Politik

Fulda entscheidet: Johannes-Dyba-Allee behält ihren Namen

Fulda entscheidet: Johannes-Dyba-Allee behält ihren Namen

Seit rund einem Jahr wird in Fulda darüber gestritten, ob der frühere Bischof Johannes Dyba noch als Namenspatron einer Allee taugt. Im Zentrum stehen Vorwürfe zu seinem Umgang mit Missbrauchsfällen. Nun ist die politische Entscheidung gefallen.


Die Johannes-Dyba-Allee in Fulda behält ihren Namen. Eine Mehrheit der Stadtverordneten lehnte die Umbenennung in Kastanienallee ab.
Bild © osthessen-news.de


Die Johannes-Dyba-Allee in Fulda behält ihren Namen. Nach einer rund einjährigen Debatte hat die Stadtverordnetenversammlung eine Umbenennung der Straße am Montagabend mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. 33 Stadtverordnete stimmten dagegen, 23 dafür.

Die SPD hatte vorgeschlagen, die Straße wieder in Kastanienallee umzubenennen – so, wie sie bis zum Jahr 2000 hieß. Hintergrund sind Vorwürfe gegen den früheren Fuldaer Bischof Johannes Dyba: Ihm wird vorgeworfen, während seiner Amtszeit Hinweisen auf sexuellen Missbrauch durch Priester nicht ausreichend nachgegangen zu sein.

Audiobeitrag
Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Für die Umbenennung stimmten die Grünen (7 Stimmen), SPD (5), FDP/FW/FGG (3), Volt (3), Linke (3), Die Partei (1) sowie ein Stadtverordneter der AfD. Dagegen votierten die CDU (22), zehn AfD-Abgeordnete und Bündnis C (1). Enthaltungen gab es keine.

Zuvor war auch ein Antrag der AfD gescheitert, die Entscheidung über den Straßennamen den Bürgerinnen und Bürgern in einem Bürgerentscheid zu überlassen. Auch dafür fand sich keine Mehrheit.

Vorwürfe gegen Dyba: Hinweise auf Missbrauch ignoriert

Dass die Umbenennung keine Mehrheit finden könnte, hatte sich bereits eine Woche zuvor abgezeichnet. Im Haupt- und Finanzausschuss hatte es bei der Abstimmung ein Patt gegeben. Die CDU stimmte gegen die Umbenennung, die AfD enthielt sich und forderte stattdessen einen Bürgerentscheid.

Dyba wird vorgeworfen, Hinweisen auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch durch Priester während seiner Amtszeit nicht nachgegangen zu sein. Dyba, der das Bistum seit 1983 leitete, starb im Juli 2000.

Der Fraktionsvorsitzende Jonathan Wulff (SPD) hatte den Antrag damit begründet, dass Dyba sich nicht als Namenspatron eigne: „Bischof Dyba eignet sich nicht als Namenspatron, weil Straßennamen Menschen ehren sollten, deren Wirken in unserer Gesellschaft unstrittig positiv erinnert werden kann. Das ist hier definitiv nicht der Fall.“

Im Sommer 2025 präsentierte eine unabhängige Kommission in Fulda ihren Abschlussbericht zum Ausmaß von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch im Bistum. Demnach habe es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 230 Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum gegeben. Die Kommission geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Auch während Dybas Amtszeit gab es Missbrauchsfälle

Grüne: „Kein Aushängeschild für Fulda“

Unterstützung erhielt der Antrag von den Grünen. Fraktionschef Ernst Sporer erklärte im vergangenen Jahr, dass Dyba zur Vertuschung von sexuellem Missbrauch beigetragen habe. Er kritisierte Dyba auch wegen dessen Haltung zu Homosexualität und Schwangerschaftsabbrüchen: „Schon zu Lebzeiten hat er stark polarisiert mit seiner Einstellung zu Homosexualität und Schwangerschaftsabbrüchen, die er nicht akzeptiert hat. Dyba war kein Aushängeschild für Fulda.“

Audiobeitrag


Audio

00:40 Min.
||Thomas Kurella

Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Dyba, der auch Militärbischof war, polarisierte immer wieder mit provokanten Aussagen. Er wetterte gegen Homosexuelle. Abtreibung nannte er „Kinderholocaust“. Bei konservativen Katholiken genoss Dyba zugleich große Anerkennung.

Bischof Gerber: Geschichte nicht schönfärben und nicht umschreiben

Das Bistum Fulda hatte bereits vor der Abstimmung angekündigt, den Prozess der Meinungsbildung konstruktiv zu begleiten. Der amtierende Fuldaer Bischof Michael Gerber hatte Ende Mai unterstrichen, dass sich das Bistum seiner Verantwortung stelle und einen offenen und differenzierten Umgang mit der eigenen Geschichte als wesentlichen Auftrag verstehe.

Gerber sagte laut Mitteilung: „Wir wollen unsere Geschichte nicht schönfärben, wir wollen sie auch nicht umschreiben, denn Bischof Dyba ist und bleibt Teil der Kirchen- und der Stadtgeschichte.“

Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/fulda-entscheidet-johannes-dyba-allee-behaelt-ihren-namen-v1,dyba-allee-fulda-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert