Die Landesregierung will Klimaanlagen für Kitas und Pflegeeinrichtungen fördern. Die Folgen der Hitzewelle scheinen auch andere Parteien aufgerüttelt zu haben: Für das neue Programm gibt es Unterstützung – und etwas Kritik.
Klimaanlagen werden auch in Hessen immer beliebter.
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Bei Hitzewellen leiden gesundheitlich vor allem kranke und alte Menschen, aber auch für Kinder können die hohen Temperaturen gefährlich werden. Rund 2.200 Menschen starben an der Folge von Hitze in diesem Jahr.
Die Landesregierung hat nun beschlossen, für den Hitzeschutz besonders gefährdeter Menschen rund zehn Millionen Euro zu investieren und damit Klimaanlagen in Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten anzuschaffen.
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00:40 Min. |Luca Kissel
„Hitzehilfe für Hessen“ soll drei Jahre laufen
Das neue Förderprogramm „Hitzehilfe für Hessen“ ist für die kommenden drei Jahren angelegt und soll die Anschaffung mobiler und teilstationärer Anlagen unterstützen, kündigte Umweltminister Ingmar Jung (CDU) am Donnerstag im Landtag an.
„Hitzewellen wie in diesem Sommer müssen wir künftig häufiger erwarten“, sagte Jung. „Die besonders hohen Temperaturen haben vor allem diejenigen getroffen, die sich selbst am wenigsten schützen können, nämlich ältere und pflegebedürftige Menschen sowie kleine Kinder.“
5.000 Euro für Einrichtungen
Pro Standort sei eine Förderung von bis zu 5.000 Euro vorgesehen, hieß es vom Umweltministerium. Damit könnten in Kitas und Pflegeeinrichtungen flexibel Kälteinseln geschaffen werden. Die Landesregierung verspricht, dass das ohne besondere bürokratische Hürden laufen soll.
Anträge können kommunale, freigemeinnützige und private Träger von Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten stellen. Insgesamt sollen so nach den Plänen des Ministeriums mehr als 6.000 Anlagen im Jahr gefördert werden.
Ob das reichen wird, ist fraglich: Alleine in Frankfurt gibt es derzeit 870 Kindertagesstätten. Und in ganz Hessen wurden nach den neuesten Zahlen von 2023 insgesamt 57.300 Menschen vollstationär in Pflegeheimen betreut.
Parteien einig bei Bekämpfung der Klimafolgen?
In der Debatte im Landtag zeigte sich am Donnerstag, dass sich angesichts der Folgen von Hitze und Dürre offenbar alle darauf einigen können, dass auf die Hitze politisch reagiert werden soll und die Klimafolgen in den Blick genommen werden müssen.
Auch aus der Opposition gab es entsprechend dringende Appelle, dem Thema Klimafolgen Priorität einzuräumen. Die Grünen kritisierten dabei allerdings auch die Landesregierung: Die schwarz-rote Koalition sei schlecht auf die Hitzewellen der vergangenen Monate vorbereitet gewesen, sagte die Grünen-Abgeordnete Martina Feldmayer.
Die Partei kritisierte, dass die zehn Millionen Euro für Klimaanlagen woanders fehlen werden – nämlich beim Budget für die Beratung und Unterstützung der Klimakommunen durch die Landesenergieagentur (LEA). Zwar würden die Grünen das angekündigte Hitzeschutzprogramm unterstützen. „Ein Widerspruch ist es aber, hier Geld auszugeben, das man zuvor bei bestehendem und funktionierendem Klimaschutz gekürzt hat“, sagte Kaya Kinkel, Sprecherin für Energie bei den Grünen.
AfD schießt gegen Grüne
Die AfD wiederum schoss sich auf die Grünen ein, die sich nun als „Retter vor der Hitze aufspielen wollen“, aber in den Jahren, in denen sie an der Regierung beteiligt waren, selbst nicht flächendeckend für Klimaanlagen in Krankenhäusern, Schulen und Pflegeheimen gesorgt hätten.
„Wir brauchen Verschattung, Dämmung und intelligente Lüftung“, hieß es von der AfD, „wir brauchen moderne Klimaanlagen und technische Kühlung“ – dazu brauche es aber bezahlbare Energie.
FDP: Öffentliche Gebäude klimatisieren
Die FDP will auch besseren Hitzeschutz für Menschen, die besonderen Schutz brauchen. Mittelfristig sei es notwendig, „jeden Quadratzentimeter in öffentlichen Gebäuden zu klimatisieren“, sagte die Fraktionsvorsitzende Wiebke Knell.
Außerdem brauche es Maßnahmen wie Verschattung, gute Dämmung, Fassaden- und Dachbegrünung, Bäume, Entsiegelung und eine Stadtplanung, bei der Hitze mitgedacht werde.
Auch Unternehmer hoffen auf Hitzeschutz
Vladimir von Schnurbein, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), sagte zur Debatte im Landtag: Wirksamer Klimaschutz müsse international abgestimmt werden, auf „höchstmöglicher politischer Ebene“.
Die Bundesländer müssten die Anpassung an die Folgen des Klimawandels deswegen entschlossen vorantreiben. Der Unternehmerverband begrüße deswegen, dass die Landesregierung dem Thema einen hohen Stellenwert einräume.
Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/klimaanlagen-fuer-kitas-und-pflegeheime-hessen-beschliesst-neue-foerderung-v1,klimaanlage-114.html




