Nach der Demütigung in Leipzig wächst auch wieder die Kritik an der Kader-Zusammenstellung von Markus Krösche. Die Zukunft des Eintracht-Sportvorstands scheint ungewisser denn je.

Frankfurter Führungsduo – nur wie lange noch? Markus Krösche (links) und Axel Hellmann.
Bild © IMAGO
Im September konnte Eintracht Frankfurt als Oase der Ruhe durchgehen. Zumindest im Vergleich zum August. Und zum Oktober. Keine Transfers, keine sportliche Krise, kein Bosse-Beben, kein Zwist zwischen Sportchef, Oberchef und Mannschaftschef (Trainer), angeblich nicht mal ein geschlossener Burgfrieden. Sondern, so der von den Protagonisten nach außen getragene Tenor: Friede, Freude, Eierkuchen.
Nun, da die Eintracht in Leipzig unter die Räder geraten ist, da die Mitgliederversammlung (19. Oktober) und vor allem die nächste Transferphase (1. Januar bis 1. Februar 2027) nahen, mehren sich jedoch wieder die Berichte, die sich mit der Frankfurter Führungsebene beschäftigen. Die verknappte Zusammenfassung: Derart rosig, wie die Stimmung von den Eintracht-Machern öffentlich geschildert wird, ist sie nicht. Einestags berichtet die Bild über geheime Bosse-Pläne, anderntags macht die Frankfurter Rundschau Krösche zum Chef „auf Abruf“. Und auch nach Informationen des hr-sport ist die Zukunft von Krösche mehr als ungewiss.
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02:13 Min.||Simon Schäfer
Kritik an Krösche keimt wieder auf
Bereits am Tag nach dem Deadline Day kommentierte der hr-sport, dass Krösche die Transferphase in den Sand gesetzt habe. Andere Medien sahen es anders, stellten dem Sportvorstand ein gutes Zeugnis aus, vor allem als Verkäufer. Dies mag stimmen, den von ihm vom Aufsichtsrat geforderten Transferüberschuss hat der 46-Jährige tatsächlich generiert. Immer mehr zeigt sich aber, dass die Kader-Zusammenstellung – wohlwollend ausgedrückt – suboptimal ist.
Die Problemzonen sind bekannt: Die Außenverteidiger sind nicht stabil, die Innenverteidiger noch viel weniger. Nathaniel Brown wurde nicht im Ansatz ersetzt, ebenso wenig Rasmus Kristensen. Robin Koch spielt hinten weiterhin wie Robin Koch, wirkliche Alternativen für den Kapitän aber gibt es nicht. Und selbst das defensive Mittelfeld, in dem die Eintracht für Raphael Onyedika und Noel Aseko mehr als 20 Millionen Euro hinblätterte, ist bisher nicht konstant.
Auch Ersatzverteidiger Otavio kostete fast fünf Millionen. Krösche trägt sicher nicht allein die Schuld für den mehr als wackligen Saisonstart, seinen Anteil aber hat er sehr wohl. Mindestens bemerkenswert zudem: Nach der Demütigung von Leipzig war er derjenige, der die Leistung zwar tadelte, sich im Vergleich zu anderen aber doch weniger kritisch äußerte.
Krösches Vertrag läuft bis 2028
Längst kursieren hinter vorgehaltener Hand auch deshalb diverse Zukunftsszenarien, deren Wahrscheinlichkeiten unterschiedlich sind. Dass der Manager seinen Vertrag, der bis Sommer 2028 läuft, komplett erfüllt, hat dabei nicht den höchsten Wert. Schon eher, dass die gemeinsame Zusammenarbeit im kommenden Sommer enden wird.
Hier und da ist sogar zu erhaschen, dass schon vor diesem Winter Schluss sein könnte. Gegen letztere Variante spricht das Datum an sich. Also, dass es nicht mehr allzu lang hin ist bis Januar, der aus Eintracht-Sicht mit Blick auf die Kader-Lücken in diversen Transfers münden sollte. Ein neuer Sportchef bräuchte da schon eine Einarbeitungszeit und ist womöglich während einer Saison gar nicht so leicht zu bekommen. Doch dazu später mehr.
Beck mit zentraler Rolle
Dass Axel Hellmann, der Vorstandssprecher und gemeinhin als Mister Eintracht bezeichnete 55-Jährige, inmitten möglicher Personalrochaden zum (noch mächtigeren) Vorstandsvorsitzenden aufsteigen könnte, ist nur eine weitere Zutat für das derzeit vor sich hin köchelnde Eintracht-Süppchen. Eine zentrale Rolle spielt ganz sicher Mathias Beck, der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender in Personalunion ist, und seine Position im Verein mit einem hochprozentigen Wahl-Ergebnis bei der Mitgliederversammlung (kein Gegenkandidat fürs Präsidentschaftsamt) nochmals stärken will. Viel spricht dafür, eigentlich alles, dass ihm das gelingen wird.
An Beck liegt es zwecks seiner Position als Aufsichtsratsvorsitzender, den für den Sport verantwortlichen Vorstandsposten zu organisieren. Kürzlich sagte er dem Wiesbadener Kurier zur Zusammenarbeit mit Krösche: „Gehen Sie davon aus, dass wir in einem ständigen und guten Austausch sind. Ich habe aktuell auch keinen Grund, die Vertragsgrundlage anzuzweifeln.“
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Nachfolge-Kandidaten werden längst gehandelt
Dass vergangenes Jahr mit Pirmin Schwegler schon einmal ein potenzieller Krösche-Nachfolger im Klub aufgebaut werden sollte, auch wenn dies damals nach außen nicht so benannt wurde, passt ins Bild. Und ist nur professionell. Die Eintracht muss sich auf eine Post-Krösche-Ära vorbereiten – wann auch immer diese kommen mag.
Namen möglicher Nachfolgekandidaten gibt es, echte Favoriten sind bisher nicht auszumachen, sehr wohl aber Abstufungen. Während der vom Boulevard genannte Hasan Salihamidzic (einst FC Bayern, derzeit vereinslos) keine ernsthafte Option ist, können andere Kandidaten schon als deutlich realistischer eingeordnet werden.
Bewegung in nächsten Wochen zu erwarten
So tauchen Joti Chatzialexiou (Sportvorstand 1. FC Nürnberg) oder Marcel Schäfer (Sport-Geschäftsführer RB Leipzig) auf, zudem auch die gebürtigen Hessen Benjamin Weber (Sportdirektor FC Augsburg, früher unter anderem Analyst unter Thomas Tuchel) und Marco Neppe (Sportdirektor Paris FC, einst Technischer Direktor Bayern München). Alle gemein haben sie, dass sie aktuell recht erfolgreich bei ihren Klubs arbeiten und mit langfristigen Arbeitspapieren ausgestattet sind.
Bevor tatsächlich über Nachfolger befunden werden kann, muss freilich erst einmal mittel- und langfristig die Zukunft von Markus Krösche geklärt werden. Täuscht der Eindruck nicht, den der hr-sport aus verschiedenen Bereichen des Vereins vernimmt, könnten die nächsten Wochen darüber mehr Aufschluss bringen.
Sendung:
hessenschau.de, Ungewisse Zukunft von Markus Krösche,
Quelle: hessenschau.de
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/eintracht-frankfurt-zukunft-von-kroesche-scheint-ungewisser-denn-je-v1,eintracht-kroesche-142.html


