Er ist Schriftsteller, Menschenrechtsanwalt und kämpft für das internationale Recht. Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse bekommt der Brite Philippe Sands den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Ein perfekter Zeitpunkt, wie der Preiträger sagt.

Philippe Sands bei einer Pressekonferenz auf der Buchmesse in Frankfurt
Bild © picture alliance/dpa | Hannes P. Albert
Philippe Sands ist am Samstag in grauem T-Shirt und Jeans auf die Buchmesse gekommen, einen Tag bevor er in der Paulskirche den Friedenspreis entgegennehmen wird. „Das Timing ist perfekt“, sagte er im Mediengespräch.
Er denke dabei an die frische Nachricht, dass die südafrikanische Juristin und Menschenrechtlerin Navi Pillay den Friedensnobelpreis bekommen wird. Sands und Pillay kennen und schätzen sich aus der Arbeit am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.
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04:29 Min. |hessenschau.de (Christoph Scheffer)
Dass Donald Trump kurz nach der Verkündung der Nobelpreis-Entscheidung neue US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof verhängt hat, sei „kein Zufall“, sagte Philippe Sands. Die USA hätten ihre Position zur internationalen Gerichtsbarkeit komplett geändert. Seine Reaktion darauf sei die schlichte Frage: „Echt jetzt, Mr. Trump?“
Richter und Leser sollen selbst drauf kommen
Seine Tätigkeiten als Menschenrechtsanwalt und als Schriftsteller seien immer enger miteinander verbunden, berichtete Sands. Einer seiner Nachbarn in London sei der Spionageschriftsteller John Le Carré gewesen, mit dem er über 20 Jahre befreundet war. Mit Le Carré habe er sich oft über die Ähnlichkeit der Arbeit von Anwälten und Schriftstellern ausgetauscht.
„Es geht darum, dem Leser oder dem Richter nichts aufzudrängen“, sagt Sands. „Richter müssen wie Leser selbst ihre Schlüsse aus den dargelegten Fakten ziehen, sie wollen selbst darauf kommen!“ Gelegentlich zitiere er als Anwalt vor Gericht aber auch Gedichte von Leonard Cohen, den er verehre.
Thema für die Dankesrede in der Paulskirche soll „Schweigen“ sein
Zu seiner Dankesrede in der Paulskirche wollte Philippe Sands vorher nicht zu viel verraten. Es gehe ihm dabei um das Thema „Schweigen“, sagt er und deutete an, dass er damit auch den aktuellen Umgang Deutschlands mit der Politik der israelischen Regierung meint. „Ich werde das ansprechen, aber als Ausländer in Deutschland mit Respekt und Höflichkeit.“
Den Streit um den Begriff Genozid – gerade mit Blick auf das israelische Vorgehen in Gaza – könne er gut verstehen. „Der Begriff entzündet starke Emotionen“, sagte er. „Doch die Tötung von 10.000 Menschen ist in jedem Fall schrecklich, egal wie du es nennst.“
Sands fordert Straftatbestand des „Ökozids“
In seinem nächsten Buch will Philippe Sands seiner Forderung nach einer „fünften Straftat“ im Völkerstrafrecht Ausdruck verleihen. Neben Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Angriffskrieg müsse auch der „Ökozid“ als schwere Zerstörung der Umwelt international strafbar werden. Das wolle er in dem Buch – einer Mischung aus Memoiren und Manifest – sehr persönlich darlegen.
Die Klimakrise – spürbar auch in Europa angesichts viel zu heißer Sommer – sei ein Generationenthema, sagte Sands. Das Thema Umwelt habe in seiner eigenen juristischen Ausbildung überhaupt keine Rolle gespielt. Umso mehr hätten seine drei Kinder die Arbeit an seinem neuen Buch begrüßt. „Sie sagten, endlich machst du mal was Sinnvolles, Papa!“
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/buchmesse/friedenspreistraeger-philippe-sands-auf-der-buchmesse-echt-jetzt-mr-trump-v1,portrait-philippe-sands-100.html



