Kultur

Seltene Fotos von 9/11: Ausstellung in Frankfurt zeigt den Schrecken von New York

Seltene Fotos von 9/11: Ausstellung in Frankfurt zeigt den Schrecken von New York

Eigentlich sollte Helmut Fricke die Modewoche ablichten. Doch es kam anders. Der Oberurseler Fotograf fängt hunderte seltene Fotos von Menschen ein, die den Schrecken des 11. September 2001 erleben. Zum ersten Mal sind die jetzt in einer Ausstellung zu sehen.



Menschen auf der Flucht vor den Staubwolken der eingestürzten Wolkenkratzer – Fotograf Helmut Fricke war mittendrin
Bild © Helmut Fricke


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03:15 Min.
||Nina Michalk

Bild © hessenschau.de|
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„9/11 – Under Attack“ heißt die Ausstellung, in der der Fotojournalist Helmut Fricke erstmals sein fotografisches Vermächtnis zu den Terroranschlägen veröffentlicht. Pünktlich zum Jahrestag am 11. September stellt der ehemalige FAZ-Fotograf die Bilder im Frankfurter Kulturzentrum Massif Central aus. Und erzählt uns, wie er diese eindrücklichen Szenen erlebt hat.

Ein Mann mit Maske schaut in die Kamera, um ihn herum viele Fotografen, im Hintergrund Ruinen von Häusern


9/11 war das einschneidenste Ereignis seines Lebens – der Fotograf Helmut Fricke war mittendrin
Bild © Helmut Fricke


Die ganze Nacht ist Helmut Fricke schon unterwegs. Schnell noch eine Abschiedsgeschichte des Fischmarkts an der Wall Street fotografieren. Am 11. September fährt er um vier Uhr morgens zurück ins Hotel. Wenige Stunden später klingelt das Telefon. Ein Flugzeug, wohl ein Sportflugzeug, sei in das World Trade Center geflogen. Fricke überredet einen Taxifahrer, ihn noch mal Downtown zu fahren.

Nur durch Glück bleibt er nicht unter den brennenden Zwillingstürmen stehen. Das World Trade Center allein hat ihn nicht interessiert. Er wollte die Menschen ablichten. Vor der Auffahrt zur Brooklyn Bridge findet er eine Mauer mit Blick durch die Häuserschluchten. Er schießt ein Foto nach dem anderen, analog mit einer Leica.

Der erste Turm stürzt ein, eine Frau schreit verzweifelt

Die Menschen schieben sich auf der Flucht vor den Türmen an ihm vorbei. Sie rennen, schauen entsetzt. Dann bricht kurz darauf der Südturm in sich zusammen. „Wenn so ein Turm zusammenfällt, glaubt man, ein irrsinniges lautes Geräusch zu hören. Aber das war’s nicht. Es war dumpf, und es grollte nur in sich“, erzählt Fricke.

Im Vordergrund eine schreiende Frau, dahinter Menschenmassen. Im Hintergrund ein Wolkenkratzer, aus dem dunkle Rauchschwaden kommen. Das Bild ist schwarz-weiß.


Rauch aus dem World Trade Center, flüchtende Menschenmassen und eine schreiende Frau – auch in schwarz-weiß überträgt sich das Entsetzen dieses Augenblicks
Bild © Helmut Fricke


Am Horizont bildet sich eine gewaltige Wolke. Als würden die Türme des World Trade Centers von einem Vulkanausbruch verschlungen. So sieht es auf seinen Fotos aus. Davor die Menschen. Vor allem eine Frau fällt dem Fotografen auf. „Die sah ich schon von weitem auf mich zukommen. Und genau in dem Moment, als sie an mir vorbeilief, schrie sie ganz laut. Ein sehr, sehr intensiver und verzweifelter Schrei.“ Und so macht der Fotograf das, was er tun sollte. Er drückt auf den Auslöser.

Die Staubwolke beerdigt New York und die Menschen unter sich

Danach verschlingt die Staubwolke alles, die Menschen, die Stadt und den Fotografen. Fricke versteckt seine Kameras unter der Jacke. Angst hat er keine. Er bleibt auf der Mauer stehen, bis sich der Staub wieder legt. Er sieht ein Auto in einer absolut weißen Landschaft, keine Fußabdrücke, als wäre Schnee gefallen.

Fricke springt von der Mauer und fotografiert weiter. Die Menschen, wie sie sich in Hauseingängen verstecken, wie sie rennen und sich gegen den Staub schützen. Dystopische Bilder. Eine Frau läuft im BH über die Straße, das Shirt hochgezogen vor ihr Gesicht. Menschen in Anzügen, mit Aktentaschen unter dem Arm, wie in Zement gebadet. „Mir war es wichtig, die Reaktionen der Leute zu fotografieren. Das Entsetzen. Das war ja spürbar. Für die Leute war das ja eine Katastrophe.“

„Nine-Eleven ist für mich das zentrale Ereignis“

Hunderte seltene Fotos fängt der Oberurseler Fotograf ein – immer New Yorks Bürger im Fokus. Erst später fotografiert er das, was von den Türmen übriggeblieben ist. Gespenstische Skelette aus Stahl in der Nacht. Flankiert von Feuerwehrleuten im Einsatz. Danach muss Fricke ins Hotel, um seine Filme zu entwickeln.

Auf dem schwarz-weiß-Foto sind vorne Silhouetten von Menschen zu sehen, Feuerwehrleute und im Hintergrund die schwarzen Schemen der Überreste von Häusern


Ruinen, die wie Monster in der Nacht wirken.
Bild © Helmut Fricke


10 Tage bleibt der FAZ-Fotograf in New York, an Schlaf ist kaum zu denken. Er lichtet Menschen ab, die sich in den Armen liegen, die ihre Angehörigen suchen oder sich bei den Einsatzkräften bedanken. Dann geht’s zurück nach Deutschland. „Ich kam nach Hause und hatte drei Tage lang Fieber und Alpträume.“

Nach dem Anschlag offenbart sich erst nach und nach das ganze Ausmaß der Katastrophe. Dass es Passagierflugzeuge waren, dass es ein Terroranschlag war, der die USA und die Welt verändern sollte. „Nine-Eleven ist für mich das zentralste Ereignis, selbst der Fall der Mauer hat nicht so eine Bedeutung für mich.“ Denn überall auf der Welt habe jeder dazu seine eigene Geschichte.

Weitere Informationen

Fotoausstellung „9/11 – Under Attack“

Helmut Frickes dokumentarische Eindrücke zum Terroranschlag in New York sind noch bis Ende September im Frankfurter Kulturzentrum Massif Central im Bethmannhof zu sehen.
Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Mo 11-16 Uhr, Di-Sa 11-21 Uhr.
Am 11. September ist der Fotograf zusammen mit zwei FAZ-Kollegen ab 19 Uhr im Frankfurter Presseclub.

Ende der weiteren Informationen

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/seltene-fotos-von-911-ausstellung-in-frankfurt-zeigt-den-schrecken-von-new-york-v2,fotoausstellung-faz-fotograf-100.html

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