Kultur

Musikschule Frankfurt zieht in früheren „Sinkkasten“

Musikschule Frankfurt zieht in früheren „Sinkkasten“

Wo früher Partys stattfanden, soll bald wieder musiziert werden: Die Musikschule Frankfurt zieht Anfang nächsten Jahres in den ehemaligen „Sinkkasten“ an der Zeil. Die Entscheidung war nicht unumstritten. Ein Baustellenbesuch.

„Jetzt stehen sie mitten im Veranstaltungssaal.“ Es braucht etwas Phantasie, wenn Bauleiter Oliver Fuchs durch das zukünftige Gebäude der Frankfurter Musikschule führt. Die Scheiben der großen Fenster wurden zwar gerade eingesetzt, aber ansonsten ist der Raum noch eine Baustelle: offene Wände, ein Boden in Betonoptik und aus der Decke hängende Kabel. 

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|Cara Platte

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In einigen Monaten soll das ganz anders aussehen. Geplant ist, dass die rund 6.500 Schülerinnen und Schüler Anfang 2027 in den Altbau an der Zeil umziehen.

Passende Räume für alle

„Wir haben dann viele unterschiedliche Räume, wo wir in verschiedenen Formaten arbeiten können“, schwärmt Mathias Metzner, der Direktor der Musikschule. „Es gibt Raumaustattungen für Ensembles unterschiedlicher Größe, Früherziehungsräume, und wir haben endlich einen eigenen Veranstaltungsraum.“

Konzerte und Auftritte müssten so nicht mehr ausgelagert werden, sondern könnten direkt in den Räumen der Schule stattfinden, freut sich Metzner.

Menschen in einem Rohbau


Schuldezernentin Weber (links) hatte zum Baustellenbesuch eingeladen.
Bild © Cara Platte/hr


Rund zwei Jahrzehnte war die Musikschule beengt in der Schirn untergebracht, bis sie dort wegen der Sanierungsarbeiten ausziehen musste. Danach kam sie in den Kornmarktarkaden unter. Doch das sei keine langfristige Lösung gewesen, sagt Metzner.

Zentrale Lage…

Rund 40 Liegenschaften habe man besichtigt, bevor das Gebäude in der Stiftstraße 8-10 gefunden worden sei. Letztlich war nicht nur das Raumangebot entscheidend. „Am Ende hat den Ausschlag gegeben, dass es zentral gelegen ist – und dass es eine musikalische Geschichte hat“, erklärt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD).

In den 1950er und 60er Jahren war hier der Jazzclub „Storyville“ untergebracht, der Berühmtheiten wie Louis Armstrong, Nina Simone und Etta James anzog. Später war hier der „Sinkkasten“ beheimatet und vor seinem Umzug in den Osten der Stadt der Musikclub „Zoom“.

… und bewegte Geschichte

Genau dort, wo früher die Musik spielte, wird bald der Veranstaltungsraum der Musikschule sein. Dass sie perfekt zur Geschichte des Hauses passt, fiel auch dem Eigentümer des Gebäudes auf.  

„Nachdem wir erfahren haben, dass die Musikschule eine neue Unterkunft braucht, haben wir uns getroffen und mehr von der Historie erzählt. Im Gespräch haben wir bemerkt, dass das kulturell gut passt und dann kam eins zum anderen“, erzählt Lucas Moser von der Schweizer Immobilienfirma CLL.  

Denkmalschutz und Barrierefreiheit contra Akustik

Beim Umbau soll auf die Geschichte Rücksicht genommen werden: Nicht nur die Natursteinfassade steht unter Denkmalschutz, sondern auch zwei der drei Treppenhäuser. Die restaurierten Stellen wurden bewusst sichtbar gemacht, um das Ineinandergreifen der alten und neuen Geschichte zu zeigen.

Details waren Bauleiter Oliver Fuchs ebenfalls wichtig, beispielsweise zwei Bären, die ein Steinmetz neu gestaltet hat. Wenn man ganz genau hinschaut, kann man sie auf der Empore sitzen sehen. 

Gleichzeitig stelle eine Musikschule besondere Anforderungen an ein Gebäude: Akustik und Gebäudetechnik müssten mit Barrierefreiheit und Denkmalschutz zusammen gedacht werden. Das sei auch im Baualltag schwierig, erklärt Fuchs: „An manchen Stellen brechen wir ab, an anderen streichen wir schon die Wände.“

Umstrittener Investitionszuschuss

Das sei aber bei alten Gebäuden der Normalfall: „Wer da nicht mit Mehrkosten rechnet und Unvorhergesehenes kalkuliert, hat seinen Job nicht richtig gemacht.“ Zu den Gesamtkosten äußerte sich der Eigentümer nicht, aber bekannt ist: Die Stadt beteiligt sich mit 8,35 Millionen Euro an der Sanierung und der Anpassung an die speziellen Anforderungen.

Dieser Investitionszuschuss war nicht unumstritten, ebenso die Miethöhe. Die Kosten sorgten besonders bei der damals oppositionellen CDU für Kritik, auch die FDP schaltete sich ein. Die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung war im Juni vertagt worden.

Nun hat sich aber auch die CDU als neue stärkste Kraft hinter das Vorhaben gestellt. Um die Stadt nicht länger vertraglich zu binden wurde der Mietvertrag von 30 auf 20 Jahre begrenzt, mit einer zweimaligen Verlängerungsoption um jeweils fünf Jahre. Die Miete beträgt nach Angaben von Schuldezernentin Weber 105.000 Euro pro Jahr.

Straßensicht mit Altbauten und Baustellen


Das Haus in der Stiftstraße hat eine bewegte Geschichte.
Bild © Cara Platte/hr


Ein neuer Musikort für Frankfurt

Sylvia Weber verspricht sich von dem Umzug eine Rückkehr der Musik an einen historischen Ort. Außerdem wolle man damit einen Teil der Innenstadt beleben, der durch Bürokomplexe und leerstehende Häuser immer mehr an Energie verliere.

Ob sich die hohen Investitionen und die langfristige Bindung an das Gebäude am Ende lohnen, wird sich allerdings erst zeigen, wenn hier nicht mehr gebaut, sondern musiziert wird.

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/musikschule-frankfurt-zieht-in-frueheren-sinkkasten-v1,musikschule-frankfurt-sinkkasten-100.html

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