25 Euro pro erlegtem Waschbär – das will die mittelhessische Gemeinde Selters Jägern zahlen. Die Jagd der invasiven Art sei für sie besonders aufwendig. Naturschützer sind skeptisch.
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00:41 Min.|Benjamin Müller
Selters (Limburg-Weilburg) will die Ausbreitung von Waschbären eindämmen und unterstützt dabei künftig Jäger finanziell. Für jeden erlegten Waschbären soll eine Prämie von 25 Euro gezahlt werden.
Anspruch darauf haben Jagdpächter der Jagdreviere der Gemeinde. Bekämpft werden soll der Waschbär vor allem dort, wo es bereits Hinweise auf Vorkommen der Tiere gibt.
Volle Zustimmung im Gemeindeparlament
Die Prämie hatte die SPD-Fraktion zur Bekämpfung der invasiven Art vorgeschlagen. Die Gemeindevertreter stimmten dem Antrag in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig zu, wie Bürgermeister Benjamin Zabel (unabhängig) dem hr sagte.
Die Gemeinde versteht die Zahlung als Aufwandsentschädigung. Denn die Fang-Jagd sei für die Jäger mit erheblichem zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden. Dieser Aufwand wird den Angaben nach bislang von den Jagdpächtern unentgeltlich getragen.
Jäger müssen erlegte Waschbären nachweisen
Voraussetzung für die Prämie ist, dass der Waschbär ordnungsgemäß in einer zugelassenen Falle gefangen und danach fachgerecht entsorgt wird. Darüber sollen die Jagdpächter einen Nachweis bringen. Die Verwaltung soll nun ausarbeiten, wie dieser genau aussehen und wie die Abrechnung erfolgen soll.
Dem Landesjagdverband ist nach eigenen Angaben bislang aus anderen hessischen Landkreisen oder Kommunen keine Prämie oder Aufwandsentschädigung für die Erlegung von Waschbären bekannt. Selters ist offenbar die erste Gemeinde mit einem Kopfgeld auf Waschbären.
Nachtaktive Waschbären am besten in Fallen zu fangen
Ein Sprecher des Verbandes sagte dem hr am Dienstag: „Wir begrüßen diese Idee, weil es eine große Wertschätzung für die wichtige Arbeit ist, die Jäger bei der Waschbär-Bejagung leisten.“
Er erläuterte, dass Waschbären nachtaktiv sind. Aus Daten von Fang-Meldern wisse man, dass die meisten Waschbären zwischen 0 und 5 Uhr gefangen werden. Da dann kaum ein Jäger unterwegs sei, sei der Einsatz von Fallen besonders wichtig und dieser gehe mit einem erhöhten Aufwand einher.
Zum Vorkommen der Tiere in Hessen sagte er: „Die Waschbär-Hauptstadt Kassel strahlt immer mehr Richtung Süden aus. Wir merken selbst an der Bergstraße, dass mehr Waschbären erlegt werden.“ Man solle in Selters nicht zu lange abwarten, sondern die Jagd jetzt intensivieren.
Waschbären können Gebäude beschädigen
Hintergrund der Maßnahme in Selters sind laut der Gemeinde die zunehmenden Probleme mit Waschbären. Die Tiere sind eine Gefahr für heimische Tierarten. Besonders Vögel und Amphibien stehen durch die wachsende Population unter Druck.
Außerdem verursachen Waschbären Schäden an Gebäuden, indem sie in Dachböden und Gärten eindringen. Eine konsequente Bejagung liege daher im öffentlichen Interesse, hatte die SPD Selters argumentiert.
Sie rechnete in ihrem Vorschlag vor, dass bei 100 erlegten Tieren im Jahr Kosten von 2.500 Euro entstünden. Das Geld solle im Forst-Haushalt veranschlagt werden.
Naturschützer halten Jagd für wenig sinnvoll
Laut Naturschutzbund ist die Waschbär-Dichte im Siedlungsraum mit 100 bis 300 Tieren pro Quadratkilometer besonders hoch. „Die kann man über die Jagd nicht eindämmen – insbesondere in einem so großen Gebiet, wie einer ganzen Gemeinde“, sagte eine Nabu-Sprecherin dem hr.
Es könne zudem schnell sehr teuer werden. „Selbst bei ’nur‘ 400 Waschbären pro Jahr würde dies bei 25 Euro pro Tier schon 10.000 Euro kosten, dies wäre eine Dauerbelastung für die Gemeinde.“
Die Sprecherin betonte, der Waschbär sei ein „anpassungsfähiger Generalist mit breitem Nahrungsspektrum und flexibel, was seine Habitate angeht“. Er vermehre sich stark und seine soziale Struktur begünstige, dass er freie Lebensräume schnell wiederbesiedle. „Selbst intensive Jagd führte in vielen Regionen nicht zu einem Populationsrückgang, weil sich die Reproduktionsrate durch den Jagddruck erhöhte.“
Tierschutzbund fordert nicht-tödliche Maßnahmen
Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sollte der Waschbär als inzwischen „etablierte Art“ vor allem durch präventive und nicht-tödliche Maßnahmen gemanagt werden.
„Dazu gehören beispielsweise eine bessere Müllsicherung, Überkletterschutz an Gebäuden und die Umzäunung besonders sensibler Biotope, auch die Sterilisation mit anschließender Wiederfreilassung kann eine Alternative zur Bejagung darstellen“, teilte der Tierschutzbund dem hr auf Anfrage mit.
Schonzeit für Waschbären abgeschafft
Zum April dieses Jahres hatte die Landesregierung die Schonzeit unter anderem für Waschbären abgeschafft. Diese galt bis dahin für erwachsene Tiere von März bis Ende Juni.
Nach Angaben des Landesjagdverbands war die Schonzeit kontraproduktiv. „Der gesetzliche Elterntierschutz aus dem Bundesjagdgesetz bleibt bestehen, aber die Populationskontrolle wird erleichtert“, hatte der Verband mitgeteilt.
Neuer Rekord bei erlegten Waschbären
Jägerinnen und Jäger haben dem Verband zufolge im Jagdjahr 2024/25 (1. April bis 31. März des Folgejahres) deutschlandweit 284.220 Waschbären getötet – etwa doppelt so viele wie vor zehn Jahren und zehnmal so viele wie vor 20 Jahren.
Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Allein in Hessen wurden im Jagdjahr 2024/25 41.145 Waschbären erlegt – Tendenz steigend.
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Unter der invasiven Art leiden demnach besonders Frösche, Kröten und Molche. Der nordamerikanische Kleinbär trage zum lokalen Aussterben von Lurchen bei, so der Jagdverband. Die Waschbär-Jagd sei deshalb ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/25-euro-pro-erlegtem-waschbaer-selters-zahlt-jaegern-kopfgeld-v2,waschbaeren-kopfgeld-100.html



