Karneval

Fulda: „Schmerzpunkt“ erinnert an Opfer sexueller Gewalt in katholischer Kirche

Fulda: „Schmerzpunkt“ erinnert an Opfer sexueller Gewalt in katholischer Kirche

Im Bistum Fulda sind mehr als 200 Missbrauchsfälle bekannt. Eine neue Kunstinstallation soll das Leiden der Betroffenen sichtbar machen.

Ein roter Punkt mit ausgespartem Kreuz wurde auf einer Mauer angebracht.


Die Kunstintervention „Schmerzpunkt“ erinnert an Menschen, die sexualisierte Gewalt und Missbrauch von katholischen Geistlichen erfahren haben.
Bild © Bistum Fulda / Burkhard Beintken


Ein großer roter Punkt prangt auf einer Glasscheibe, ausgespart sind die Umrisse eines Kreuzes an einer Kette: Der „Schmerzpunkt“ ist seit Mittwoch an der Fuldaer Michaelskirche zu sehen. Die Kunstinstallation wurde am Abend an einer Außenmauer des Bischofshauses angebracht. Sie soll auf sexualisierte Gewalt und den Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche aufmerksam machen.

Künstlerin Susanne Wagner will damit zugleich Raum für individuelle Erfahrung schaffen und die Kirche als Institution in die Verantwortung nehmen. „Dort, wo zuvor ein Umhängekreuz angebracht war, bleibt eine Leerstelle zurück. Auf diese Weise wird sichtbar, was oft unsichtbar bleibt oder unsichtbar gemacht wird“, schreibt sie über ihr Werk.

Audiobeitrag


Audio

00:39 Min.
|Daniel Käthner

Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Die Installation entstand 2025. Wagners Idee war es schon damals, sie an mehreren Orten sichtbar zu machen. So wurde sie zum Deutschen Katholikentag 2026 in Würzburg an 15 Kirchen und kirchlichen Einrichtungen angebracht. Inzwischen ist sie an vielen Orten in Deutschland zu sehen. Der „Schmerzpunkt“ kennzeichne aber keine konkreten Tatorte, betont Wagner.

Bericht listet über 200 Missbrauchsfälle auf

In Fulda steht der „Schmerzpunkt“ dennoch direkt im Zusammenhang mit der weiteren Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, wie das Bistum mitteilte. Im Juni 2025 hatte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda ihren Abschlussbericht vorgelegt. Darin sind mehr als 230 strafbare Handlungen, 120 Betroffene und 37 mutmaßliche Täter aufgeführt.

Die Kommission geht von einer hohen Dunkelziffer aus und stellte ein massives Versagen des Bistums im Umgang mit den Missbrauchsfällen fest. Im Abschlussbericht spricht sie von Gleichgültigkeit gegenüber Betroffenen, Vertuschung, Machtmissbrauch und Personalverantwortlichen, die Beschuldigte noch bis zur Jahrtausendwende mit Nachsicht behandelt hätten.

Bischof Gerber: Auch systemische Ursachen ergründen

Die Aufarbeitung sei nicht abgeschlossen, betonte das Bistum am Mittwoch. „Als Kirche bleiben wir herausgefordert, sowohl die einzelnen Betroffenen und ihre Leidenswege ernst zu nehmen als auch systemische Ursachen zu ergründen und entsprechend zu reagieren“, sagte Bischof Michael Gerber.

Wagners Kunstinstallation sei „ein sichtbares Element innerhalb der längerfristigen Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt, ihrer Aufarbeitung und der Erinnerung an das Leid Betroffener“, teilte das Bistum mit. Parallel soll demnach auch am Fuldaer Dom ein Erinnerungsprojekt umgesetzt werden. Wie dieses aussehen soll, ist noch nicht entschieden.

Betroffener: Handlungen entscheidender als Symbolik

Stephan Auth, der als Messdiener sexuelle Gewalt durch einen Pfarrer erlebte und sich im Betroffenenbeirat der Bistümer Fulda und Limburg engagiert, hält das Anbringen des Kunstwerks allein nicht für entscheidend. „Der Wert dieses Schmerzpunktes entscheidet sich nicht daran, dass er heute angebracht wird, sondern daran, was heute und morgen geschieht“, betonte er.

Auf die richtige Haltung komme es an. „Und die zeigt sich nicht im Akt des Anbringens eines Schmerzpunktes, sondern in den vielen kleinen Entscheidungen, Begegnungen und Gesprächen, in denen Betroffene als Menschen und als Gegenüber ernst genommen werden.“

Videobeitrag


Video

06:53 Min.
||hessenschau


Missbrauch – Der Tag der mein Leben veränderte

Stephan Auth (Betroffener und Mitglied der unabhängigen Prüfungskommission)

Bild © hr


Ende des Videobeitrags

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/fulda-schmerzpunkt-erinnert-an-opfer-sexueller-gewalt-in-katholischer-kirche-v1,fulda-schmerzpunkt-104.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert