Das größte Problem der vergangenen Saison ist auch in der aktuellen Spielzeit wieder akut: Eintracht Frankfurt schluckt zu viele Gegentore. Große Hoffnungen ruhen auf Neuzugang Lilian Brassier.
Lilian Brassier geht bei der Eintracht voran.
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00:50 Min.|Martina Knief
Es gibt über Frankfurts Neuzugang Lilian Brassier die Anekdote, dass ein ehemaliger Jugendtrainer ein Löwen-Poster über seinem Bett anbringen ließ. Brassier, damals noch Teenager und in Diensten von Stade Rennes, sollte den Löwen jeden Tag anschauen – und sich so etwas von ihm abschauen.
Grund dafür: Der französische Verteidiger war zwar schon immer talentiert, er galt aber als viel zu nett. Laut L’Équipe fehlten ihm Härte, Biss und Kaltschnäuzigkeit. Ein bisschen mehr Löwe würde ihm guttun.
Ob es nun wirklich das Tierbild war, das Brassiers Entwicklung vom begabten Nachwuchskicker zu einem jungen Mann mit Potenzial für Frankreichs Jugendnationalmannschaften beschleunigte, lässt sich im Nachhinein nur schwer sagen. Sehr wahrscheinlich hätte es der heute 26-Jährige auch ohne die Kraft des Königs der Tiere geschafft. Diese kleine Geschichte zeigt aber, dass Brassier kein Quertreiber oder Stinkstiefel ist. Der Charakter passt.
Brassier kann auch unnett
Ein Bild, das sich bei Vorstellungs-Pressekonferenz am Mittwoch bestätigte. Brassier entschuldigte sich zunächst für seine rund halbstündige und nicht selbst verschuldete Verspätung. Die Trainingseinheit zuvor hatte schlicht länger gedauert, die Videoanalyse der Fehler vom vergangenen Sonntag sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Im Anschluss referierte er offen und ehrlich über seine Ambitionen und Ziele. Nicht laut, nicht sprücheklopfend, aber eben doch bestimmt.
„Ich bin ein Kämpfer, ich liebe es in Zweikämpfe zu gehen“, umriss Brassier seine Spielweise auf dem Platz. Frankfurts Trainer Adi Hütter, dem die Besetzung seiner Abwehr lange ein Dorn im Auge war, hatte sich vehement für eine Verpflichtung des Innenverteidigers ausgesprochen. Der Österreicher kennt Brassier aus seinen Zeiten bei der AS Monaco, der Linksfuß wird als tragende Säule dringend benötigt. An der Seite von Robin Koch soll er die sehr wacklige und anfällige Defensive stabilisieren.
Die Abwehr ist schon wieder das Sorgenkind
Bei seiner Premiere gegen den FC Augsburg, so ehrlich muss man sein, klappte das vor allem in der zweiten Hälfte überhaupt nicht. Die Eintracht verfiel in der Abwehr in alte Muster und lud den Gegner zum Toreschießen ein, nach dem zweiten Gegentreffer fiel das komplette Team in sich zusammen. Die Diskussionen um die Besetzung der Defensive, die die Abgänge von Nathaniel Brown, Arthur Theate, Rasmus Kristensen und Aurèle Amenda verkraften muss, wurden neu angeheizt. Das Fundament der Eintracht hat schon wieder Risse.
Nach nur zwei Spieltagen mit insgesamt sieben Gegentreffern steht deshalb schon eine Systemumstellung von Vierer- auf Dreierkette im Raum. Kapitän Koch, der seine Unsicherheit der vergangenen mit in die neue Saison genommen hat, könnte dann in zentraler Position verteidigen und dirigieren. Brassier auf der einen, Jeremiah Maluze auf der anderen Seite die Drecksarbeit machen. Irgendwie müssen Stabilität und Kompaktheit her, zur Not auch auf Kosten einer Offensivkraft.
Hütter denkt über Systemwechsel nach
Angesprochen auf die mögliche Abkehr von der Viererkette betonte Brassier zwar, dass die Leistung nicht vom System abhänge. „Es ist eine Frage der Mentalität.“ Angesichts der großen Lücken könnten drei Innenverteidiger aber wohl eine gute Soforthilfe sein. Der überforderte Elias Baum könnte zudem auf der rechten Seite durch einen offensiveren Schienenspieler ersetzt werden, Keita Kosugi könnte mit einem zusätzlichen Verteidiger in seinem Rücken etwas stabiler werden. Es sind kleine Schritte, aber es wären Schritte.
Dass dann vor allem kämpferisch eine deutliche Leistungssteigerung hermuss, versteht sich aber auch von selbst. Die Eintracht, die gegen Union und Augsburg zweimal körperlich einbrach, muss gleichzeitig mit den Kräften haushalten und wieder deutlich mehr Aggressivität ausstrahlen. „Man muss in den direkten Duellen auch mal gemein sein“, so Brassier. Dem Gegner weh tun, voll dagegenhalten, nicht zurückziehen. Die guten, alten Basics müssen zurück. Allesamt Dinge, die Brassier beherrscht und mitbringt. Was jetzt noch fehlt, ist die Umsetzung auf dem Platz.
In Mainz muss eine Steigerung her
„Wir wissen, dass wir in verschiedenen Bereichen noch Nachholbedarf haben. Das Spiel gegen Augsburg gibt mir aber nur noch mehr Motivation“, unterstrich Brassier vor dem nächsten Duell am Samstag (15.30 Uhr) beim 1. FSV Mainz 05. Seine Botschaft in Richtung des Rhein-Main-Nachbarn: „Ich habe keine Angst.“
Ein bisschen Löwe scheint also doch abgefärbt zu haben. Jetzt gilt es, am Samstag zum Jäger, und nicht wieder zur Beute zu werden.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/der-nette-kaempfer-soll-die-eintracht-stabilisieren-v1,brassier-soll-abwehr-stabilisieren-100.html




