Die Frankfurter Buchmesse geht gerade erst los, da blickt man schon ins nächste Jahr: Chile hat sich als Ehrengast 2027 vorgestellt. Die dortige Literaturszene ist besorgt über die Sparpläne der neuen rechten Regierung.

Die Schriftstellerinnen Alejandra Costamagna und María José Ferrada mit Kuratorin Daniela Sarrazin gehören zur offiziellen Delegation des Ehrengastlandes.
Bild © Christoph Scheffer (hr)
„Ein Land an der Küste“, so lautet das rätselhafte Buchmessen-Motto von Tschechien in diesem Jahr – dabei hat das Land gar keinen Zugang zum Meer. Beim nächsten Ehrengast Chile sieht das anders aus: Das südamerikanische Land verfügt über eine rund 6.500 Kilometer lange Küstenlinie.
Audio
02:33 Min.|Christoph Scheffer
Doch so unterschiedlich die Geographie der beiden Gastländer ist, so ähnlich sind die politischen Sorgen. Wie in Tschechien hat in Chile eine Regierung vom äußersten rechten Rand die Macht übernommen. Bei der offiziellen Vorstellung Chiles am Donnerstag war bereits zu spüren, wie sehr das die Kulturszene in Unruhe versetzt.
Sparpläne beunruhigen Literaturszene
Mit einer offiziellen Delegation von 13 Autorinnen und Autoren kommt das Land 2027 nach Frankfurt. Zwei von ihnen waren bei der Vorstellung des Gastlandauftritts dabei. Die Kinderbuchautorin María José Ferrada sieht in dem kommenden Messeauftritt eine „große Chance für die chilenische Literatur“.

Die Delegation des chilenischen Ehrengasts v.l.n.r.: Schriftstellerin Alejandra Costamagna, Kuratorin Daniela Sarrazin, Autorin María José Ferrada, der chilenische Botschafter in Deutschland, Jorge Sandrock, Buchmessen-Direktor Juergen Boos, Leiter des Ehrengastprogramms Nicolás Leyton, und Kulturmanagerin Karla Eliessetch.
Bild © Christoph Scheffer (hr)
Gleichzeitig zeigte sie sich besorgt angesichts der Pläne der neuen chilenischen Regierung, im Kulturbereich zu sparen. Der Etat zur Förderung des Buches werde um 20 Prozent gekürzt, so Ferrada. Das werde viele Autoren treffen.
„Das wird die Literatur ausbremsen“, unterstrich auch die Autorin Alejandra Costamagna. Die Kultur als „integraler Bestandteil der Gesellschaft“ sei bedroht.
Chile betont kulturelle Vielfalt
Wer zu dieser chilenischen Gesellschaft gehört, gibt das Motto des Gastland-Auftritts schon vor: „Chile, astros de tierra“, lautet es, zu Deutsch: „Chile, Sterne der Erde“.
Einerseits gebe es in Chile die weltweit wichtigsten astronomischen Beobachtungsstationen mit bestem Blick auf die Milchstraße, erklärte der Leiter des Ehrengast-Programms, Nicolás Leyton.
Gleichzeitig stehe das Motto für die Vielfalt von Völkern und Kulturen in Chile, die alle unter dem gleichen Sternenhimmel zuhause sind.
Boos: Reiche literarische Tradition
Der scheidende Buchmessedirektor Juergen Boos würdigte Chile als „Land mit reicher literarischer Tradition“. Er erinnerte an die Bestseller-Autorin Isabel Allende sowie an die Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda (1971) und Gabriela Mistral (1945).
Vor genau zehn Jahren sei Lateinamerika Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse gewesen, so Boos. Jetzt sei Chile bereits das vierte Gastland aus Südamerika. Die 79. Buchmesse läuft vom 6. bis zum 10. Oktober 2027.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse-gastland-chile-2027-neuer-ehrengast-gleiches-problem-v1,buchmesse-chile-100.html


