Die Astor-Kinos ziehen sich aus den Jüdischen Filmtagen in Frankfurt zurück. Die Betreiber nennen wirtschaftliche Gründe und Sicherheitsbedenken – die Jüdische Gemeinde stellt das infrage. Die Bürgermeisterin spricht von einem „fatalem Signal“.
Dass die Astor Film Lounge in Frankfurt bei den 6. Jüdischen Filmtagen im Oktober nicht mehr als Spielort dabei ist, hatte die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Dienstag öffentlich gemacht.
Die Geschäftsführung der Astor Film Lounge begründet den Schritt mit wirtschaftlichen Überlegungen. Die Veranstaltung im Jahr 2024 habe sich mit 40 bis 50 Gästen in zwei Vorstellungen „wirtschaftlich nicht getragen“. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit sei eine legitime Grundlage unternehmerischer Entscheidungen – unabhängig vom Inhalt einer Veranstaltung.
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03:43 Min.||Jan Tussing
Zugleich verweist das Unternehmen auf Sicherheitsaspekte. Man bedaure, dass entsprechende Veranstaltungen im Kino in der Vergangenheit bereits unter Polizeischutz hätten stattfinden müssen, und teile die Bestürzung darüber. Antisemitismus lehne man unmissverständlich ab.
Kino: „Die Situation ist uns aktuell zu heiß“
Diese Darstellung weist die Jüdische Gemeinde teilweise zurück. In den Vorgesprächen sei die Wirtschaftlichkeit nie Thema gewesen, sagt ihr Vorstandsvorsitzender Marc Grünbaum. Man wäre bereit gewesen, Kosten zu übernehmen oder eine Umsatzgarantie zu geben – das sei bei solchen Veranstaltungen üblich.
In der Absage-Mail Mitte März sei dann nur lapidar mitgeteilt worden, dass das Kino sich nicht an den Jüdischen Filmtagen beteiligen wolle. „Die Situation ist uns aktuell zu heiß“, heißt es in der Mail, die hessenschau.de vorliegt.
Erst in einer zweiten Mail einige Tage später seien diese Bedenken dann ausgeführt worden. Darin ist die Rede davon, dass die Einnahmen kaum den Mehraufwand für die Veranstaltungen gedeckt hätten und der Polizeischutz während der Veranstaltungen mit der Jüdischen Gemeinde „zu einem großen Gefühl der Unsicherheit“ bei den Mitarbeitern geführt habe.
Außerdem heißt es in der Mail, die hessenschau.de vorliegt: „Und zu guter Letzt müsse es in einem Land wie Deutschland noch erlaubt sein, sich als Kino neutral zu verhalten.“
Bürgermeisterin spricht von „fatalem Signal“
Diesen Verweis auf Neutralität sieht Grünbaum besonders kritisch. Wenn Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde so gefährdet seien, dass Polizeischutz nötig werde, könne man sich nicht neutral verhalten. „Das ist kein normaler Zustand“, sagt er. Gerade dann seien Haltung und klare Positionierung gefragt.
Auch die Stadt Frankfurt als Mitveranstalterin der Filmtage äußert sich besorgt. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) spricht von einem „fatalen Signal“. Wer sich aus einer solchen Kooperation zurückziehe, vermittle den Eindruck, antisemitische Entwicklungen würden hingenommen und jüdische Perspektiven verlören an Unterstützung.
Die Astor-Geschäftsführung erklärte unterdessen, man stehe für ein klärendes Gespräch jederzeit zur Verfügung. Grünbaum zeigt sich grundsätzlich offen, knüpft daran aber Bedingungen: „Dazu gehört, dass wir uns ehrlich machen müssen.“ Nur so könnten unterschiedliche Sichtweisen ausgetauscht und Missverständnisse ausgeräumt werden.
Die Jüdischen Filmtage finden in diesem Jahr übrigens trotzdem statt. Mit der Astor Film Lounge fällt nur ein Spielort weg. Weitere Veranstaltungen sollen unter anderem im Deutschen Filmmuseum, im Filmforum Höchst, im Mal Sehn’ sowie in mehreren Cinema-Kinos und im Massif E stattfinden.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/situation-zu-heiss-astor-kino-steigt-aus-juedischen-filmtagen-in-frankfurt-aus-v1,absage-astor-lounge-juedische-filmtage-100.html


