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Wie Frankfurt seine Weiher und Seen vor dem Hitzetod retten will

Wie Frankfurt seine Weiher und Seen vor dem Hitzetod retten will

Die zunehmend heißen Sommer machen Weihern und Seen schwer zu schaffen. Die Beseitigung von Schlamm und Algen ist teuer und aufwendig. Die Stadt Frankfurt testet ein neues, günstigeres Verfahren.

Mit einem Ruderboot fahren Uwe Nimmrichter vom Biotechnologieunternehmen BluePlanet Germany und seine Kollegin Lena Roth an einem heißen Sommertag auf dem Rebstockweiher. Mit an Bord des kleinen Bootes haben sie einen langen durchsichtigen Zylinder. Mitten auf dem Wasser sticht Uwe Nimmrichter damit in den Grund des Weihers. Dann geht’s zurück ans Ufer.

„So sieht’s da unten aus“, sagt Nimmrichter, als er den Inhalt des Zylinders anschaut: Es ist ein Querschnitt des Weihergrundes. Ganz unten eine Schicht aus Sand, darüber ein Gemisch aus Ton, Lehm und Sand. Und ganz oben eine dünne Schicht aus organischem Material, beispielsweise von abgestorbenen Algen, die auf den Grund gesunken sind. Keine Spur von Schlamm – und das ist wichtig.

Uwe Nimmrichter ist mit der Querschnittprobe zufrieden: „Anfang Mai waren hier noch 30 Zentimeter Kompaktschlamm und Schwebschlamm drüber. Da sieht man, es hat sich richtig was getan.“ Lena Roth von BluePlanet Germany ist nochmal auf den Weiher rausgefahren. Sie lässt hat derweil den Sauerstoffgehalt am Grund des Rebstockweihers gemessen. Auch ihr Fazit fällt positiv aus.

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03:26 Min.
||hr


Weiher vor dem Hitzetod bewahren


Bild © hr


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Testlauf zeigt gute Ergebnisse 

Seit Ende April erprobt das städtische Grünflächenamt gemeinsam mit BluePlanet Germany ein neues Verfahren, um ihre Gewässer zu reinigen. Dass der Schlamm im Rebstockweiher nun verschwunden ist, ist für die Stadt Frankfurt daher eine gute Nachricht. 

In einem Extremsommer wie diesem besteht besonders in kleineren Seen und Weihern hoher Handlungsbedarf: Hitze und längere Trockenphasen sorgen dort für ein ökologisches Ungleichgewicht.

Bemerkbar macht sich das beispielsweise durch übermäßiges Ausbreiten von Blaualgen und durch üble Gerüche. Zusätzlich sammeln sich Laub, Zweige, Kot von Wasservögeln, abgeschwemmte Erde, Sand und abgestorbene Wasserpflanzen am Grund der Gewässer. Nach und nach entsteht daraus eine dicke Schlammschicht. Der Weiher kippt um, viele Lebewesen darin sterben.

Und letztlich auch das Gewässer selbst. Was passieren kann, wenn der Schlamm nicht entfernt wird, erklärt Miriam Leistenschneider-Jacob vom Grünflächenamt: „Wenn man gar nicht eingreifen würde, würden sie nach und nach verschlammen oder irgendwann verlanden.“ Sie würden also im äußersten Fall austrocknen.

Bisherige Verfahren sind teuer und langwierig

Damit das nicht passiert, muss das Grünflächenamt alle zehn bis 20 Jahre aktiv werden. Auf herkömmliche Art ist das ein sehr aufwendiges Verfahren, wie Leistenschneider-Jacob sagt: „Das Wasser muss abgelassen werden, die Fische müssen umgesiedelt werden.“ Wenn das nicht möglich sei, schicke man ein Boot mit einem Mähroboter los, um die Algen zu schneiden.

All diese Verfahren seien nicht nur teuer und langwierig, sagt Leistenschneider-Jacob. Sie sorgten auch dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger den betroffenen Park nicht mehr vollständig nutzen könnten, weil der Weiher abgesperrt werden müsse.  

Reinigung mit Sauerstoff und Bakterienkulturen 

Im Vergleich dazu erfordert die derzeit getestete Methode einen minimalen Eingriff. Das Biotechnologieunternehmen BluePlanet Germany setzt auf zwei Verfahren. Einerseits wird mit Hilfe eines Schlauchs eine speziell gebraute Flüssigkeit in den Weiher gesprüht.

Ein Mann mit Glatze und Brille steht mit einem Gartenschlauch am Ufer eines Weihers und spritzt eine Flüssigkeit hinein. Der Himmel ist blau.


Ein Mitarbeiter von BluePlanet Germany spritzt Flüssigkeit mit einer Bakterienmischung in den Rebstockweiher.
Bild © hr


Uwe Nimmrichter erklärt, was sie enthält: „Das sind konditionierte Bakterien, die wir ganz gezielt für den Einsatz vorbereitet haben.“ Dabei handele es sich um die gleichen Bakterienstämme, die in der Natur vorkämen, wenn das Gewässer nicht aus dem Gleichgewicht sei. Ihre Aufgabe: den organischen Schlamm und die überschüssigen Nährstoffe am Grund abbauen.

Außerdem werden die Gewässer über Pumpen mit Sauerstoff angereichert, wie Nimmrichter ausführt. Der Sauerstoff verbessere nicht nur die Lebensbedingungen für die Bakterien, sondern auch für Fische und andere Lebewesen. Das sei gerade im Sommer wichtig. Denn Hitze und Nährstoffbelastung führten zu einem akuten Sauerstoffmangel in Gewässern. 

Für Miriam Leistenschneider-Jacob vom Grünflächenamt liegen die Vorteile der neuen Methode auf der Hand: „Wir können den Weiher einfach in seiner Form erhalten. Wir müssen nicht mit schwerem Gerät darin arbeiten. Der Lebensraum bleibt erhalten.“

Im Ausland schon im Einsatz

Das Verfahren, das Uwe Nimmrichter in Südafrika kennen gelernt hat, wird noch bis Ende des Jahres in Frankfurt getestet. Außer im Rebstockweiher kommt es im Försterwiesenweiher im Stadtwald zum Einsatz, „weil natürlich im Forst andere Bedingungen herrschen als mitten in der Stadt“, sagt Miriam Leistenschneider-Jacob. Sollte sich die neue Methode an beiden Standorten bewähren, „wollen wir das gerne auf die anderen Weiher übertragen“.

Nach Angaben des Grünflächenamts kostet das Pilotprojekt die Stadt Frankfurt über 800.000 Euro. Das sei deutlich kostengünstiger als die bisherigen Methoden – und eine Lösung mit natürlichen Mitteln. Ob das neue Verfahren die Probleme langfristig löst und auch in anderen Seen oder Weihern in Hessen, soll über zwei Jahre hinweg wissenschaftlich untersucht werden. 

Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/wie-frankfurt-seine-weiher-und-seen-vor-dem-hitzetod-retten-will-v1,hitze-frankfurt-weiher-100.html

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