Im vorigen Jahr entpuppte sich eine vom Sturm verwüstete Waldfläche im Taunus als archäologische Sensation: Man fand ein komplettes Dorf neben dem römischen Kastell Kapersburg. Nun erweisen sich Mauerreste als Fundamente eines antiken Tempels.

Die gut erhaltenen Grundmauern gehörten einst zu einem Tempel im römischen Dorf.
Bild © Thomas Kurella/hr
Zuerst war da nur eine verdächtige Erhebung im Waldboden, halb von Erdreich bedeckt: Steine, offenbar bewusst angeordnet. Es war der erste Hinweis auf Bauwerke in der römischen Militär-Siedlung neben dem Kastell Kapersburg bei Rosbach v.d. Höhe (Wetterau).

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Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege entdeckten sie erst vor wenigen Jahren in einem Bereich, wo der Sturm eine Schneise in den Wald geschlagen hatte.
Aber nicht nur die Siedlung selbst erweist sich als spektakulär. Auch bei der weiteren Auswertung der Fundstelle machten die Archäologen spannende Entdeckungen.
„Ein Loch in den Kopf gefreut”
Ganz aus dem Häuschen war Katharina Grießhaber als ihr klar wurde, was sie da gerade freilegt hatte. Sie arbeitet für gewöhnlich im Landesmuseum Saalburg, eigene Ausgrabungen stehen da nicht auf der Tagesordnung.
Bei der Kapersburg durfte Grießhaber endlich selbst graben. Sie fand tatsächlich ein Fundament, das selten gut erhalten war. „Da haben wir uns ein Loch in den Kopf gefreut“, erinnert sie sich. „So wunderschöne römische Mauern zu finden, ist ein Highlight.“

Katharina Grießhaber arbeitet normalerweise im Landesmuseum Saalburg.
Bild © Thomas Kurella/hr
Ein Tempel im Taunus
Im Waldboden zeichnete sich ein deutliches Rechteck ab, etwa fünf Meter lang. In der Mitte ein kleines Quadrat aus gut erhaltenen, an die 50 Zentimeter dicken Mauern.
Bezirksarchäologe Kai Mückenberger, Experte für die Erforschung des römischen Limes, war sich sicher, dass es sich um einen Kultbau handeln musste: „Das ist ein Tempel“, stellte er überrascht fest.
Reste von Götter-Statuen
Verschüttet von Mauersteinen tauchten auch Reste von Götterstatuen auf. Die Ausgräberinnen fanden Bruchstücke: die Hand eines Gottes, wahrscheinlich Mars, Teile von Tieren und der fast vollständig erhaltene Torso einer Göttin.

Diese Statue stellt die römische Schutzgöttin Victoria dar.
Bild © Hessisches Landesamt für Denkmalpflege
Klar erkennbar ihre Attribute: Flügel, Palmzweig, Sieges-Lorbeer. Das war einmal eine Victoria, die Schutzgöttin Roms.
Deal statt Dienen
Die Siedler der römischen Kapersburg jedenfalls haben an diesem Tempel einst Rat gesucht – oder besser: Sie haben Tauschgeschäfte mit den Göttern gemacht. Grießhaber schildert römische Religiosität als eine Art Handel. „Victoria, wenn Du mich unterstützt, liefere ich Dir ein Geschenk.“
So könne man sich erklären, dass viele Fragmente von figürlichem Schmuck gefunden wurden.
Der Tempel hat den Limes überlebt
Der Tempel selbst mag im dritten Jahrhundert nach Christus eher schlicht ausgesehen haben. Kai Mückenberger kann im Gebetsraum keine vierte Wand erkennen. Eine Seite war also offen. Denkbar wäre, dass dort ein Holztor oder Gitter angebracht war.
Es gibt auch erste Anzeichen für ein starkes Fundament, das den Bau komplett umschließt, Hinweis auf einen überdachten Umgang rund um den Gebetsraum. Es wäre ein klassischer „Umgangstempel”, wie er bereits von anderen Grabungen bekannt ist.

So ähnlich wie dieser Nachbau eines antiken Tempels im Römermuseum Schwarzenacker im Saarland könnte auch der Kapersburg-Tempel ausgesehen haben.
Bild © Römermuseum Schwarzenacker
Die Menschen im Taunus haben ihn ganz offenbar auch dann noch besucht, als die Zeit der römischen Soldaten im Limes-Kastell vorbei war. So fand Mückenberger gleich neben dem Tempel ein Schmuckstück aus der Spätantike.
Textbotschaft könnte weiteres Geheimnis verraten
Zurzeit warten die Archäologen auf die Übersetzung einer Textbotschaft aus dem Tempelraum, der in lateinischen Lettern auf einem Weihestein verewigt wurde. Mit ein wenig Glück erfahren wir bald, welchen Namen das römische Dorf an der Kapersburg einst getragen hat.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/archaeologen-stossen-im-taunus-auf-roemischen-tempel-v1,archaeologie-taunus-tempel-kapersburg-100.html


