Das Gerüstdach ist verschwunden, die neuen Träger liegen bereit: Nach dem Einsturz 2023 bekommt die Kasseler Elisabethkirche ein neues Dach. Schon bald soll das Gotteshaus wieder seine Pforten öffnen – notfalls ohne Heizung.

Nach dem Einsturz am 6. November 2023 bekommt die Elisabethkirche in Kassel jetzt ein neues Dach.
Bild © Stefanie Küster (hr)
Fast drei Jahre nach dem Einsturz des Dachs der Elisabethkirche in Kassel hat der Wiederaufbau eine wichtige Etappe erreicht. Die neuen Dachelemente liegen bereit und sollen in den kommenden Wochen montiert werden.
Am Dienstag haben Vertreter der Diözese, des beratenden Ingenieurbüros und der Pfarrei bei einem Termin über die Fortschritte berichtet. Das Dach war am 6. November 2023 auf voller Länge eingestürzt. Ein Kirchenmitarbeiter, der zum Zeitpunkt des Einsturzes im Gebäude war, blieb unverletzt. Die Kirche ist seitdem gesperrt.
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00:40 Min.|Sina Philipps
Kosten in Millionenhöhe
In den nächsten Tagen werden laut Diözesanbaumeister Martin Matl insgesamt 16 vorgefertigte Dachbinder aus Holz als Grundkonstruktion auf dem Mauerwerk aufgesetzt. Jedes der Dachelemente wiegt rund eine Tonne. Im Anschluss werde dann die Dachhaut montiert.
Matl bezeichnete die Arbeiten am Kirchdach als einen „wichtigen Zwischenschritt“. Von der Versicherung habe es nach dem Einsturz keine Entschädigung gegeben.
Zu den genauen Kosten des neuen Dachs könne man noch keine Auskunft geben, teilte Marcus Leitschuh von der Pfarrei Sankt Elisabeth mit. „Inklusive der Sicherungsmaßnahmen der letzten drei Jahre wurde die Millionengrenze allerdings überschritten.“
Zwei Wochen dauert es etwa, bis das Dach wieder dicht ist. Sollte es in dem Zeitraum zu anhaltendem Regen kommen, kann das Gebäude noch einmal von oben mit Planen gesichert werden. Ende November sollen bereits Gerüst und Kran verschwunden sein, teilte die Kirche mit.
Dach als Interimslösung
Das Dach wird am Ende erstmal ähnlich aussehen wie die ursprüngliche Kontruktion – „aus einfachen Materialien und mit einfachen Systemen“, erklärt Dominick Dönicke, Geschäftsführer vom Ingenieurbüro HAZ.
„Die gesamte Kontruktion steht unter Denkmalschutz“, so Dönicke, dennoch handele es sich bei dem jetzt zu montierenden Dach um eine Interimslösung für die nächsten zehn Jahre. In dieser Zeit könne man über eine langfristige Nutzung des Gebäudes nachdenken.

Die alten Leimbinder sind gebrochen. Grund dafür ist zu wenig Kleber beim Bau.
Bild © Stefanie Küster (hr)
Kirche Ende des Jahres wieder begehbar
Wenn alles nach Plan läuft, soll das Gotteshaus Ende des Jahres wieder öffnen können. Wie die Kirche künftig innen aussehen wird, ist noch nicht entscheiden. Ein langfristiges Nutzungskonzept wird aktuell von einer Arbeitsgruppe aus Bistum und Gemeinde entwickelt.
Überlegt wird auch, umliegende Gebäude aufzustocken und anders zu nutzen. Leitschuh sprach zunächst von einer Mischung aus Gottesdienst, Gebeten und Kultur.

Das Dach der Elisabethkirche war im November 2023 eingestürzt.
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Innenraum wird nicht saniert
Über die Innengestaltung der Kirche soll laut Matl erst später entschieden werden. „Der Raum wird zunächst nicht weiter saniert und in seinen Ursprungszustand zurückversetzt“, erläuterte er. Das Unperfekte bleibe erste einmal bestehen. Auch ob die Heizung nach drei Jahren noch funktioniert, ist noch unklar.
Für Leitschuh steht dieser unperfekte Raum sinnbildlich für Verletzungen, „die viele Menschen in ihrem Leben selbst erfahren“. Die Gemeinde freue sich jetzt darauf, wieder in der Kirche zu sein und Gottesdienste anbieten zu können. „Uns ist wichtig, dass die Kirche oben geschlossen ist und die Türen offen sind“, so Leitschuh.
Konkrete Pläne gibt es schon für die documenta im nächsten Sommer: Dann soll hier laut Leitschuh eine Klanginstallation des Künstlers Jan Werner eingerichtet werden. Diese beziehe Material der zerstörten Orgel mit ein. Im Zuge der Dacharbeiten soll auch der „Mann im Turm“ des Künstlers Klaus Balkenhol restauriert werden.

Blick ins Innere der Kirche: Der Raum bleibt weiterhin unperfekt.
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Grund für den Einsturz: Zu wenig Kleber
Warum das Kirchendach am 6. November 2023 gegen 13 Uhr einstürzte, ist schon länger bekannt. Ein Gutachten aus dem Jahr 2024 ergab, dass mehrere Faktoren zum Einsturz der Dachkonstruktion geführt haben. So war die Verleimung der Holzträger mangelhaft. Zudem hätten die Träger nach dem heutigen Stand größer sein müssen.
Außerdem entstanden im Laufe der Jahre witterungsbedingt zusätzliche Belastungen für die Dachkonstruktion aus dem Jahr 1959/1960.
Wissenschaftler der Uni Kassel hatten das Material nachträglich untersucht. Die Tests bestätigten, dass fehlender beziehungsweise unregelmäßig aufgetragener Leim der Grund für den Dacheinsturz war. Von außen sei das Problem nicht zu erkennen gewesen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/nach-dacheinsturz-in-kassel-elisabethkirche-soll-noch-2026-oeffnen-v2,neues-dach-elisabethkirche-kassel-100.html

