Kultur

Ausstellung in Frankfurt: Reinigungskräfte zwischen Zeitdruck und Rückenschmerzen

Ausstellung in Frankfurt: Reinigungskräfte zwischen Zeitdruck und Rückenschmerzen

Ihre Arbeit fällt nur auf, wenn sie nicht gemacht wird, sie selbst bleiben oft unsichtbar: Reinigungskräfte. In Frankfurt wollen sich Frauen damit nicht abfinden und haben eine Ausstellung über ihren Arbeitsalltag gestaltet.

Collage: Im Hintergrund ein Foto einer Hand, das an einer Wand hängt; davor ein Papierausriss mit dem Text "Unsere Füße tragen eure Sauberkeit"; davor ausgeschnitten eine junge Frau, die in die Kamera lächelt.


Roxana Marica hat an der Ausstellung über die Arbeit von Reinigungskräften mitgearbeitet.
Bild © Alicia Lindhoff/hr, Collage: hessenschau.de


Für viele Menschen ist es selbstverständlich: Man kommt morgens an seinen Arbeitsplatz, in die Schule oder in die Kita – und es ist: sauber. Die Böden sind gewischt, die Toiletten geputzt, die Mülleimer geleert.

Doch die Menschen, die diese Arbeit leisten, sieht man nur selten. Dabei sind es deutschlandweit Millionen, die als Reinigungskräfte arbeiten. In den Betrieben des Gebäudereiniger-Handwerks sind offiziell rund 700.000 Menschen beschäftigt und nach Schätzungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) haben mehr als vier Millionen Privathaushalte eine Putzhilfe.

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02:43 Min.
|Alicia Lindhoff

Bild © hessenschau.de|
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Als Reinigungskraft hat sie sich oft unsichtbar gefühlt, sagt Roxana Marica. Das wollen sie und ihre Mitstreiterinnen ändern – mit ihrer Ausstellung „Die Würde der Reinigungsarbeit“, die für einen Monat in der Dondorfschen Druckerei in Frankfurt-Bockenheim zu sehen ist und die am Dienstag mit einer Podiumsdiskussion eröffnet wurde.

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Eine junge Frau schaut in die Kamera

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Umgeben von Wischtüchern und Putzutensilien sind Fotos zu sehen, die die Frauen während der Arbeit gemacht haben. Es sind Bilder von dreckigen Toiletten, schwieligen Händen, aber auch von ordentlich zusammengeschobenen Kinderhausschuhen. Die Erzählungen aus ihrem Leben und Berichte vom harten Arbeitsalltag ergänzen die Ausstellung.

Es sind kleine Dinge, die sich Roxana Marica von den Menschen wünscht, für die sie jahrelang Hotelzimmer und Schultoiletten gereinigt hat. Hier und da ein Hallo, ein Dankeschön. Und etwas mehr Rücksicht. „Manche lassen überall Krümel oder Müll liegen, weil sie denken, ach ist doch egal. Die Putzfrau kommt und macht das.“

Ihre Kinder sieht sie nur kurz am Nachmittag

Mangelnder Respekt sei das eine, die Arbeitsbedingungen in der Reinigungsbranche das andere, sagt Roxana Marica. Die 36-Jährige hat selbst sechs Jahre lang abends oder nachts gearbeitet.

Ausstellungansicht: eine Collage, lesbar die Worte "Unsere Füße tragen Eure Sauberkeit"


In dieser Collage hat eine der Frauen ihre Arbeit als Reinigungskraft reflektiert.
Bild © Alicia Lindhoff/hr


Ihre kleinen Kinder sieht sie in dieser Zeit nur kurz am Nachmittag, dann muss sie los. Wenn sie wieder nach Hause kommt, schmerzt der ganze Körper. Das Geld ist trotzdem immer knapp. In der Branche herrsche permanenter Kosten- und Zeitdruck.

Doch eine andere Wahl hat sie lange nicht, sagt sie: „Reinigung ist eine Rettung für viele Frauen mit Migrationshintergrund. Es ist die einzige Chance, den Lebensunterhalt zu verdienen.“

eine schwarz gekleidete Frau vor Bildern an der Wand, daneben Putzlappen


Roxana Marica hat selbst sechs Jahre als Putzfrau gearbeitet.
Bild © Alicia Lindhoff/hr


Maricas Geschichte steht exemplarisch für viele Beschäftigte in der Branche. Laut Statistischem Bundesamt haben 6 von 10 Beschäftigten in der Reinigungsbranche eine Einwanderungsgeschichte, im Bereich der privaten Beschäftigung dürfte die Zahl deutlich höher liegen.

„Ich finde das nicht fair“

Initiiert hat die Ausstellung Andreea Racleş. Die Soziologin arbeitet für die Beratungsstelle Bachtale Romnja und hat selbst erlebt, wie ihre Mutter sich jahrelang als Reinigungskraft aufgerieben hat.

Frau in einer bunt gemusterten bluse


Andreea Racleş hat die Ausstellung initiiert.
Bild © Alicia Lindhoff/hr


Sie sagt: „Es gibt so viele Frauen, migrierte Frauen, die diese Arbeit machen, und die unsichtbar sind, nicht wertgeschätzt, die diskriminiert werden. Ich finde das nicht fair.“

Racleş, die aus Rumänien stammt, schlägt als Gedankenexperiment einen Rollentausch vor: „Wir machen eine Excel-Tabelle, und einmal im Jahr reinigt einer von uns den Hauptbahnhof, oder die Schule oder die Kita.“

Dass das vielen absurd erscheinen dürfte, ist genau ihr Punkt: Viele könnten sich diese Art der Arbeit für sich selbst gar nicht vorstellen.

„Wir verdienen Respekt und Anerkennung“

Roxana Marica, die selbst jahrelang in Hotels und Schulen geputzt hat, geht etwas weniger grundsätzlich an die Sache heran. Sie wünscht sich ein Ende der Ausbeutung in der Reinigungsbranche, bessere Löhne, Krankengeld – und dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird: „Wir sind auch Menschen und wir verdienen Respekt und Anerkennung. Das wäre schön.“

Ihr großer Traum ist eine eigene Reinigungsfirma. Sie will es besser machen und dazu beitragen, dass auch diejenigen, die unsere Städte sauber halten, in Würde leben und arbeiten können.

Weitere Informationen

„Die Würde der Reinigungsarbeit“

Die Ausstellung ist noch bis 31. Oktober in den Räumen der Initiative 2og:dondorf, Gabriel-Riesser-Weg 3, Frankfurt, zu sehen.
Öffnungszeiten:
Sonntag-Dienstag 8-21 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 8-23 Uhr, Freitag und Samstag 8-24 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Ende der weiteren Informationen

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/ausstellung-in-frankfurt-reinigungskraefte-zwischen-zeitdruck-und-rueckenschmerzen-v1,putzfrauen-reinigungskraefte-ausstellung-100.html

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