Die Frauen von Eintracht Frankfurt scheitern mal wieder in der Champions-League-Qualifikation. Diesmal war es knapp, der Kampfgeist groß – für den deutschen Frauenfußball bedeutet das aber nichts Gutes.
Es war ein bitterer Abend für die Eintracht in Paris.
Bild © picture alliance / SIPA | CHRISTOPHE SAIDI
Es war eigenartig, aber es schien, als wollten sie den Ort der Niederlage überhaupt nicht mehr verlassen. Laura Freigang lehnte an der Bande und starrte ins Leere. Niko Arnautis stapfte über den Rasen und murmelte gedankenversunken vor sich hin. Es wirkte fast so, als würden sie hoffen, dass irgendwann die Schiedsrichterin nochmal aus der Kabine kommt und sagt: „Hey, ihr habt es verdient. Lasst nochmal neu anfangen.“ Doch sie kam nicht.
„Waren das bessere Team“
Stattdessen sickerte so langsam die Erkenntnis durch: Es hat wieder nicht gereicht. Die Champions League findet auch in diesem Jahr ohne die Frauen von Eintracht Frankfurt statt. Zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren.
„Heute ist es besonders schmerzvoll“, gestand Freigang nach der bitteren Niederlage bei Paris Saint-Germain dem hr-sport. Die Kapitänin muss es wissen, sie hat jeden der vier Knockouts in der Qualifikation selbst miterlebt. Mal war es Unvermögen, mal der Gegner unerreichbar – und diesmal? „Wenn du beide Spiele nimmst, waren wir sogar einen Ticken das bessere Team“, konstatierte Arnautis. Der Trainer hatte recht. Das 1:5 nach Verlängerung spiegelt nicht im Ansatz die Kräfteverhältnisse auf dem Platz wider. Ganz im Gegenteil.
Ein Spiel zum Ärgern und Traurig sein
In der Vergangenheit mussten sich die Frankfurterinnen oft den Vorwurf gefallen lassen, in den großen Spielen nicht komplett da zu sein, nicht den Punch zu haben, den es auf diesem Niveau eben braucht. Am Mittwochabend in Paris war das anders, da kämpfte das Team gegen alle Widerstände, da entwickelte sich etwas, obwohl die Voraussetzungen nach unglücklichem Rückstand (36.) und Platzverweis gegen Hayley Raso (66.) denkbar schlecht waren.
„Wir hatten trotzdem das Gefühl, dass wir das schaffen können“, sagte Rebecka Blomqvist, die in Unterzahl den Ausgleich erzielte. Doch in der Verlängerung schwanden dann die Kräfte. „Heute ist es okay, wenn man traurig ist und sich ärgert“, so die Schwedin. „Ich hätte mit dieser Mannschaft so gerne Champions League gespielt.“

Niko Arnautis
Bild © hr
Für die Champions League muss alles passen
Für die Eintracht geht es nun, wie im Vorjahr, im klassentieferen Europa Cup weiter. Der Sieg dort ist sicher ein lohnendes Ziel, aber natürlich nicht das, was man sich vorgestellt hat. Der Anspruch heißt Champions League.
Doch die Königsklasse, so ehrlich muss man sein, ist für den Klub aktuell nur zu erreichen, wenn alles passt und vieles zusammenkommt. Der Frauenfußball hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt und Deutschland den Anschluss verloren. Das spürt ein Klub wie die Eintracht. In anderen Ligen werden mittlerweile gewaltige Summen bezahlt, an Ablösen, Gehältern und für Berater – davon können Vereine in Deutschland nur träumen. Der Kaderwert von PSG dürfte in etwa doppelt so hoch sein wie der der Eintracht. In Summe ist es also kein Zufall, dass die Hessinnen nun zum vierten Mal die Champions League verpassen.

Laura Freigang
Bild © hr
Ein Problem der Bundesliga
Am Mittwochabend scheiterte zudem auch der VfL Wolfsburg an der Qualfikations-Hürde. Nur die Bayern werden den deutschen Fußball in der Königsklasse repräsentieren. Die Nachlässigkeiten in den vergangenen Jahren, allen voran in der mangelhaften Vermarktung der Bundesliga durch den Deutschen Fußball-Bund, machen sich nun umso mehr bemerkbar.
In Frankfurt zumindest versucht Sportdirektorin Babett Peter aus dem bitteren Aus das Positive zu ziehen, denn es stimmt ja, wenn sie sagt: „Wir waren ganz nah dran. Das sollte uns mehr Mut machen als zurückschlagen. Wir können mithalten.“ Der Schmerz von Paris wird trotzdem noch etwas länger bleiben.

Bild © hessenschau.de
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt-frauen/eintracht-frankfurt-frauen-scheitern-in-paris-so-schmerzvoll-wie-noch-nie-v1,sge-nach-cl-aus-100.html



