Mit 23 Jahren hat Gitarrist Finn Heine schon seine eigene Big Band und lebt von seiner Musik. Jetzt bekommt er das Frankfurter Jazzstipendium. Für den Auftritt beim Deutschen Jazzfestival hat er sich mit seinem Kollegen Darius Blair ein ganz besonderes Programm ausgedacht.

Finn Heine und Darius Blair vor der Kulisse ihrer Heimatstadt
Bild © Alexandros Athanasiou
Finn Heine kann sich noch genau an den Moment erinnern, der ihn zum Jazz-Fan gemacht hat: Ein Konzert von Jim McNeely mit der hr Bigband vor etwa zehn Jahren. Sein prägendstes Konzerterlebnis, schwärmt Finn noch heute. „Ich bin da total begeistert rausgegangen und dachte, wow, was war das denn jetzt?“
Ab da war ihm klar, dass Jazz sein Ding ist. Gitarre hatte er schon mit sechs Jahren angefangen zu lernen, jetzt ging es darum, richtig gut zu werden.
Anständige Gagen für gute Musik
Inzwischen hat Finn zwei Ensembles und eine eigene Bigband. Mit der hat er sich für das Frankfurter Jazzstipendium beworben, das dieses Jahr auf große Ensembles ausgerichtet ist. Und er hat gewonnen. Die Summe von zehntausend Euro kann er gut brauchen, denn Ideen gibt es viele, aber die Finanzierung ist schwierig.
Mit der Idee, Frankfurter Musiker und Musikerinnen als Gastsolisten zu featuren, hat er die Jury überzeugt. Finn kann zwar schon von seiner Musik leben, aber seine Bigband hat 17 Mitglieder und die will er anständig bezahlen. „Ich hab da Leute die mir total viel bedeuten, musikalisch wie auch menschlich“.
Musik aus der Traumfabrik
Wie wichtig Finn bestimmte Menschen sind, spiegelt sich auch im Namen seiner Bigband: „Traumfabrik Jazzorchester“. Der Name ist eine Hommage an einen verstorbenen Freund, mit dem Finn Musik gemacht hat. „Er war der Inbegriff einer Traumfabrik“, sagt Finn. „Er hat so viele Träume und tolle Ideen gehabt und hat mich besonders geprägt und inspiriert.“ Mit der Bigband hat sich Finn einen großen Traum erfüllt und „irgendwie ist er Teil von dem Projekt“.

Finn Heine bei einer Probe
Bild © Alexandros Athanasiou
Auftritt beim Jazzfestival ist ein Ritterschlag
Ein weiterer Traum erfüllt sich für Finn am Donnerstagabend. Dann tritt er mit seinem Freund, dem Saxophonisten Darius Blair, beim Deutschen Jazzfestival auf. „Ein Ritterschlag“ sei es, sagt der 24-jährige Darius, beim ältesten kontinuierlich existierenden Jazzfestival auftreten zu können, wo sie schon so viele prägende Konzerte erlebt hätten.
Für diesen besonderen Moment haben die beiden ein eigenes Werk komponiert: Sketches of Frankfurt. Eine Suite, die Orte in Frankfurt beschreibt, die ihnen wichtig sind. Gemeinsam haben sie die Stimmung an diesen Orten erspürt, Menschen beobachtet und darüber gesprochen, wie die Szenerie klingen könnte.
Frankfurter Orte in Musik verwandelt
Unter anderem waren sie an einem Kiosk zwischen Bahnhofs- und Bankenviertel. Hier „prallen diese beiden Welten aufeinander“, sagt Darius. Er sieht darin ein Sinnbild für Frankfurt, wo „viele verschiedene Menschen parallel existieren und diese gesellschaftlichen Unterschiede sichtbar sind“.

Finn Heine in seiner Heimatstadt Frankfurt
Bild © Alexandros Athanasiou
Das Herz schlägt für Frankfurt
Man merkt: Darius und Finn lieben ihre Stadt. „Mein Herz schlägt für Frankfurt“, sagt Finn. Er ist in Sachsenhausen aufgewachsen und sieht hier viele Möglichkeiten. Obwohl die Jazz-Szene in Köln, wo er gerade studiert, spannender wäre, hängt er an Frankfurt und sieht hier viel Potential, das nach seiner Ansich noch nicht ausgeschöpft ist. Finn möchte den Jazz in seiner Heimatstadt weiter auf- und ausbauen. Genau wie Darius, für den Musikmachen am Standort und an Menschen hängt.
Endspurt zum großen Auftritt
Bis zur Uraufführung von Sketches of Frankfurt bleibt nicht mehr viel Zeit. Erst am Mittwoch können sie mit der aus den USA angereisten Vibraphonistin Sasha Berliner gemeinsam proben. Das meiste wird ohnehin spontan auf der Bühne entstehen und die Magie entfalten, die beide am Jazz so lieben. Sie bringt Darius ins Schwärmen: „Diese Freiheit und diese Improvisation, die oft für Leute, die noch keinen Zugang zum Jazz haben, ein bisschen wunderlich ist.“
Beide sind gespannt und bei aller Aufregung und dem Stress mahnt Finn, dass sie irgendwann einen Haken dran machen und sich einfach nur noch freuen auf den großen Auftritt.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/fuer-jungen-gitarristen-wird-beim-deutschen-jazzfestival-ein-traum-wahr-v1,finn-heine-jazzfestival-106.html


