Die Referendariats-Dauer für künftige Lehrer in Hessen soll von 21 auf 18 Monate schrumpfen. Zudem soll es weniger benotete Unterrichtsbesuche und mehr freie Praxisstunden geben. Die Opposition warnt davor.
Geht es nach den Regierungsfraktionen werden junge Lehrkräfte künftig weniger Ausbildungszeit haben.
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04:11 Min.||Nicholas Buschschlüter
„Unterrichten lernt man durch Unterrichten“ – mit diesem einfachen Satz verteidigt die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Nina Heidt-Sommer, am Mittwoch im Landtag die geplante Reform der Lehrkräfteausbildung.
Die Regierungsfraktionen CDU und SPD wollen das Referendariat für angehende Lehrer deutlich umbauen: Es soll kürzer werden, weniger Prüfungsstunden enthalten und die Referendare sollen häufiger selbst eigenständig vor einer Klasse stehen.
Weniger Prüfungsstunden, mehr normaler Unterricht
Kern der geplanten Reform: Das Referendariat soll von 21 auf 18 Monate verkürzt werden. Es ist die praktische Ausbildungsphase nach dem Lehramtsstudium. Die angehenden Lehrer arbeiten dann bereits an einer Schule, besuchen aber gleichzeitig Ausbildungsseminare und werden regelmäßig im Unterricht bewertet.
Mit den künftig 18 Monaten Vorbereitungsdienst würde Hessen mit den meisten anderen Bundesländern gleichziehen.
Dabei soll nicht einfach nur der Kalender zusammengestrichen werden. Auch die Ausbildung selbst wird umgebaut. Besonders deutlich wird das bei den Unterrichtsbesuchen: Bislang müssen Referendare bis zu 14 benotete Stunden vor ihren Ausbildern halten. Künftig sollen es nur noch acht sein. CDU und SPD wollen damit den Prüfungsdruck senken und mehr Platz für den normalen Schulalltag schaffen.
Schwarz (CDU): „Ihre Platte von irgendwelchen Kürzungen kann ja keiner mehr hören.“
Denn statt für die nächste Vorführstunde zu üben, sollen Referendare häufiger regulären Unterricht selbst übernehmen. In den beiden Hauptphasen sind deshalb künftig 14 bis 16 eigenverantwortliche Unterrichtsstunden pro Woche vorgesehen. Gleichzeitig wird die Zeit in den Ausbildungsseminaren reduziert.
Kultusminister Armin Schwarz (CDU) schwärmt darüber im Plenum des Landtags: „Nichts ist so herrlich, nichts ist so live wie direkt auf dem Platz im Klassenraum zu stehen.“ An die Opposition gerichtet sagt er zudem: „Ihre Platte von irgendwelchen Kürzungen kann ja keiner mehr hören.“
Mehr Praxis, mehr aktuelle Themen
Für ihn gilt: Mehr Zeit vor der Klasse bedeutet mehr Praxis. Auch bei der Abschlussnote bekommt der Schulalltag mehr Gewicht. Das Gutachten der Ausbildungsschule zählt bislang nur 7,5 Prozent, künftig sollen es 25 Prozent sein.
Schulleitung und betreuende Lehrer, die die Referendare über Monate erleben, haben damit deutlich mehr Einfluss auf die Note. Zudem sollen Themen wie Künstliche Intelligenz, Demokratiebildung, Inklusion, Schulrecht oder psychische Gesundheit stärker in der Ausbildung vorkommen.
Grüne vermuten Sparprogramm
Kritik an den Plänen kommt vor allem von den Grünen: Ihr bildungspolitischer Sprecher Daniel May bezweifelt schon den Vergleich mit anderen Bundesländern. Dort sei das Referendariat zwar teilweise auch 18 Monate lang, dafür dauere aber das Studium länger.
Hessen verkürze nun das Referendariat, ohne das Studium entsprechend zu verlängern. „Nur die Kürzung steht im Mittelpunkt Ihres Vorhabens, nicht eine qualitative Auswertung“, wirft May der Koalition deshalb vor.
Noch strittiger ist der zusätzliche Unterricht. Was Schwarz-Rot als mehr Praxis versteht, sehen die Grünen auch als Möglichkeit, reguläre Unterrichtsstunden durch Referendare abzudecken. Nach Mays Rechnung geht es um 10.000 bis 15.000 zusätzliche Unterrichtsstunden, die 400 bis 600 Lehrerstellen entsprächen.
Promny (FDP): „Schneller ist ja nicht automatisch besser“
Die FDP sieht die Reform gemischt. Bildungspolitiker Moritz Promny hält etwa das stärkere Schulgutachten für sinnvoll, warnt aber: „Schneller ist ja nicht automatisch besser.“ Die AfD lehnt die Pläne ab. Heiko Scholz spricht von einer „Verkürzungs- und Verdichtungsreform“.
Sein Einwand gegen weniger Prüfungsstunden: Jede einzelne Bewertung bekomme dadurch mehr Gewicht. „Der Druck verschwindet nicht, er konzentriert sich.“
Entschieden ist die Reform noch nicht. Im Oktober sollen im Landtag Lehrkräfteverbände, Universitäten und andere Fachleute angehört werden. Erst danach kann der Gesetzentwurf noch angepasst und anschließend verabschiedet werden.
Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/vorbereitungsdienst-hessen-will-referendariat-verkuerzen-v1,lehrer_referendariat-100.html



