Mit Jochen Seitz hat der SV Wehen Wiesbaden einen neuen Trainer gefunden. Der soll die Mannschaft zurück auf Kurs bringen und muss dafür an einigen Stellen anpacken. Die Ziele des Vereins bleiben trotz der schlechten Tabellensituation ambitioniert.

Florian Stritzel und seine SVWW-Kollegen gaben in den vergangenen Wochen nicht immer ein gutes Bild ab.
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00:38 Min.|Phil Hofmeister
Jochen Seitz soll den SV Wehen Wiesbaden wieder auf Kurs bringen: Der 49-Jährige wurde am Mittwoch als neuer Trainer des Drittligisten vorgestellt. „Wir haben viel Arbeit vor uns, weil es doch einige Dinge gibt, die wir verbessern müssen“, sagte Seitz mit Blick auf den enttäuschenden Saisonstart seines neuen Teams – der SVWW ist aktuell Vorletzter der Tabelle.
Seitz muss ein Team formen
Unter Trainer-Vorgänger Daniel Scherning war der SV Wehen Wiesbaden in einen Abwärtsstrudel geraten, der bereits im Frühjahr losging. Nach einer Aufholjagd hatte man im März die Chance, mit einem Heimsieg gegen Hansa Rostock zu einem echten Aufstiegskandidaten zu werden. Die Partie ging 0:1 verloren, in den restlichen acht Ligaspielen gab es nur noch einen Sieg – am letzten Spieltag gegen Hoffenheim II, als es längst nur noch darum ging, welchen Mittelfeldplatz man belegen würde.
Statt den Vorsprung der Planungssicherheit zu nutzen, lief die Kaderplanung für 2026/2027 nur schleppend. Fünf der acht Neuzugänge stießen erst zum Team, als die Saison bereits lief. Seitz hat nun die Aufgabe, ein Team zu formen.
Bei einigen Spielern liegen die Nerven blank
Denn die Mannschaft gab zuletzt in vielerlei Hinsicht kein gutes Bild ab. Co-Kapitän Tarik Gözüsirin, der in Vertretung für Florian Hübner gegen Duisburg einmal mehr die Binde trug, schoss einen am Boden liegenden Gegenspieler aus nächster Nähe ab – eine Disziplinlosigkeit, die zu Recht mit einem Platzverweis und drei Spielen Sperre bestraft wurde.
Anschließend gab sich Torwart Florian Stritzel in der Mixed Zone einsilbig und schnippisch, während sein verletzter Teamkollege Sinan Karweina der versammelten Presse aufgebracht „Befragt mal den Schiri, der soll sich mal äußern!“ zurief. Am Schiedsrichter hatte es beim 1:4 gegen Duisburg aber sicherlich nicht gelegen. Mit der Tatsache, dass der SVWW nicht wie von Sportgeschäftsführer Uwe Stöver vor Saisonbeginn gefordert „vorne mitspielt“, sondern sich aktuell am Ende der Tabelle wiederfindet, kommen offenbar nicht alle Akteure angemessen zurecht.
Druck auf die Mannschaft bleibt hoch
Abbringen lassen will sich Stöver von dieser Zielsetzung allerdings nicht, der Druck auf der Mannschaft bleibt entsprechend hoch. „Wir haben noch 31 Pflichtspiele in der 3. Liga und den Hessenpokal. Wir bleiben ambitioniert und verfolgen die Dinge, die wir ausgegeben haben“, sagte er bei der Seitz-Vorstellung. „Dass es möglich ist, sich in der 3. Liga schnell nach vorne zu arbeiten, haben in der Vergangenheit mehrere Vereine gezeigt, auch aus nahezu aussichtsloser Position.“ Der neue Mann an der Seitenlinie will dagegen lieber „von Spiel zu Spiel“ denken und dann „sehen, dass wir in Richtung Winterpause eher in andere Tabellenregionen kommen“.
Immerhin: Den Sieglos-Bann hatte der SVWW unter Interimstrainer Frank Steinmetz, der dem Verein ebenso wie Co-Trainer Giuliano Modica erhalten bleibt, gebrochen. Bei Fortuna Köln gab es einen 2:0-Sieg, den man sogar in Unterzahl verteidigte. Die danach hochgelobte „Mentalität“ war gegen Duisburg dann allerdings kaum noch zu spüren, der abgezockte Tabellenführer ließ den verunsicherten Wiesbadenern schlicht keine Chance.

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Und so muss Seitz auch dafür sorgen, dass das Team bei einem Gegentreffer nicht direkt nervös wird – oder am besten viel häufiger selbst das erste Tor schießt und dadurch Sicherheit gewinnt. Nur gegen Köln lag man überhaupt mal vorne, in allen anderen acht Pflichtspielen gelang das nicht. Die wackelige Defensive, die alles andere als treffsichere Offensive und eine Zentrale, die zu selten Kompaktheit und Kreativität ausstrahlt: Die Mängelliste im SVWW-Spiel ist aktuell lang.
Debüt beim Test gegen Karlsruhe
Seitz hat das in seiner Vorab-Analyse offenbar erkannt. „Wir haben zu viele Gegentore bekommen. Da müssen wir näher am Mann stehen“, so seine Einschätzung. Entsprechend soll das Defensivverhalten ein Schwerpunkt sein, wenn Seitz am Donnerstag mit der Mannschaft loslegt. Aber auch das Toreschießen soll wieder leichter vom Fuß gehen. „Offensiv geht es darum, dass die Spieler Selbstbewusstsein ausstrahlen, wenn sie vor dem Tor stehen. Es ist viel Kopfsache, die Qualität haben sie.“
Eine erste Standortbestimmung in der langen Länderspielpause wird es am 2. Oktober geben, wenn Wiesbaden unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf Zweitligist Karlsruhe trifft. In der 3. Liga feiert Seitz dann sein Debüt im Spiel in Ingolstadt (11. Oktober, 13.30 Uhr).
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/wehen-wiesbaden/jochen-seitz-bei-wehen-wiesbaden-diese-probleme-muss-der-neue-trainer-angehen-v1,svww-seitz-start-100.html


