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Eintracht Frankfurt:Die zwei Gesichter des Can Uzun

Eintracht Frankfurt:Die zwei Gesichter des Can Uzun
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Kürzlich nach seinem Gala-Auftritt gegen Mainz, seinem ersten Bundesliga-Doppelpack, wechselte Eintracht-Jungstar Can Uzun während eines TV-Interviews verbal in den Abwehrmodus. Der Tenor: Redet und schreibt nicht so viel und überhaupt ist das doch alles Nonsens. Er gebe schließlich stets sein Bestes und: „Ich arbeite nach hinten.“ Man muss wissen: Letzteres sieht nicht jeder so, zumindest nicht immer, auch diverse Trainer nicht, die den 20-Jährigen bisher durch dessen Karriere leiteten. Längst hat sich das Bild des schlampigen Genies verfestigt, von einem Toptalent, das noch zu wenig herausholt aus seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Zuerst die harten Fakten, die Statistiken der Spiele gegen Mainz und Freiburg, die in der allgemeinen Bewertung ideal die beiden Gesichter des Can Uzun aufzeigten. Erst hui, dann pfui. In Mainz der engagierte Matchwinner, gegen Freiburg der hadernde Mitläufer. In beiden Spielen spulte Uzun jedoch reichlich Kilometer ab, jeweils knapp elf, was dem zweit- respektive viertbesten Wert aller Eintracht-Profis entsprach. Gegen Mainz hatte er die meisten Ballkontakte aller Offensivspieler (65) und gewann wenig Zweikämpfe (42 Prozent). Gegen Freiburg gewann er dagegen 70 Prozent seiner direkten Duelle (SGE-Bestwert), war aber nur 46-mal am Ball. Ist Uzun also ein Spieler, der nicht fair bewertet wird?

Regelmäßige Rüffel der Ex-Trainer

Die These, dass der türkische Nationalspieler nach Toren zu hoch in den Himmel und nach fehlenden Scorerpunkte zu sehr in den Keller bewertet wird, ist wohl keine steile. Auf der einen Seite liefert er nicht immer eine Sahneleistung ab, nur weil er den Ball aus wenigen Metern über die Linie drückt. Und nicht immer spielt er schwach, nur weil er keine Torvorlage beisteuert.

Auf der anderen Seite schätzten auch jene, die viel tiefer als Außenstehende in die Materie eintauchen, das Schaffen von Uzun ähnlich ein – trotz 19 Toren und zwölf Vorlagen in 64 Eintracht-Auftritten. Unter den Trainern Dino Toppmöller und Albert Riera holte sich Uzun nicht umsonst regelmäßige Rüffel ab, musste er nicht nur einmal auf der Bank Platz nehmen.

Der jetzige Coach Adi Hütter verfolgt bisher einen anderen Ansatz. Statt auf kurzfristigen Liebesentzug zu gehen, setzt er auf volles Vertrauen. Wo er nur kann, äußert er sich lobend über Uzun, der seinerseits das gute Verhältnis zum Trainer bestätigt. Wenn Hütter nach dem Freiburg-Remis jedoch kritische Worte an seine Mannschaft richtet, vor allem fehlende Intensität und Aggressivität bemängelt, dürfte auch Uzun ein Adressat sein.

Das altbekannte Mesut-Özil-Phänomen

Der 20-Jährige hat dann in solch einem Spiel immer etwas Özil-haftes. Oder um im kleineren Eintracht-Kosmos zu bleiben: etwas Chaibi-haftes. Soll heißen: Er ist ein herausragender Kicker, wirkt aber nicht immer voll bei der Sache, wirkt so, als schlurfe er teils nur über den Rasen, als versuche er sich seine Kräfte einzuteilen, um auch in der letzten Minute den Unterschied machen zu können.

Das freilich ist wenig sinnvoll, gerade für den Hütter-Stil ist es besonders wichtig, stets am Intensitätslimit zu arbeiten – und im Zweifel nach 60, 70 Minuten entkräftet für einen anderen Spieler den Platz freizumachen. Uzun tickt offenbar anders. Und damit auch anders, als etwa die vorherigen Eintracht-Unterschiedsspieler Hugo Ekitiké und Omar Marmoush, die es gepaart mit Talent und Eifer zu Weltklubs packten.

Die Kumpels als Vorbild

Im vergangenen Sommer beschäftigten sich insbesondere Galatasaray Istanbul und die SSC Neapel mit einer Uzun-Verpflichtung. Am Ende blieb er in Frankfurt, sicherlich auch in der Hoffnung, sich unter Hütters vergleichsweise harter Hand zu einem Spieler zu entwickeln, der nicht nur für Europas zweites Regal, sondern auch für die erste Reihe von Interesse ist.

Am Freitagabend traf der Spielmacher mit der Türkei auf Frankreich, trat also gegen jene Superstars an, die er irgendwann – wie jeder Profi – wohl gerne seine Mitspieler nennen würde. Uzun spielte von Anfang an, weitestgehend ordentlich, verlor letztlich aber den Ball vor dem 0:1, dem Gegentor zum Endstand. Uzuns enge Kumpels Nathaniel Brown (FC Bayern) und Kenan Yildiz (Juventus Turin) haben es in die Riege von Stars bereits geschafft, obwohl sie nicht mehr fußballerisches Talent mitbringen.

Nun wird in Frankfurt seit Saisonbeginn eine System-Debatte geführt. Eine, die auf den ersten Blick nichts mit Uzun zu hat, auf den zweiten aber doch bald haben könnte. Denn baut Hütter tatsächlich vorerst dauerhaft auf einen Dreier-/Fünferabwehr, um mehr Stabilität zu gewinnen, fällt im Angriff ein Platz weg. Statt vier Offensivspieler könnten in der Startelf nur noch drei aufgeboten werden.

Can Uzun (links) im Duell mit Frankreichs Michael Olise.


Can Uzun (links) im Duell mit Frankreichs Michael Olise.
Bild © IMAGO


Zusätzliche Konkurrenz wird bald 16

Dass die beiden DFB-Stürmer Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt sich ihre Plätze eigentlich verdient hätten, weil sie fleißig, torgefährlich und obendrein mit Klopp’schem Rückenwind ausgestattet sind, steht außer Frage. Hütter also könnte stattdessen auch einen offensiven Spielmacher, Ritsu Doan oder eben Uzun, auf die Bank beordern. Doan seinerseits befindet sich, so zumindest die Eindrücke, derzeit im Aufwind, wirkt zudem in der Rückwärtsbewegung bissiger als Uzun.

Ab Ende Oktober kommt mit dem dann 16-jährigen Niko Ilicevic zudem ein weiteres Spielmacher-Toptalent als Konkurrenz hinzu, wenngleich bei ihm anfangs höchstens mit Kurzeinsätzen zu rechnen sein sollte. Nun ist eher nicht mit einem sofortigen Bankplatz von Uzun zu rechnen. Dafür sind seine Fähigkeiten zu groß. Sehr wohl aber hat Hütter in der Vergangenheit gezeigt, auch nach folgendem Motto verfahren zu können: Wer nicht hören will, muss fühlen.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/eintracht-frankfurtdie-zwei-gesichter-des-can-uzun-v1,eintracht-uzun-132.html

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