Die Grenze zu Tschechien ist die längste Außengrenze Deutschlands. Dennoch wissen wir von unserem östlichen Nachbarland relativ wenig. Der Gastland-Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse könnte das ändern – nicht nur auf dem Gebiet der Literatur.

Ein Land an der Küste: Entwurf für den tschechischen Pavillon auf der Buchmesse
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A wie Ahoj!
Der Matrosengruß „Ahoj!“ ist in Tschechien unter guten Freunden so geläufig wie das „Ciao“ in Italien. Offenbar hat er über die Kanuten- und Wanderbewegung seinen Weg in die Gesellschaft gefunden. Dahinter steckt aber auch die sprichwörtliche Sehnsucht der Tschechen nach dem Meer.
Deren Ursprung wiederum ist im Drama „Das Wintermärchen“ von William Shakespeare zu finden, in dem Böhmen an die Küste verlegt wird. Ein geografischer Irrtum? Ein Scherz? Oder eine Metapher? Mit ihrem Gedicht „Böhmen liegt am Meer“ trug Ingeborg Bachmann diesen literarischen Mythos weiter.
„Tschechien – Ein Land an der Küste“ – so lautet denn auch das Motto für den Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Das Prager Architekturbüro JinJan hat passend dazu für den tschechischen Gastlandpavillon eine Landschaft aus Kieselsteinen und Leuchttürmen entworfen.

Tschechisches Grundnahrungsmittel: Bier
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B wie Bier
Wenn es etwas gibt, was Tschechien und Deutschland wirklich verbindet, dann ist es die Liebe zum Bier. Der in Berlin und der Region Böhmisches Paradies lebende Schriftsteller Jaroslav Rudiš hat diesem verbindenden Element sein Buch „Gebrauchsanweisung für Bier“ gewidmet – mit Reisen zu den tschechischen Biermetropolen wie Pilsen und Budweis, aber auch zu kleinen Brauereien in ganz Europa.
Für die tschechische Literatur ist das Biertrinken in der Kneipe eine zentrale Erfahrung: Wenn das Bier fließt, fließen auch die Geschichten – etwa im Werk von Bohumil Hrabal (1914 – 1997). Als Kind wuchs er quasi in der Brauerei von Nymburk auf, wo sein Vater Verwalter war. Später gehörte Hrabal zu den Stammkunden der Kneipe U Zlatého tygra (Zum Goldenen Tiger) in Prag, die es heute noch gibt.
Auch der vielleicht berühmteste Satz der tschechischen Literatur hat mit Bier zu tun: „Nach dem Krieg um halb sechs im Kelch“ – so verabredet sich der brave Soldat Schwejk im Roman von Jaroslav Hašek mit seinen Saufkumpanen. Heute ist „U kalicha“ (Zum Kelch) vor allem ein Treffpunkt für Prag-Touristen.

Tschechischer Exportschlager: der kleine Maulwurf
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H wie Humor
Wenn man in Tschechien auf etwas stolz ist, dann sind es die handwerklich begabten „goldenen Händchen“ und der typisch tschechische „Sinn für Humor“. Selbstironie und schwarzer Humor waren Mittel des geistigen Überlebens in Zeiten der Diktatur und bewähren sich bis heute.
Kunst, Literatur und Theater in Tschechien sind voll von erfundenen Figuren wie dem fiktiven Universalgenie Jára Cimrman, das seit Jahrzehnten ein Eigenleben führt. Tschechische Kinderfiguren – allen voran die von dem Grafiker Zdeněk Miler erfundene Figur des kleinen Maulwurfs – sind auch als Serie weltweit bekannt geworden.
Auch in den Büchern junger Autorinnen und Autoren, die sich beim tschechischen Gastland-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren, blitzt der typisch tschechische Humor auf. Etwa wenn Dora Kaprálová die Welt mit den Augen einer Fliege erkundet oder wenn Jaroslav Rudiš drei Menschen in einem alten Saab auf eine morbide Friedhofsreise schickt.

Tradition trifft Moderne: Firmensitz der tschechischen Glasfirma Lasvit in Nový Bor
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M wie Museen
Während der Buchmesse werden Museen in Frankfurt und Offenbach zum Showroom für das Gastland Tschechien. Herausragend ist dabei die Schau im Deutschen Architekturmuseum „More is Now!“ mit neuer tschechischer Architektur wie dem spektakulären Umbau einer gigantischen Mühle in Pardubice oder der eleganten Firmenzentrale eines Glasherstellers in Nový Bor.
Andere Ausstellungen widmen sich zeitgenössischer Kunst aus Tschechien – etwa mit den surrealistischen Skulpturen von Anna Hulačová in der Kunsthalle Schirn oder mit den „GartenUtopien“ von Veronika Richterová, die aus alten Plastikflaschen bunte Pflanzen und Kakteen erschafft.
Auch die Literatur selbst ist Thema von Ausstellungen. So zeigt das Museum für Kommunikation die Geschichte des „Samizdat“, der im Untergrund veröffentlichten Literatur in Zeiten des Kommunismus. Tschechische Buchkunst von 1900 bis heute ist im Offenbacher Klingspor Museum zu sehen. Dreidimensionale Bilderbücher präsentiert das Struwwelpeter Museum in der Schau „Beyond Paper Plane“.

Für freie Medien und Kultur: Demonstration in Prag am 5. Mai 2026
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Z wie Zivilcourage
Als im August 1968 sowjetische Panzer den Prager Frühling und damit den Versuch eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ niederwalzten, stellten sich dem viele in der Tschechoslowakei mutig entgegen. Es gab Aktionen des zivilen Ungehorsams, das Radio sendete aus einem versteckten Studio weiter. Bis heute wird daran immer wieder erinnert.
Auch im heutigen Tschechien sehen viele die demokratischen Freiheiten wieder bedroht – durch gezielte Desinformation und durch die Kulturpolitik der aktuellen rechtspopulistischen Regierungskoalition. Zur Verteidigung der öffentlich-rechtlichen Medien in Tschechien gingen in diesem Jahr Zehntausende auf die Straße.
Pläne von Kulturminister Oto Klempíř, den Etat der öffentlichen Bibliotheken zu kürzen oder die Filmförderung staatlich zu kontrollieren, sorgten für scharfe Kritik. Auch bei der Frankfurter Buchmesse dürfte der Protest der tschechischen Kulturszene gegen die Prager Regierung eine Rolle spielen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/frankfurter-buchmesse-2026-gastland-tschechien-von-a-bis-z-v1,buchmesse-gastland-tschechien-protrait-100.html

