Wirtschaft

Aktueller Gasspeicher-Füllstand: Hessen hinkt Rest-Deutschland hinterher

Aktueller Gasspeicher-Füllstand: Hessen hinkt Rest-Deutschland hinterher

Die nächste Heizsaison steht vor der Tür. Wieder wird viel darüber diskutiert, ob es in Deutschland ausreichend Gas zum Heizen gibt. Die hessischen Gasspeicher sind aktuell nicht besonders gut gefüllt. Experten sehen trotzdem keinen Grund zur Panik.

Bildcollage: Gasspeicher-Anlage mit Rohrleitung und Anzeige des Füllstands.


Im bundesweiten Vergleich sind die hessischen Gasreserven klein.
Bild © hr, Adobe Stock, Bildcollage: hessenschau.de


Die hessischen Gasspeicher sind aktuell zu knapp 51 Prozent gefüllt. Das teilt die „Initiative Energien Speichern“ mit, der Branchenverband der Gasspeicherbetreiber. Damit liegt Hessen unter dem bundesweiten Durchschnitt von 57 Prozent. Gesetzlich vorgeschrieben wären zum 1. November sogar 80 Prozent.

Konkret befinden sich in den hessischen Speichern derzeit etwa zwei Terawattstunden Gas. Den jährlichen Bedarf von hessischen Privatleuten und Unternehmen deckt das längst nicht ab. Diese hatten 2024 mehr als 56 Terawattstunden Gas verbraucht, heißt es vom Statistischen Landesamt.

Allerdings handelt es sich bei dem gespeicherten Gas um eine Reserve für Notfälle, wie Geologe Ingo Sass von der Technischen Universität Darmstadt erklärt. „Darauf können wir zurückgreifen, wenn Gas in Krisenzeiten am Weltmarkt knapp und teuer ist.“

Audiobeitrag


Audio

02:57 Min.
|Ursula Mayer

Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Im bundesweiten Vergleich hinkt Hessen hinterher

In Hessen gibt es insgesamt drei unterirdische Gasspeicher. Einer davon ist ein sogenannter Kavernenspeicher im osthessischen Eiterfeld-Reckrod (Fulda). „Da wird mit einem Bohrverfahren künstlich ein Hohlraum erzeugt, der mit Gas gefüllt und wieder geleert werden kann“, erklärt Geologe Sass.

Die beiden südhessischen Speicher in Stockstadt (Groß-Gerau) und Alsbach-Hähnlein (Darmstadt-Dieburg) sind sogenannte Porenspeicher. Dort befindet sich das Gas in porösem Gestein. Nimmt man alle Speicher zusammen, können dort fast vier Terawattstunden Gas gespeichert werden, heißt es bei der „Initiative Energien Speichern“.

„Damit hat Hessen insgesamt eine geringe Speicherkapazität“, meint Sass: „Wenn Sie dagegen nach Niedersachsen gehen, ist die Speicherkapazität fast hundert Mal so groß.“

Karte der Gasspeicherstandorte in Hessen mit Markierungen bei Reckrod, Stockstadt und Hähnlein.


In Hessen gibt es drei Gasspeicher.
Bild © hessenschau.de


Gas hamstern lohnt sich momentan nicht

Zu den Füllständen der hessischen Gasspeicher äußern sich deren Betreiber MET und MND nicht. In der Regel befüllen sie die Speicher auch nicht selbst, sondern die Gashändler und Energieversorger. Diese kaufen das Gas im Sommer billiger ein, speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter – normalerweise.

Dieses Jahr sei alles andere als normal, berichtet Sebastian Exner, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen: „In der Phase, in der der Gaspreis nach unten geht, weil der Winter vorbei ist, sind die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten losgegangen.“ Das habe die Preise nach oben getrieben, sagt Exner. Deshalb habe sich das Füllen der Speicher nicht gelohnt.

Experte sieht keinen drohenden Mangel

Ein ernsthaftes Problem sieht Exner darin nicht, obwohl Gas in Hessen fürs Heizen immer noch zentral ist. Laut statistischem Landesamt wurden zuletzt von den über drei Millionen Wohnungen hierzulande 58 Prozent mit Gas geheizt. Diese Haushalte müssten im Winter wohl nicht frieren, glaubt Exner.

„Denn ein hessischer Haushalt wird ohnehin nicht von einem rein hessischen Lieferanten aus rein hessischen Gasspeichern versorgt“, betont Exner. Stattdessen sei Hessen eingebettet in den deutschen und europäischen Gasmarkt. Seit der Energiekrise 2022 in Folge des Ukraine-Kriegs habe man sich von russischem Gas unabhängiger gemacht und breiter aufgestellt.

Die Gasrechnung könnte noch teurer werden

Laut Branchenverband „Gas- und Wasserwirtschaft“ bezieht Deutschland sein Gas über Pipelines überwiegend aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Dazu komme zunehmend auch Gas in flüssiger Form per Schiff aus aller Welt über die LNG-Terminals in der Nordsee und Ostsee nach Deutschland.

Das alles müsse man zusammen betrachten, betont Exner vom Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Insofern hänge die Versorgungssicherheit nicht allein von den Füllständen der hessischen Gasspeicher ab. Sie spielten für die hiesige Versorgung nur noch eine untergeordnete Rolle. Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ist in Deutschland ausreichend Gas vorhanden, um auch durch einen harten Winter zu kommen.

Allerdings könnte Gas für Verbraucher noch teurer werden. In Folge des Iran-Kriegs sind die Preise bereits deutlich gestiegen. Wie das Verbraucherportal „Finanztip“ meldet, liegt der Preis für Gas für die günstigsten Verträge mit einer 12-monatigen Preisgarantie für Neukunden aktuell bei 13,60 Cent pro Kilowattstunde. Vor Beginn des Konflikts im Februar seien es unter 10 Cent gewesen. Wer eine Gasheizung habe, müsse sich im Winter auf weiter steigende Gasrechnungen einstellen.

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/aktueller-gasspeicher-fuellstand-hessen-hinkt-rest-deutschland-hinterher-v1,gasspeicher-hessen-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert