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Nach den Irrungen und Wirrungen unter Albert Riera und einer insgesamt chaotischen Spielzeit soll bei Eintracht Frankfurt in dieser Saison alles besser werden. Alle Verantwortlichen und Spieler sprechen offen von der Rückkehr nach Europa, der große Hoffnungsträger ist Trainer Adi Hütter. Aber reicht das? Der Teamcheck.
Wie lief die Vorbereitung?
Vor allem im Trainingslager im bayrischen Grassau wurde deutlich, dass den Hessen schon weit vor dem ersten Pflichtspiel ein kleines Kunststück gelungen ist: Die Stimmung ist wieder positiv, die Last der vergangenen Spielzeit abgeworfen, die Leiden unter Don Alberto sind vergessen. Verantwortlich dafür in erster Linie: Trainer-Rückkehrer Hütter. Die Testspiele liefen zudem lange ordentlich bis gut, dann dämpfte das blamable 0:7 in Brentford die gerade aufkeimende Euphorie doch vehement. Die Eintracht befindet sich vor dem Bundesliga-Start am Samstag (15.30 Uhr) bei Union Berlin in einem emotionalen Graubereich.
Was ist gut?
Eintracht Frankfurt soll unter Adi Hütter wieder Eintracht-Frankfurt-Fußball spielen, und genau das war tatsächlich ab der ersten Trainingseinheit erkennbar. Frühes Pressing, hohe Ballgewinne, kurze Wege zum Tor, gepaart mit Intensität, Intensität und Intensität. So soll es gehen, so soll die Eintracht wieder zurück zu sich selbst finden. Der Plan von Hütter ist klar, die Spieler honorieren das und ziehen mit.
Allen voran Jonathan Burkardt ist deshalb in den vergangenen Wochen regelrecht aufgeblüht, selbst Can Uzun (mit Ausnahme des Testspiel-Debakels von London) haut sich voll rein und gewinnt sogar Defensiv-Zweikämpfe. Die Offensive, so denn alle fit sind und kein Leistungsträger mehr geht, kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen.
Was ist noch nicht gut?
Wo anfangen, wo aufhören? Vor allem im Defensivbereich ist die Eintracht nach wie vor eine Großbaustelle. Das unnötig erneut ausgesprochene Vertrauen in Kaua Santos kommt als großer Problem-Bumerang zurück. Die Eintracht, da gibt es kein Vertun mehr, braucht eine neue Nummer eins. Noah Atubolu, Lukas Hradecky oder doch Mr. X? Klar ist: Es muss etwas passieren.
Gleich gilt für die Reihe davor. Robin Koch, der nach wie vor nicht sicher wirkt, ist aktuell der einzige Innenverteidiger mit Format. Da zudem die beiden Außenverteidiger Elias Baum und Keita Kosugi ihre Bundesligatauglichkeit noch unter Beweis stellen müssen, sollten in der Abwehr zwei, besser noch drei, Neue kommen. Alarmstufe Rot? Mindestens Gelb!
Erschwerend hinzukommt, dass Kaderplaner Markus Krösche bisher zu wenige Spieler gewinnbringend verkauft hat und ihm so Spielraum für Investitionen fehlt. Abgesehen von den offensichtlichen Lücken in der Abwehr müsste eigentlich auch noch ein weiterer Stürmer des Kalibers Arnaud Kalimuendo her. Die Eintracht wird, das zeichnet sich ab, Abstriche machen und mit einem unrunden Kader in die Saison gehen.
Dass von den bislang vier Neuzugängen aktuell maximal Raphael Onyedika das Zeug zu einer Verstärkung hat, wirft weiter Fragen auf. Was genau war der Plan bei den Transfers?
Wie gibt sich der Trainer?
Adi Hütter gibt sich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit in Hessen nach außen entspannt und volksnah, der Österreicher hat aus seinem Es-wechseln-sich-nur-Farben-Fehler gelernt und konnte das Umfeld schnell wieder für sich gewinnen. Wer genau hinhört, merkt allerdings, dass es in ihm anders aussieht. Hütter ist unzufrieden mit seinem Personal und der Zusammenstellung des Kaders, der 56-Jährige sieht sich nicht als Mängelverwalter. Sprich: Hütter hat große Ziele und viel Ehrgeiz, derzeit passt das Frankfurter Aufgebot aber noch nicht zu seinen Vorstellungen.
Hütter ist der richtige Mann für die Eintracht, nun liegt es an Sportvorstand Markus Krösche ihn nicht frühzeitig wieder zu vergraulen.
Was macht eigentlich Krösche?
Womit wir bei Krösche angekommen wären. Der Perlentaucher der vergangenen Jahre scheint seinen siebten Transfersinn (bislang) irgendwo verloren zu haben. Mit Niels Nkounkou, Arthur Theate, aber auch Jean-Matteo Bahoya und Farés Chaibi sind weiter zu viele Besserverdiener ohne Perspektive im Kader. Aus den angedachten Millionen-Verkäufen von Noel Futkeu oder Elye Wahi wurde nichts. Dass die Neuzugänge Malik Pimpong und Otavio wohl noch viel Zeit brauchen werden und Noel Aseko wegen einer rätselhaften Knieverletzung weiterhin komplett außen vor ist, erhöht den Druck zusätzlich.
Es liegt nun an Krösche, dem Kader bis zum Deadline Day noch eine gehörige Portion Qualität hinzuzufügen. Wo es hapert, weiß inzwischen – und seit Wochen – jeder.
Was wird das für eine Saison?
Eine seriöse Einschätzung ist derzeit sehr schwierig. Klar ist nur, dass der aktuelle Kader den hohen Ansprüchen definitiv nicht gerecht wird. Da die Eintracht-Bosse und -Profis jedoch offen davon sprechen, wieder ins internationale Geschäft zurückkehren zu wollen, müssen sie sich an diesem Ziel messen lassen. Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp prägt den Satz, dass sich Erfolg stets an der Leistung in Relation zur Erwartungshaltung messen lässt. Geht es danach, hinken die Hessen im Wettrennen mit sich selbst gerade meilenweit hinterher.
Noch ist Zeit, die Baustellen im Kader zu beackern und die für alle offensichtlichen Schwachstellen auszumerzen. Je besser das gelingt, desto mehr ist drin. Die Hessen stehen vor richtungsweisenden Tagen – und womöglich einer erneut schwierigen Spielzeit.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/teamcheck-eintracht-frankfurt-hinkt-sich-selbst-hinterher-v1,eintracht-frankfurt-teamcheck-102.html



