Im Debütromen „Honey und Blondie“ der Frankfurter Autorin Ubin Eoh tauschen zwei enge Freundinnen ihre Körper. Eoh fragt, wie es wäre, sich selbst durch die Augen einer anderen zu sehen. Hilft es, den eigenen Körper besser zu akzeptieren?

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„Nach Teppichboden und Filterkaffee“ rieche es im HR-Studio, so beschreibt die Frankfurter Autorin und Journalistin Ubin Eoh ihren ersten Eindruck, als sie fürs Interview in das Frankfurter Funkhaus kommt. Wie die Protagonistin Hyunjeong ihres Debütromans hat Eoh einen sehr ausgeprägten Geruchssinn. Im Buch bauen sich ganze Szenen über Gerüche auf.
In „Honey und Blondie“ gibt es aber noch weitere autobiografische Bezüge, etwa zu Ubin Eohs Kindheit in Berlin – mit all den negativen Erfahrungen als oft einzige asiatisch-gelesene Person. Schon im Kindergarten sei sie Rassismus ausgesetzt gewesen, erzählt Eoh – lernte dann aber „im Sandkasten“ ihre beste Freundin kennen. „Und zu zweit war alles irgendwie erträglicher“.

Ubin Eoh beim Besuch im hr-Studio.
Bild © Andrea Geißler/hr
Freundinnen können Körper tauschen
Im Mittelpunkt des Romans steht eine intensive, magische Frauen-Freundschaft, die Hyunjeong („Honey“) und Bianca („Blondie“) über Jahrzehnte Halt gibt. Ab ihrer Kindergartenzeit im Berlin-Kreuzberg der 1990er Jahre pflegen die beiden eine äußerst innige Beziehung. Sie können sich nämlich ganz in die andere hineinversetzen – und das ist wörtlich gemeint: In emotionalen Extremsituationen tauschen sie plötzlich ihre Körper.
So schlüpft Honey irgendwann in Blondies Körper, die mit ihren blonden Haaren ganz anders von ihrer Umgebung wahrgenommen wird. Gerade in der Teenagerzeit kommt es den beiden zugute, „sich selbst aus den Augen ihrer besten Freundin sehen zu können“, wie es Eoh beschreibt. Dadurch lernten beide, sich besser zu akzeptieren.
Körpertausch wird zur Superkraft
Spätestens in diesem Lebensabschnitt wird der unberechenbare plötzliche Körpertausch zur „Superkraft“ in ihrer Freundschaft. Sie wissen, wie sie ihn herbeiführen können – und wie sie sich mit einem Blick in den Spiegel auch wieder zurück in ihren eigenen Körper switchen können.
Eine Ausnahme gibt es allerdings: Wenn der Uterus „in einer Extremsituation ist, zum Beispiel kurz vor der ersten Periode“, ist der Rücktausch erst einmal blockiert. Die Folge: Als Jugendliche bleiben Honey und Blondie auch monatelang „im anderen Körper gefangen“. Wobei sich Eoh korrigiert: „Das ist das falsche Wort, weil sie es so sehr genießen“.
Kolumne über Leben mit Kind in Frankfurt
Die Autorin entschied sich bewusst dafür, „diese Seelenverwandtschaft zwischen Freundinnen“ literarisch zu ikonisieren. In ihrem Gedankenexperiment geht es um absolute Empathie, sagt Eoh. Was wäre, wenn es möglich wäre, in den Körper einer anderen Person zu schlüpfen, ihre Gedanken zu haben, ihre Biografie?
Nicht nur literarisch verarbeitet Ubin Eoh ihre Erfahrungen über Empathiefähigkeit und das Zusammenleben in dieser so divers gewordenen Gesellschaft. Für die FAZ thematisiert sie in ihrer „Hi, Baby“-Kolumne etwa das Leben mit Kind in einer Großstadt wie Frankfurt, in der so viele völlig unterschiedliche Lebensrealitäten aufeinanderprallen.
Höheres Sicherheitsgefühl als in Berlin
Gerade diese enorme Dichte an Nationalitäten auf engstem Raum hat Ubin Eoh an Frankfurt fasziniert, sagt sie. Schon bevor sie aus Berlin hergezogen sei, habe sie oft beobachtet: „Es gibt so viele asiatisch gelesene Omas und Opas, die hier einfach leben.“ Sie seien offensichtlich über Generationen hier aufgewachsen und das finde sich natürlich auch „im Stadtbild“ wieder.
Dazu komme ein Gefühl von Sicherheit, das sie in Berlin nur eingeschränkt gehabt habe. In Frankfurt dagegen „kann ich mich mit der Regionalbahn ins Umland verfahren und mir passiert nicht unbedingt etwas“. Davor habe sie in Berlin immer Angst gehabt: „In Brandenburg auszusteigen und wenn ich Pech habe, sind am Bahnhof irgendwelche Dorfnazis“.
Hype um südkoreanische Popkultur hilft gegen Rassismus
Auch in Hessen gäbe es zwar rechtes Gedankengut, stellt Eoh klar. In Berlin und dem Umland sei es aber geradezu „ein traditioneller Weg“ geworden, sich bereits in der Schule zum Neonazi zu entwickeln, beschreibt sie ihren Eindruck und ihre Entscheidung für die hessische Metropole: „Es ist auch dieser Regionalbahn-Sicherheits-Gedanke, der mich Frankfurt lieben lässt.“
Es habe sich allerdings seit ihrer Kindheit grundsätzlich viel getan in der Wahrnehmung asiatisch gelesener Menschen in Deutschland. „Kommst du aus China oder Japan?“, sei sie als Kind oft gefragt worden. Korea, die Heimat ihrer Familie sei vielen gar kein Begriff gewesen. Das habe sich zum Positiven geändert, seit Popkultur aus Südkorea seit einigen Jahren einen regelrechten Hype erlebe.
„Honey und Blondie“ zelebriert auch koreanische Küche
In „Honey und Blondie“ wird besonders die koreanische Küche zelebriert und in all ihrer Vielfalt geradezu ausgekostet. So beantwortet Honey die Frage nach ihrem „Geruch des Tages“ oft mit etwas typisch Koreanischem: „Wie’s in der Wohnung gerochen hat, als ich reinkam. Nach Rippchen ausm Ofen und nach Zuhause.“
Es wäre also nicht verwunderlich, wenn man nach der Lektüre ihres Romans Lust auf koreanisches Essen hätte. Ubin Eohs Empfehlung zum Einstieg? Die Eintöpfe! Zum Beispiel ein Kimchi-Eintopf – „wenn du den isst, dann fühlst du dich wie zu Hause – egal, aus welcher Kultur du kommst.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/honey-und-blondie-frankfurter-autorin-ubin-eoh-feiert-frauenfreundschaft-v1,buch-ubin-eoh-100.html


