Das Gruppenfoto zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse: Elf Männer, eine Frau und darüber das Motto: „This changes everything“. Kann das eine Branche ernst meinen, die sich für progressiv hält? Und Parteien, die sich selbst als Volksparteien verstehen? Ein Kommentar.

Gruppenfoto von der Eröffnung der Buchmesse mit einer Frau und elf Männern, darunter in der ersten Reihe (v.r.n.l.): Oberbürgermeister Mike Josef, Hessens Kunstminister Timon Gremmels, Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, Tschechiens Kulturminister Oto Klempíř und der scheidende Buchmesse-Chef Juergen Boos. Die einzige Frau im Bild ist die tschechische Projektleiterin Jana Hájková
Bild © Frankfurter Buchmesse, Gian-Luca Heiser
Lieber Herr Josef, Oberbürgermeister meiner Heimatstadt; lieber Herr Gremmels, Kunst- und Kulturminister des Bundeslandes, in dem ich lebe; lieber Herr Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien; lieber Herr Boos, scheidender Direktor der Buchmesse (der neue Direktor Joachim Kaufmann steht schon in den Startlöchern); lieber Herr Guggolz, neuer Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels…
Audio
02:33 Min. |Grete Götze
So könnte es noch mehrere Zeilen mit den Herren weitergehen, wenn man auf das Gruppenfoto zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse schaut. Sage und schreibe elf Männer und eine Frau stehen unter dem Messe-Motto „This changes everything“.
Kann das eine Branche ernst meinen, die sich selbst für progressiv hält? Können Parteien das ernst meinen, die unsere Gesellschaft repräsentieren sollen, wobei in Deutschland bekanntlich mehr Frauen als Männer leben?
Das Foto sah auch schon mal anders aus, als etwa Angela Dorn hessische Kunstministerin war, Claudia Roth Kulturstaatsministerin und Karin Schmidt-Friderichs Vorsteherin des Börsenvereins. Wo sind die Frauen hin?
Keine Oberbürgermeisterin, keine Ministerin
Vorbei die Zeiten, in denen Petra Roth sich als Frankfurts Oberbürgermeisterin mit ihrer bürgerlich-überparteiischen Art einer Bremer Kaufmanns-Tocher souverän zwischen all den Männern in der ersten Reihe positionierte.
Vorbei die Zeiten, wo Monika Grütters als Kulturstaatsministerin, obwohl konservativ, ein viel besseres Verhältnis zum Kulturbetrieb hatte, als Herr Weimer, der sich erst mit der Verlagsbranche angelegt hat und sich jetzt in die Berliner Kulturförderung einmischt, statt die Freiheit der Kunst ernst zu nehmen und Vertrauen in den Kulturbetrieb und seine Institutionen zu haben.

Eröffnung der Frankfurter Buchmesse im Corona-Jahr 2020, unter anderem mit Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins (links), und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (3. von links)
Bild © picture alliance/dpa/dpa/POOL | Arne Dedert
Vorbei die Zeiten, wo die allumarmende Grüne Claudia Roth als Staatsministerin für Kultur und Medien selbstverständlich bei der Eröffnung des Berliner Theatertreffens war und eine Rede hielt, während sich Weimer dieses Jahr einfach entschuldigen ließ.
Und auch vorbei die Zeiten, wo Angela Merkel als Bundeskanzlerin die Männer hat reden lassen, weil sie sowieso schlauer war.
Geschlecht und Herkunft sollten keine Rolle spielen
Nicht falsch verstehen. Börsenvorsteher Sebastian Guggolz zum Beispiel ist kritisch und macht einen tollen Job. Aber es braucht eine bessere Planung von Institutionen und Parteien, die Volksparteien sein wollen, damit solche Bilder gar nicht erst entstehen können, weil einfach schon vorher darauf geachtet wird, dass wichtige Posten heterogener und der tatsächlichen Gesellschaft entsprechend besetzt werden.
Also, liebe Bros und Dudes: Auf dass wieder bessere Zeiten kommen und ich meiner Tochter glaubhaft versichern kann, dass Geschlecht und Herkunft keine Rolle dabei spielen, in welche Position man später kommt.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/kommentar-zur-eroeffnung-der-buchmesse-bros-und-dudes-wo-sind-die-frauen-v1,buchmesse-eroeffnung-maennerbild-100.html



