Der neu gegründete Eintracht-Frankfurt-Fanclub „Juddebube“ wächst rasant und will jüdisches Leben auch im Fußballstadion sichtbar machen. Die Mitglieder sehen sich in einer hundertjährigen Tradition und wollen Diskriminierung in der Fan-Kurve entgegentreten.
Vorstandssprecher Majk Kupferberg trägt eine Kippa, die mit dem Eintracht-Adler verziert ist.
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„Schalömsche“ – so grüßen sich die „Juddebube“ gern, die Mitglieder des ersten Eintracht-Fanclubs, der jüdische Identität in den Mittelpunkt rückt. Seit Montag hat der Club auch ein Logo: Einen siebenarmigen Leuchter – die Menora – in Form eines Adlers. Der Entwurf, der Eintracht und Judentum grafisch verschmelzen lässt, wurde auf der ersten Mitgliederversammlung des Clubs begeistert aufgenommen.
Jüdische Symbole in der Fan-Kurve? „Wir wollen das zeigen, wir wollen uns bekennen“, sagt Renate Ruf, Eintracht-Fan „seit Ewigkeiten“, wie sie sagt, und nun auch Gründungsmitglied des neuen Fanclubs. Jüdische Identität sichtbar zu machen, ist erklärtes Ziel der Juddebube – im heimischen Waldstadion und auf Auswärtsfahrten.
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02:27 Min.|Tobias Lübben
Fanclub versteht sich nicht religiös

Das Logo des Fanclubs zeigt einen Kerzenleuchter in Form eines Eintracht-Adlers.
Bild © EFC Juddebube
Eine Kippa, die mit einem großen Eintracht-Adler verziert ist – mit seiner jüdischen Kopfbedeckung demonstriert Majk Kupferberg zugleich seine Eintracht-Liebe. Er ist Sprecher des Fanclub-Vorstands. Besonders fromm sei er nicht, sagt er. Das sei auch nicht wichtig, denn „wir sind nicht religiös“. Im Club seien Juden, Nicht-Juden, Männer, Frauen und non-binäre Personen.
Das Club-Konzept kommt offensichtlich an: Seit der Gründung im Mai hat sich die Mitgliederzahl schon fast verdoppelt, von 45 auf etwa 80. Es sei zwar nicht der erste von Juden gegründete Eintracht-Fanclub, sagt Kupferberg. Das seien die „Siegeradler“ gewesen. Aber bei den Juddebube sei die jüdische Komponente deutlicher zu sehen.
Schmähwort wird positiv umgedeutet
Die Idee zu dem Fanclub ist Kupferberg durch das Buch „Wir waren die Juddebube“ gekommen, ein Werk von Matthias Thoma, dem Geschäftsführer des Eintracht-Museums. Thoma dokumentiert darin, was für eine wichtige Rolle jüdische Spieler und Funktionäre in den 1920er Jahren bei der Eintracht spielten. Deswegen wurden die Spieler von ihren Gegnern auch „Juddebube“ genannt.
Damals als Schmähwort gemeint, will es der Fanclub jetzt positiv umdeuten – neu „framen“, wie Kupferberg es auf Denglisch ausdrückt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Eintracht während der NS-Zeit sich nicht vor ihre jüdischen Mitglieder gestellt hat, im Gegenteil. Schon im April 1933 habe die Eintracht gemeinsam mit anderen süddeutschen Fußballclubs die „Entfernung der Juden aus den Sportvereinen“ angekündigt und später umgesetzt, sagt Buchautor Matthias Thoma.
Hinhören bei Misstönen
Umso wichtiger findet es Kupferberg, sich heute gegen wieder aufflammenden Antisemitismus zu stellen. Für viele Fanclub-Mitglieder ist Antisemitismus kein abstrakter Begriff. Etwa für einen jungen Israeli, der seit acht Jahren in Frankfurt lebt und Eintracht-Fan geworden ist. Seine Kette mit David-Stern trägt er lieber versteckt unter dem Eintracht-Trikot. Zur Sicherheit, wie er sagt.
Eintracht-Veteranin Renate Ruf hört auch in der Fan-Kurve genau auf die Zwischentöne. Der Hitler-Gruß beim Auswärtsspiel in Marseille, die homophoben Sprechchöre beim Gastspiel in Köln, das queerfeindliche Transparent, das Eintracht-Anhänger in St. Pauli aufhängten – Misstöne gab es zuletzt einige. Ruf will darauf in Zukunft noch mehr achten – und für echte Eintracht eintreten.
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/juedischer-eintracht-frankfurt-fanclub-juddebube-wollen-laut-und-hellhoerig-sein-v1,eintracht-fanclub-juddebube-100.html



