Kultur

Holocaust-Überlebender und Stifter: Frankfurter Unternehmer Josef Buchmann gestorben

Holocaust-Überlebender und Stifter: Frankfurter Unternehmer Josef Buchmann gestorben

Der Frankfurter Immobilienunternehmer, Milliardär und Mäzen Josef Buchmann ist gestorben. Als Jugendlicher hatte er den Holocaust überlebt, später engagierte er sich für Wissenschaft und Kunst. Seine Bauten prägten das Bild der Stadt.

Josef Buchmann frontal im Porträt


Josef Buchmann im Jahr 2016.
Bild © IMAGO / brennweiteffm


Bekannt wurde die Todesnachricht am Donnerstag durch das Jüdische Museum Frankfurt, das erklärte, man trauere um seinen Freund und langjährigen Förderer. Josef Buchmann galt als Milliardär und lebte sehr zurückgezogen. Er hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

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|Rainer Dachselt

Bild © hessenschau.de|
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Buchmann wurde 1931 im polnischen Łódź als Kind jüdischer Eltern geboren. Er überlebte mehrere Jahre in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen, seine Eltern starben in den Vernichtungslagern.

In der Nachkriegszeit baute er sich im Frankfurter Bahnhofsviertel eine neue Existenz auf und stieg ab den 1960er Jahren ins Immobiliengeschäft ein. Einige der markantesten Gebäude der Stadt wurden von Buchmann initiiert oder weiterentwickelt.

Shell-Hochhaus, Naxoshalle, Nordwestzentrum

So baute er 1966 im Frankfurter Nordend für den Shell-Konzern das sogenannte Shell-Hochhaus, damals das höchste Gebäude der Stadt. Die vom Verfall bedrohte Naxoshalle im Ostend kaufte er 1988 und vermietete sie an die Stadt Frankfurt, die sie 2006 kaufte.

In den 1990er Jahren erwarb Buchmann das Nordwestzentrum, eine der größten Shoppingmalls in Deutschland, und baute es um.

Mäzen in Frankfurt, Łódź und Tel Aviv

Seit den 1980er Jahren trat Buchmann vor allem als Mäzen in Erscheinung. Er förderte Projekte in Wissenschaft und Kultur in Frankfurt, seiner Geburtsstadt Łódź und dem israelischen Tel Aviv.

In der Kinderklinik des Universitätsklinikums Frankfurt ist ein Gebäudeteil nach ihm benannt, weil Buchmann den Neubau unterstützte. Mit einem „substanziellen Betrag“ förderte der Unternehmer auch das neue Institut für Molekulare Lebenswissenschaften, wie die Universität Frankfurt 2012 mitteilte.

Hinweistafel im Senckenbergmuseum


Auch im Senckenbergmuseum wird an Buchmann erinnert.
Bild © Christoph Scheffer/hr


Im Senckenbergmuseum ermöglichte er durch eine Spende die Neugestaltung des Vogelsaals.

Auch das Jüdische Museum Frankfurt habe er von Anfang an gefördert, erklärte das Museum in seinem Nachruf, etwa durch die Schenkung eines großen Besamim-Turms (ein Objekt, in dem Gewürze für die Zeremonie zum Ausgang des Schabbats bewahrt werden). Das Foyer trage daher heute seinen Namen.

Förderte Austausch zwischen Frankfurt und Tel Aviv

Zudem spielte Buchmann eine wichtige Rolle beim Aufbau der Universität Tel Aviv, richtete einen Fonds für Austauschprogramme mit der Goethe-Universität ein und unterstützte immer wieder Einzelpersonen wie den in der Nachkriegszeit in Frankfurt unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen lebenden Oskar Schindler.

2011 erhielt Buchmann die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt, 2013 wurde er Ehrensenator der Goethe-Universität. 2023 erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

„Lässt Menschen an seinem unternehmerischen Erfolg teilhaben“

Bei der Übergabe sagte Ministerpräsident Rhein damals: „Als Kind blieben Josef Buchmann durch die nationalsozialistische Diktatur Bildung und Kultur verwehrt. Umso verständlicher ist es, dass er sich seit Jahrzehnten genau dafür einsetzt und andere Menschen an den wirtschaftlichen Möglichkeiten seines unternehmerischen Erfolgs teilhaben lässt. Ich danke Herrn Dr. Buchmann herzlich für seinen sinnstiftenden Einsatz für das Gemeinwohl.“

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/holocaust-ueberlebender-und-stifter-frankfurter-unternehmer-josef-buchmann-gestorben-v1,unternehmer-josef-buchmann-tot-100.html

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