kreative, ästhetische Bildung und künstlerisches Ausprobieren. Herzstück des SABA-Stipendiums sind die Kreativprojekte der Stipendiatinnen und Stipendiaten. In Workshops mit Künstlerinnen und Künstlern können sie sich in den verschiedensten Kunstrichtungen ausprobieren – etwa Skulptur, Malerei, Musik und Fotografie.

Neue Perspektiven: Seit 2023 steht das SABA-Stipendium auch Männern offen – die Ausstellung zeigt ihre fotokünstlerischen Arbeiten.
Bild © Cara Platte / hr
Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens sind einige der dabei entstandenen Kunstwerke nun in der Ausstellung „Hier geblieben. Geschichten aus 20 Jahren SABA Bildungsstipendium für Migrant:innen“ zu sehen. Etwa ein Fotografieprojekt von männlichen Stipendiaten, die seit 2023 ebenfalls Teil der SABA-Förderung sind.
Zusätzlich ist die Wand hinter der Bühne mit bunten Portraits bedeckt: in Wasserfarben und Linolschnitt sind die künstlerischen Stile so individuell wie die Gesichter selbst. „Es war uns wichtig, die Selbstportraits der Stipendiat:innen ins Zentrum der Ausstellung zu setzen“, sagt die Kuratorin Puneh Henning, „Kunst ist für sie eine Möglichkeit, sich selbst kennenzulernen, Dinge ausprobieren und zu verarbeiten.“ Der künstlerische Teil mache das SABA-Stipendium besonders.

Eine lebensgroße Aufsteller-Figur und Infotafeln im Crespo Haus würdigen den Weg von Rand Matlef.
Bild © Cara Platte / hr
Vom Schulabschluss zum Master
Rand Matlef hat durch die SABA-Förderungen drei Schulabschlüsse in nur vier Jahren nachgeholt. Danach hat es ihr den Traum ermöglicht, Architektur zu studieren. Doch ihr Weg endet damit nicht: Momentan macht Matlef ihren Master in Energy Science and Engineering, den sie mit ihrer Liebe zur Architektur verbindet. „Ich möchte Bauleiterin werden“, erzählt sie.
Wie Matlef hat das Stipendium auch vielen anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten eine zweite Chance auf Bildung ermöglicht. Die Ausstellung zum 20. Geburtstag des SABA-Förderprogramms zeigt, wie unterschiedlich diese Wege aussehen können – und welche Rolle Kunst dabei spielen kann.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/saba-projekt-drei-schulabschluesse-in-vier-jahren–dank-stipendium-v1,saba-114.html


