Nach wochenlangen Protesten gegen die geplante Schließung der Geburtshilfe am Klinikum Schwalmstadt steht nun fest: Die Geburtsstation wird zweieinhalb Monate früher geschlossen. Für werdende Mütter hat das direkte Auswirkungen.

In Schwalmstadt werden schon bald keine Babys mehr geboren.
Bild © picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
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00:39 Min. |Daniela Möllenkamp
Paukenschlag in Schwalmstadt (Schwalm-Eder): Die Geburtshilfe des Asklepios Klinikums schließt kurzfristig früher als geplant, nämlich bereits am kommenden Montag um 16 Uhr. Das Unternehmen begründete das vorzeitige Aus mit Personalmangel.
Man habe die Dienste von Ärztinnen, Ärzten und Hebammen für die kommenden Monate nicht durchgängig besetzen können. Das Gesundheitsministerium in Wiesbaden sei bereits über die vorzeitige Schließung informiert worden.
Nach hr-Informationen bestehen schon seit September Personalprobleme. Nachdem die Schließung im Juli bekannt wurde, sollen einzelne Hebammen und Ärzte gekündigt haben.
Schließung ursprünglich zum Jahreswechsel
Auch mithilfe von externen Dienstleistern sei keine Besetzung gefunden worden, „die ein mögliches Risiko für Mutter und Neugeborenes ausschließt“, hieß es in der Mitteilung vom Montag. Für die kommenden Wochen seien ohnehin keine Geburten mehr angemeldet worden.
Damit schließt die Geburtshilfe in der einwohnerstärksten Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis rund zweieinhalb Monate früher als geplant. Ursprünglich sollte der Betrieb zum 1. Januar 2027 eingestellt werden.
Als Grund für die geplante Schließung hatte das Unternehmen die Krankenhausreform genannt. Damit seien die Anforderungen an Personal und Infrastruktur gestiegen – und für das Klinikum offenbar nicht mehr zu stemmen gewesen. Die Reform hatte bei mehreren hessischen Kliniken für Proteste gesorgt.
Künftig weiter Weg für Entbindungen
Gegen die Ankündigung der geplanten Schließung in Schwalmstadt hatte sich Protest formiert. Eine Initiative startete eine Online-Petition für den Erhalt der Geburtshilfe und organisierte Protestkundgebungen – jedoch vergeblich, wie sich nun herausstellt.
Die Entscheidung, die Geburtshilfe vorzeitig zu schließen, sei „nicht leichtgefallen“, erklärte Klinikum-Leiterin Dagmar Federwisch. Ein Risiko für werdende Mütter und ihr Kind in Kauf zu nehmen, sei aber nicht verantwortbar.
Werdende Mütter müssen nun ab nächster Woche einen weiteren Weg in Kauf nehmen und nach Fritzlar (Schwalm-Eder), Bad Hersfeld oder Marburg fahren. Die drei Städte sind mit dem Auto 30 bis 45 Minuten entfernt. Die gynäkologische Versorgung bleibt laut Klinikum bis zum 15. Dezember bestehen.
Weniger Geburtsstationen in Hessen
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden seit 2015 in Hessen 14 Geburtshilfe-Stationen geschlossen. Demzufolge gibt es in drei Landkreisen keine Geburtsklinik mehr. Eine Entwicklung, die auch bundesweit zu beobachten ist, zuletzt oft mit Verweis auf die Krankenhausreform des Bundes.
Ein anderes Argument, das häufig bei Schließungen angeführt wird: Die Zahl der Geburten ist stark gesunken. Laut Gesundheitsministerium kamen 2024 in Hessen gut 53.000 Säuglinge zur Welt, so wenige waren es zuletzt 2013. 2021 gab es noch mehr als 61.000 Geburten.
Auch im Klinikum Schwalmstadt sanken seit einigen Jahren laut Klinikleitung die Geburtenzahlen: von rund 500 Geburten in den Jahren 2022 und 2023 auf nur noch 417 in 2024 und 464 in 2025. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden demnach 199 Geburten betreut.
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Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/geburtshilfe-in-schwalmstadt-schliesst-schon-am-montag-v1,geburtshilfe-schwalmstadt-100.html



