Rund 2.000 Haushalte waren Ende Juni in Rüsselsheim stundenlang ohne Strom. Verbindungsmuffen im Boden hatten der Hitze nicht standgehalten. Beim Bürgerdialog wurde deutlich: Die Stadtwerke müssen sich nicht nur auf weitere Hitzewellen einstellen.
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In einem Rüsselsheimer Mietstudio für Film- und Fotoproduktionen haben sich am Dienstagabend zahlreiche Besucher eingefunden. Sie wollen wissen, was hinter dem großflächigen Stromausfall vom 25. Juni 2026 steckt. Viele von ihnen waren selbst betroffen.
2.000 Haushalte während WM-Spiel ohne Strom
Mitten in der Hitzewelle und während des letzten WM-Gruppenspiels der deutschen Nationalmannschaft waren rund 2.000 Haushalte plötzlich ohne Energie. Fernseher, Kühlschränke und Klimaanlagen fielen aus. Erst am nächsten Tag war die Versorgung in allen Stadtteilen wiederhergestellt.
Und das nicht zum ersten Mal: Bereits im Juni 2025 hatte es mehrere stundenlange Stromausfälle in Rüsselsheim gegeben. Viele Bürger fragen sich deshalb: Ist das Stromnetz noch sicher? Und können solche Ausfälle künftig häufiger vorkommen?
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03:27 Min.|Zoe Bünning
„Wenn man keinen Strom hat, ist das schon ein komisches Gefühl“, sagt Besucher Olaf Preuss. Er musste 19 Stunden warten, bis die Versorgung wiederhergestellt war. „Da macht man sich schon Gedanken“, sagt er.
Verbindungsmuffen sind die Schwachstelle
Nach der Begrüßung durch Moderator Arne Löffel erklärt Hasan Omerovic die Ursache des Ausfalls. Er leitet bei den Stadtwerken Rüsselsheim den Bereich Stromnetze und hat zwei Verbindungsmuffen mitgebracht. Sie sind ähnlich aufgebaut wie jene, die am 25. Juni ausfielen.

Erklärung am Objekt: Hasan Omerovic zeigt Teilnehmer Olaf Preuss die kaputte Muffe.
Bild © Zoe Bünning (hr)
Solche Muffen verbinden unterschiedliche Kabelsysteme und gelten laut Omerovic als vergleichsweise störanfällig. „Dadurch können öfter Fehler auftreten.“ Eine entscheidende Rolle habe auch die Hitze gespielt. Hinzu komme das Alter bestimmter Kabeltypen.
Zehn Stunden für die Reparatur
Nach mehreren heißen Tagen hatte sich der Boden so stark erwärmt, dass das Isolierfett in den Muffen flüssig wurde. Dadurch kam es laut Omerovic zu einem sogenannten Erdschluss. Die Überwachungstechnik schaltete daraufhin größere Bereiche ab.
Insgesamt waren 13 Muffen direkt betroffen. „Insgesamt haben wir 16 ausgetauscht“, sagt Omerovic.
Die Reparatur dauerte: Fehler lokalisieren, Straßen aufgraben, Muffen austauschen und anschließend alles messen. Das summierte sich auf gut zehn Stunden. Rund 45 bis 50 Mitarbeiter waren laut Omerovic bis zu 18 Stunden im Einsatz.
40 Grad im Boden
Maik Landwehr, Geschäftsführer der Stadtwerke Rüsselsheim, sieht im Klimawandel eine wachsende Herausforderung. „Wir hatten an dem Tag 40 Grad in 60 Zentimetern Tiefe. Normalerweise sind es zehn Grad.“ Auch andere Netze in der Region seien an diesem Tag an ihre Grenzen gekommen. „Um uns herum kippten einzelne Netze“, sagt Landwehr.
Die Stadtwerke arbeiten deshalb unter anderem mit der Hochschule RheinMain an der Erfassung von Bodentemperaturen. Außerdem sollen Kabel künftig in tiefere Erdschichten verlegt werden. Die Digitalisierung soll dabei helfen, Schäden schneller zu erkennen.
Mehr Klimageräte, mehr Wärmepumpen
Mit steigenden Temperaturen könnten zudem mehr Klimageräte eingesetzt werden und das Stromnetz zusätzlich belasten, sagt Landwehr. Auch die Energiewende stellt die Netze vor neue Herausforderungen – etwa durch Wärmepumpen und Elektroautos.
Aktuell sieht der Stadtwerke-Geschäftsführer die Versorgung in Rüsselsheim allerdings gut aufgestellt. „Das Netz verträgt E-Mobilität und Wärmepumpen.“ Es gebe Leistungsreserven. Ein geplantes neues Umspannwerk soll die Kapazität zusätzlich erhöhen.
Stadt will sich auf Hitze vorbereiten
Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, sieht deshalb zwei Aufgaben: Im Notfall müsse die Stadt schnell reagieren. Gleichzeitig müsse sie sich auf weitere Hitzeperioden vorbereiten.
„Wir müssen schnell reagieren, wenn es passiert“, sagt Burghardt. „Da haben wir viel gelernt in den letzten zwei Jahren.“
Auch bei der Klimaanpassung müsse die Stadt vorsorgen. Burghardt verweist auf das Klimaanpassungskonzept. Dazu gehören etwa weniger Betonflächen und mehr Grün in der Innenstadt. Dafür brauche es auch Unterstützung von Bund und Land.
Bürger wollen wissen, was künftig passiert
In der anschließenden Fragerunde geht es unter anderem um Elektroautos und Wärmepumpen. Ein Bürger will wissen, wie stark sie das Stromnetz künftig belasten könnten. Landwehr verweist auf vorhandene Leistungsreserven und das geplante Umspannwerk.
Auch ein mögliches Monitoring der Bodentemperaturen wird angesprochen. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain soll dabei helfen. „Der erste Schritt wird sein, Bodensonden zu platzieren, um Messwerte zu sammeln“, sagt Landwehr. Danach müsse über geeignete Gegenmaßnahmen entschieden werden.
Am Ende zeigen sich die Teilnehmer zufrieden mit dem Austausch. „Es war eine gelungene Veranstaltung“, sagt Olaf Preuss. „Man muss sich überlegen, was man kurzfristig und langfristig machen kann. Und langfristig dauert eben lang.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/2000-haushalte-ohne-strom-was-ruesselsheim-aus-dem-ausfall-lernt-v1,buergerdialog-stromausfall-100.html



