Kultur

Offenbach: Petition soll „Buchladen am Markt“ retten

Offenbach: Petition soll „Buchladen am Markt“ retten

Miete zu hoch, Umsätze gehen zurück: Der „Buchladen am Markt“ in Offenbach zählt zu den besten Deutschlands – auch dieses Jahr ist er dafür ausgezeichnet worden. Trotzdem muss er schließen. Eine Petition soll den Laden retten.

Eine Frau mit blauem T-Shirt und Jeans und ein Mann mit knallroter Mütze und Bart stehen nebeneinander hinter einem Büchertisch und vor einem Bücherregal.


Sarah Stemmler und Felix Sauer sind Stammkunden im Buchladen am Markt.
Bild © hr/Milena Pieper


Der Buchladen am Markt am Vormittag: Immer wieder kommen neue Kundinnen und Kunden, stöbern in der Auslage oder holen ein bestelltes Buch ab. Das Telefon klingelt – erst eine weitere Buchbestellung, dann der Wunsch nach Beratung bei der Suche nach einem Geschenk für einen Krimiliebhaber. Es wirkt, als ob das Geschäft brummt.

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00:56 Min.
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Buchladen vor dem Aus

Sarah und Felix stehen vor ihrem Buchladen

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Aber der Schein trügt: Mit dem Buchhandel ist hier Ende des Jahres Schluss. „Wir müssen schließen, weil sich unsere Miete in den letzten sieben Jahren jährlich erhöht hat“, sagt Inhaberin Andrea Tuscher. Seit sie den Laden vor fast 15 Jahren übernommen hat, habe sich die Miete mehr als verdoppelt.

Eine Frau mit Brille und schwarzem Oberteil steht vor einem Bücherregal.


Andrea Tuscher muss ihren Traum vom Buchladen aufgeben.
Bild © hr/Milena Pieper


Dem entgegen stehen die Buchpreise, die wegen der Buchpreisbindung deutlich weniger gestiegen sind. Hinzu kommt ein geringerer Umsatz. Das Interesse an Büchern sei weiter da, aber die Käufe würden weniger. „Das Buch ist zu einem Luxus geworden“, so Tuscher.

Weitere Informationen

Wie es um die Buchbranche steht

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 2,7 Prozent.

Die Zahl der Menschen, die Bücher kaufen, ging 2025 im Vergleich zu 2024 um 4,9 Prozent zurück. Besonders stark war der Rückgang bei den 10- bis 15-Jährigen mit etwa 30 Prozent. Bei den 20- bis 29-Jährigen waren es fast 18 Prozent, bei den 16- bis 19-Jährigen stieg die Zahl dagegen um fast 8 Prozent.

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Petition soll Buchladen retten

Sarah Stemmler und Felix Sauer wollen das nicht hinnehmen. „Wir können uns ein Offenbach ohne den Buchladen am Markt nicht vorstellen“, sagen sie. Deshalb haben sie eine Petition gestartet. Sie wollen, dass die Stadt das Haus kauft und günstiger vermietet. Dafür haben sie bereits mehr als 6.000 Unterschriften gesammelt.

Ein graues Eckhaus am Wilhelmsplatz in Offenbach. Unten drin befindet sich der "Buchladen am Markt".


Der Buchladen am Markt ist einer von zwei Buchläden in Offenbach, die nicht zu einer großen Kette gehören.
Bild © hr/Milena Pieper


Die beiden wohnen direkt um die Ecke, kommen oft vorbei und kaufen regelmäßig Bücher. „Ich habe hier schon als Schüler gejobbt“, sagt Felix Sauer. Er hat zufällig erfahren, dass der Laden zumachen muss. „Ich war so sauer und so traurig, dass wir gesagt haben, wir starten jetzt diese Petition.“

Dabei geht es ihnen nicht nur um die persönliche Verbindung zum Laden. „Offenbach droht einen total wichtigen Kulturort zu verlieren, wo Leute zusammenkommen, Veranstaltungen und Lesungen stattfinden“, sagt Sarah Stemmler. Dieser Ort sei wichtig fürs Stadtleben.

Hohe Mieten, weniger Geld für Ausgaben

Dass er nun in Gefahr ist, steht für Sarah und Felix exemplarisch für eine Entwicklung in der Offenbacher Innenstadt: Durch Gentrifizierung und hohe Mieten würden Angebote aus der Stadt verdrängt.

Dass es der Einzelhandel schwer hat, bestätigt auch Frank Achenbach von der IHK Offenbach. Auch wenn die Mieten in diesem Bereich – anders als bei Mietwohnungen – nicht erheblich höher geworden seien, blieben sie auf einem hohen Niveau.

Im Fall von Staffelmietverträgen wie beim Buchladen am Markt stiegen sie sogar regelmäßig, während die Menschen in Offenbach durch eine relativ hohe Inflation weniger Geld übrig hätten, um es im Einzelhandel auszugeben.

Eigentümer entscheiden über Zukunft des Einzelhandels

Immobilieneigentümer hätten deshalb eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der Innenstädte. „Sie entscheiden mit darüber, ob bestehende Konzepte bleiben oder sich neue ansiedeln können“, so Achenbach.

Die Stadt Offenbach sagt auf hessenschau-Anfrage, sie könnte prüfen, ob sie das Haus kauft. Dafür müsste der Eigentümer aber verkaufen wollen und das sei aktuell nicht der Fall. Außerdem müsse sich ein Kauf mit Steuergeld für möglichst viele Offenbacher lohnen. In der Innenstadt stellten sich dabei die Fragen: „Wo fängt man an? Wo hört man auf?“.

Sie sicherte allerdings zu, dass die Wirtschaftsförderung mit dem Eigentümer darüber sprechen werde, ob eine Lösung für die Miete gefunden werden kann. Und: Die Wirtschaftsförderung werde versuchen, alternative Flächen für den Buchladen zu finden. Das sei allerdings nicht leicht.

Schwerer Abschied

Ein Buchladen mit vielen Bücherregalen.


In diesem Laden ist seit fast 40 Jahren eine Buchhandlung. Für viele Offenbacher gehört sie zum Wilhelmsplatz dazu.
Bild © hr/Milena Pieper


Inhaberin Andrea Tuscher fällt der Abschied schwer. „Dieser Buchladen war mein Traum. Jetzt muss ich bald meine Mitarbeitenden entlassen.“ Sie glaubt nicht recht daran, dass die Petition noch etwas daran ändern kann. „Für mich ist es vielleicht zu spät. Ich hoffe aber, dass sich die Situation für andere in Zukunft verbessern wird.“

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/offenbach-petition-soll-buchladen-am-markt-retten-v1,buchladen-vor-dem-aus-100.html

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