Verkehr

Unwetter trifft Wetzlar-Münchholzhausen: Mehrere Dutzend Häuser wurden beschädigt

Unwetter trifft Wetzlar-Münchholzhausen: Mehrere Dutzend Häuser wurden beschädigt

Heftige Gewitter sind am Mittwochabend durch Hessen gezogen. Schwer getroffen wurde Wetzlar-Münchholzhausen, wo der Sturm enorme Kräfte freisetzte. Mehrere Dutzend Häuser wurden beschädigt.



Dächer wurden im Wetzlarer Stadtteil Münchholzhausen teilweise oder ganz abgedeckt, Dachpappe flog hunderte Meter weit.
Bild © hr


Als Hartmut Weil am Mittwochabend ein lautes Rauschen, dann ein Pfeifen hört, schaut er aus dem Fenster seines Wintergartens am Rande des Wetzlarer Stadtteils Münchholzhausen (Lahn-Dill).

Audiobeitrag


Audio

02:14 Min.
|Roman Warschauer (hr)

Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Gegen 21 Uhr muss es gewesen sein, erinnert er sich, draußen war es stockdunkel. Doch plötzlich flog ein Stück Dachpappe vorbei, besser gesagt: Eine schwere Bitumen-Schweißbahn wirbelte wie ein Blatt in den Garten.

Mehr als 12 Stunden später steht Weil bei strahlendem Sonnenschein neben dem teerschwarzen Haufen und kann sagen: Er hat Glück gehabt. Obwohl sein Haus im östlichen Teil des kleinen Örtchens quasi im Epizentrum des Unwetters steht, ist es verschont geblieben.

Trampolin durch den Garten geweht

Ein paar Meter weiter sieht es anders aus: Dem Nachbarhaus fehlt das halbe Dach, ein ganzes Trampolin wurde von einem Garten in den nächsten geweht. Wieder ein paar Häuser weiter hat der Sturm einen Zaun inklusive Mauer aus der Betonverankerung gerissen.

Die Bitumenbahnen einer stillgelegten Industriehalle wurden teils mehrere hundert Meter in den Ort verteilt. Nach Angaben der Feuerwehr wurden bei dem Unwetter am Mittwochabend insgesamt 60 Häuser beschädigt, sechs hätten statisch überprüft und teils gesichert werden müssen.

Ein Einfamilienhaus, in dessen Dach aus Dachziegeln ein Loch klafft und die Dachlatten freilegt.


Die Schäden reichen von kleineren Löchern bis zu abgedeckten Dächern.
Bild © Sonja Fouraté (hr)


„Haben gehofft, dass es nicht einschlägt“

Von einem zehnminütigen Donnergrollen berichtet ein weiterer Anwohner, der seinen Namen nicht nennen will. „Meine Frau hat dann hier das Dach auf uns zukommen sehen, das jetzt bei uns im Hof liegt.“ Beide hätten die Luft angehalten und gehofft, „dass es nicht einschlägt“, berichtet er.

Und auch er hatte Glück: Sein Tor ist kaputt, Scherben von Dachziegeln liegen herum, weitere Schäden habe er aber nicht, weiß er jetzt.

Videobeitrag

Dieses Haus wurde vom Tornado abgedeckt

Ende des Videobeitrags

Telefon bei Dachdecker stand nicht still

Dachdecker Marvin Watzel ist aus Greifenstein angereist und hat mit Arbeiten am Dach eines Autohauses begonnen. Seit dem Abend stehe das Telefon nicht still, berichtet er. Er könne nicht nach der Schwere der Schäden priorisieren: „Wer zuerst angerufen hat, kommt zuerst“, sagt er.

Und so sind einige Dächer provisorisch mit Planen abgedeckt, an anderen sind die Löcher durch fehlende Ziegel noch zu sehen. Hier und da liegt Dachpappe, ein Auto in einer Einfahrt ist davon bedeckt.

Zwei Autos stehen in eine Hofeinfahrt nebeneinander vor zwei Garagen. Das rechte davon ist von Dachpappe umhüllt.


Eine der Dachpappen hat sich um ein Auto gewickelt.
Bild © Sonja Fouraté (hr)


Einige Anwohner haben abgebrochene Äste oder kaputte Ziegel zusammengekehrt – sie habe Hilfe von Freunden, berichtet eine Hausbesitzerin, die ihren Namen ebenfalls nicht nennen will. Zwischen all dem verlegen Arbeiter Glasfaser in aufgebrochene Gehwege, an anderer Stelle wird an der Kanalisation gearbeitet. Im Westen des Örtchens hat der Sturm nur geringe bis gar keine Schäden hinterlassen.

Höhe der Schäden noch unklar

Im östlichen Teil wiederum begutachten mehrere Versicherungsvertreter die Häuser, machen Notizen auf Klemmbrettern. Die Schäden könnten von einer niedrigen fünfstelligen Summe bis in die Millionen gehen, erklärt einer von ihnen. Es sei schwer zu sagen, wie viel am Ende zusammenkomme.

Weder Stadt noch Landkreis konnten auf hr-Anfrage am Donnerstag bereits Angaben zur Höhe der Schäden machen. Ähnliches gilt für das etwa 15 Kilometer entfernte Örtchen Solms-Oberndorf, wo ein Tornado am Mittwochabend mehrere Häuser unbewohnbar machte.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Ende des externen Inhalts

In Münchholzhausen ist Hartmut Weil froh, dass niemand von Ziegeln, Dachrinnen oder eben der Dachpappe getroffen worden sei. „Das ist doch das wichtigste“, erinnert er.

Weitere Informationen

„Tornadoallee“ Lahntal

Die Region Lahntal gehöre zu einer Art „Tornadoallee“, sagte der Meteorologe Martin Gudd am Donnerstag. Zwischen Wetzlar, Gießen, Grünberg und dem nördlichen Vogelsberg träten alle ein bis zwei Jahre Tornados auf. Grund sei: Wenn Gewitter von Westen nach Osten über das Lahntal ziehen, dann könne die Gewitterwolke eine Art „Kick“ bekommen und fange an, sich zu drehen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung:
hessenschau.de, Unwetter in Hessen – Tornado in Solms, 20.08.2026, 10:50 Uhr, hr4,

Quelle: hessenschau.de

Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/unwetter-trifft-wetzlar-muenchholzhausen-mehrere-dutzend-haeuser-wurden-beschaedigt-v1,unwetterschaeden-wetzlar-solms-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert