Sammelkarten gibt es seit über 100 Jahren, doch seit Corona erleben sie einen Boom. Davon möchte nun auch die Frankfurter Buchmesse profitieren und hat in der Festhalle eine neue „Trading Card Area“ eingerichtet. Ein Besuch.

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Samstagvormittag, Festhalle Frankfurt: In den Gängen zwischen den Buchverkaufsständen schieben sich Menschenmassen im Schritttempo voran. An einigen Ständen haben sich Schlangen gebildet, die bis vor die Festhalle reichen.
Weiter hinten steht eine Gruppe von Tischen vor bunten Disney-Plakaten. Alle Tische sind besetzt, es herrscht so etwas wie betriebsame Konzentration. Es ist einer von vier Bereichen der „Trading Card Area“, die die Buchmesse in diesem Jahr erstmals eingerichtet hat. Hier dreht sich alles um Sammelkarten.
„Tische sind ständig voll“
DINA-4-Blätter mit verschiedenen Aufschriften an den Tischen weisen auf deren Funktion hin: An dem mit der Aufschrift „Disney Lorcarna – Lernen und Spielen“ steht Onur bereit, Mitarbeiter von Ravensburger, dem Herausgeber von Lorcarna.
Onur erklärt dem interessierten Leonhard, wie ebenjenes Sammelkartenspiel funktioniert – es ist ein Strategiespiel, bei dem die Spielenden als „Luminari“ (Zauberer) Disney-Figuren als sogenannte „Glimmer“ zum Leben erwecken. Es gilt, als Erste(r) 20 Legendenpunkte zu sammeln. Dafür müssen die Spielenden – vereinfacht gesagt – geschickt Aktionen oder Fähigkeiten ausspielen, die auf ihren Karten beschrieben sind.

Ordner mit Sammelkarten.
Bild © Sonja Fouraté (hr)
Während der Freitag recht entspannt für Onur lief, ist der Samstag stressiger, wie er berichtet. Mehr noch: „Wir sind fast etwas überfordert“, sagt er augenzwinkernd. „Die Tische sind ständig voll.“
„Bei dem Hobby wird man arm“
Voll ist es auch ein Stück weiter rechts: Hier steht ein halbes Dutzend Selbstbedienungsautomaten mit Kartendecks und Sammlerboxen – vor einem mit Kartendeks hat sich eine längere Schlange gebildet.
Davor zwei Tische, an einem sortiert der 13-Jährige Emil ein Pokémon-Deck, während seine Mutter Nadine auf dem Handy scrollt und schaut, ob eine wertvolle Karte darunter ist. „Leider nein“, stellt sie resigniert fest. 25 Euro habe das Deck gekostet, die Karten seien jeweils aber nur wenige Cent wert. „Bei dem Hobby wird man arm.“
Guter Karten-Zustand steigert Wert
Hinter den Automaten liegt ein weiterer Bereich mit Tischen, an denen gespielt, Karten getauscht oder einfach nur Pause gemacht werden kann. Hier hat ein Pärchen mehr Glück: In der Geschwindigkeit eines Profi-Pokerspielers sortiert Roman Locarna-Karten.
„Die wertvollen erkennt man an goldenen Zeichen“, erklärt er und deutet auf den unteren Rand einer der Karten. Diese sei etwa 15 Euro wert. Bleibe sie eingeschweißt und in gutem Zustand, könne der Wert noch steigen.
„Man braucht nur eine wertvolle Karte“
Nebenan haben sich drei Internetbekanntschaften aus Berlin und Zürich eigens in Frankfurt verabredet, allerdings „einfach nur um Decks zu kaufen und zu spielen.“ Sechs Stück breiten sie vor sich aus, Kosten jeweils 40 Euro.

Kennen sich vom Online-Spielen: Diese drei Freunde haben sich eigens in Frankfurt verabredet.
Bild © Sonja Fouraté (hr)
Wie viel sie pro Jahr für ihr Hobby ausgeben, möchten sie nicht verraten. „Man braucht nur eine wertvolle Karte, dann hat man einen Teil ja schon wieder reingeholt.“
Kunden können in Ordnern stöbern
Hinter den Tischen wiederum liegt schließlich ein Verkaufsstand, an dem Figuren und Sammelboxen – sogenannte Booster und Displays – in Regalen stehen, Kunden aber auch in Ordnern stöbern können, in denen die Karten fein säuberlich in Klarsichthüllen sortiert sind.

Verkaufsstand für Sammelkarten auf der Buchmesse.
Bild © Sonja Fouraté (hr)
Bei Interesse legen die Mitarbeitenden die eingeschweißten Karten in kleine graue Boxen. Dann können sie auf eventuelle Abnutzungsspuren inspiziert werden. Die Preisspanne reicht hier von einem bis hin zu mehreren hundert Euro pro Karte. Immer wieder bilden sich Trauben, immer wieder gehen Boxen und auch Einzelkarten über den Tresen.
Schlange beim Ankauf überschaubar
Er kauft auch Sammlerstücke an, sagt Oliver Scholz, Geschäftsführer der Firma Smilytoys. An seinem Tisch ist die Schlange überschaubar. Dennoch zeigt er sich zufrieden: Der neue Bereich werde gut angenommen, sagt er.
Es sei nicht seine Entscheidung, ihn dauerhaft auf der Buchmesse anzubieten, „ich denke aber, dass sie davon profitieren könnte.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/frankfurter-buchmesse-ein-besuch-in-der-neuen-trading-card-area-v1,buchmesse-neue-trading-card-area-100.html

