Politik

Gerstungen will von Thüringen nach Hessen: Gemeinde fühlt sich vernachlässigt

Gerstungen will von Thüringen nach Hessen: Gemeinde fühlt sich vernachlässigt

Straßen, Schulen, Bahn: Die Thüringer Gemeinde Gerstungen fühlt sich vom eigenen Bundesland vernachlässigt. Bürgermeister Daniel Steffan bringt deshalb einen ungewöhnlichen Schritt ins Spiel – einen Wechsel nach Hessen.


Vielleicht bald hessisch? So sieht Gerstungen von oben aus.
Bild © Karen Hartung / Gemeinde Gerstungen


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||hessenschau.de (Herrmann Diel)

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Die grenznahe Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis ist unzufrieden mit den Bedingungen in Thüringen – und erwägt einen Wechsel nach Hessen.

„Das Thema Wechsel des Bundeslandes ist von mir ins Gespräch gebracht worden“, sagte Bürgermeister Daniel Steffan auf Anfrage. Am kommenden Dienstag werde sich der Hauptausschuss der Gemeinde Gerstungen damit befassen, erklärte der CDU-Politiker.

Der Ausschuss entscheidet, ob sich anschließend der Gemeinderat mit einer entsprechenden Beschlussvorlage befasst. Zuerst hatte der mdr über den Vorstoß des Bürgermeisters der 8.700-Einwohner-Gemeinde berichtet.

Kritik an Infrastruktur und Unterrichtsausfall

Der Kommunalpolitiker verwies auf mehrere Punkte: Unter anderem sieht Steffan die Region südwestlich von Eisenach bei der Infrastruktur benachteiligt – und führte als Beispiele Straßen in „desolatem Zustand“ sowie Nachteile beim Ausbau der Bahnstrecke Bebra-Erfurt an.

Blick auf das Rathaus von Gerstungen, davor EU-, Deutschland-, Thüringen-Flaggen.


Nach dem Willen des Gerstunger Bürgermeisters könnte vor dem Rathaus künftig die hessische statt der thüringischen Landesflagge wehen.
Bild © Karen Hartung/Gemeinde Gerstungen


Zudem kritisierte er die mangelnde Personalausstattung und den Unterrichtsausfall an den Schulen. „In Gerstungen ziehen immer mehr Familien ihre Konsequenzen – deren Kinder wechseln zunehmend auf hessische Schulen„, hieß es in einer Erklärung auf der Homepage der Gemeinde.

Bürgermeister: „Thüringen muss sich mehr Mühe geben“

Steffan betonte die Verbundenheit mit seiner Heimat, verwies aber auch auf die historisch enge Verflechtung mit dem Nachbarbundesland Hessen. Mit dem Vorstoß sollten vor allem die Probleme Gerstungens deutlich gemacht werden, hieß es.

„Thüringen muss sich mehr Mühe geben, uns unterstützen und unserer großen Gemeinde, welche der Landtag so wollte, helfen – statt zu blockieren“, so Bürgermeister Steffan. 

Wechsel nach Hessen nicht einfach

Bei einem Wechsel von Kommunen oder Landkreisen in ein anderes Bundesland sind die Hürden allerdings hoch. Eine Gemeinde kann nicht allein bestimmen, zu welchem Bundesland sie gehören möchte.

Laut Artikel 29 des Grundgesetzes können entsprechende Änderungen durch Staatsverträge der beteiligten Länder oder durch ein Bundesgesetz mit Zustimmung des Bundesrates erfolgen.

Ein solcher Wechsel sei allerdings kein Novum, erklärte Steffan. Bereits Anfang der 1990er Jahre hätten etwa mehrere Kommunen Thüringen in Richtung Sachsen verlassen. Gerstungen ist eigenen Angaben zufolge mit fast 150 Quadratkilometern die flächenmäßig größte Gemeinde Thüringens.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/gerstungen-will-von-thueringen-nach-hessen-gemeinde-fuehlt-sich-vernachlaessigt-v1,gerstungen-hessen-100.html

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