Nach jahrelangem Streit um mehr als 3.000 Tonnen Bauschutt aus dem Kraftwerk in Biblis wird der leicht strahlende Schutt nun auf die Deponie nach Büttelborn gebracht. Dort befürchtet man schädliche Auswirkungen.
Das Gericht hat entschieden: Büttelborn muss den Bauschutt vom AKW in Biblis annehmen. (Archivfoto)
Bild © picture-alliance/dpa
Audio
00:39 Min.|Anna Vogel
Nach langem Tauziehen um insgesamt 3.200 Tonnen leicht radioaktiven Abfalls ist am Donnerstag der erste Schutt vom Rückbau des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis (Bergstraße) auf der Deponie Büttelborn im benachbarten Kreis Groß-Gerau angekommen.
Rund 60 Tonnen Abfall sollten in einer ersten Fuhre geliefert werden, wie der für den Rückbau des Kraftwerks zuständige Konzern RWE mitteilte. Weitere 120 Tonnen sollen bis zum Jahresende folgen.
Deponie-Betreiber wehrte sich gerichtlich – und verlor
Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte 2023 die Deponie angeordnet, den Schutt bis zu einer Gesamtmenge von 3.200 Tonnen anzunehmen, befristet bis zum 31. Dezember 2030. Weder der Kreis noch die Kommune oder der Betreiber der Deponie wollten das belastete Material. Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte die Beschwerde des Deponie-Betreibers zurückgewiesen.
Der Streit ging bis vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das eine Klage der Umweltschutzorganisation BUND Hessen abwies.
RWE nennt Abfälle „nicht gefährlich“
RWE spricht bei den aktuell in Büttelborn angelieferten Materialien von „spezifisch freigemessenen, nicht gefährlichen Abfällen“. Das bedeutet, dass die Stoffe strahlenschutzrechtlich geprüft wurden und nach den geltenden Grenzwerten entsorgt werden dürfen.
Der Bauschutt gilt als „freigemessen“, wenn die von ihm ausgehende Strahlenbelastung den Wert von 10 Mikrosievert pro Jahr und Einzelperson nicht übersteigt.
Schutt aus AKW darf nicht zurück in den Verkehr
Angesichts einer laut Bundesumweltministerium jährlichen Belastung von 2.400 Mikrosievert pro Person und Jahr durch Umwelteinflüsse erscheint dieser Wert zunächst vernachlässigbar. Dennoch darf dieser Schutt nicht in den Verkehr zurückgebracht werden – etwa im Straßenbau – und muss auf einer Deponie sicher entsorgt werden.
Kritiker wie der BUND und die Bürgerinitiative Büttelborn 21 haben die Sorge, dass der noch leicht strahlende Bauschutt gesundheitliche Folgen für Menschen und Tiere in der Umgebung haben könnte. Der Grenzwert sei ein Durchschnittwert. Es könne in dem Bauschutt Ausreißer geben, die stärker strahlen – und das sei ein Problem.
Letzter Kühlturm in Biblis zum Einsturz gebracht
Nach dem Atomausstieg Deutschlands wird das Kernkraftwerk in Biblis seit 2017 zurückgebaut. Dabei fällt sowohl Bauschutt an, der schwach radioaktiv strahlt, als auch große Mengen Material, die nach dem sogenannten Freimessverfahren als so gering belastet eingestuft werden.

Ende des Videobeitrags
Ende Januar diesen Jahres wurde der letzte von vier je 15.000 Tonnen schweren Kühltürmen in Biblis abgerissen. Damit waren die einst landschaftsprägenden Türme Geschichte. Das Industriegelände umfasst fast 100 Hektar. Dort sollen sich nach der Vorstellung des Landrats künftig Unternehmen im Bereich der Hochtechnologie ansiedeln. Eine Machbarkeitsstudie soll weitere Erkenntnisse liefern.
Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/radioaktiver-abfall-aus-akw-biblis-nach-buettelborn-gebracht-v2,biblis-buettelborn-akw-schutt-100.html






