Andreas Temme, ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, war der unfreiwillige Star der diesjährigen Documenta, Deutschlands führendem Kunstfestival. Temme wurde vor 11 Jahren in Verbindung mit dem Mord an Halit Yozgat festgenommen. Obwohl er als Verdächtiger ausgeschlossen wurde, bleiben Zweifel an seinem Verhalten während des Verbrechens. Die Behörden lehnten eine umfassende öffentliche Offenlegung ab und hielten sogar Teile eines internen Berichts für 120 Jahre geheim.
Forensic Architecture, ein Team von Experten in räumlicher Analyse, untersuchte Temmes Version des Vorfalls. Sie kamen zu dem Schluss, dass Temme die Schüsse und den Körper von Yozgat bemerkt haben müsste, was seiner Behauptung widerspricht, nichts gesehen zu haben. Eine spätere Analyse des Tathergangs ergab weitere Ungereimtheiten in der Geschichte von Temme.
Die nationalsozialistische Untergrundterrorzelle NSU verübte Anschläge gegen Migranten und führte zu neun Todesfällen. Die deutschen Behörden versäumten es lange Zeit, die rechten Extremisten als Täter zu erkennen. Die Bildung einer Untersuchungskommission im Bundestag zeigte, dass die Geheimdienste die Ermittlungen behindert hatten. Merkel versprach den Opfern und ihren Familien Aufklärung über die Verbrechen, doch viele Fragen bleiben immer noch unbeantwortet. Die genauen Umstände von Temmes Beteiligung am Mord sind immer noch unklar.
Forensic Architecture veröffentlichte eine Untersuchung der Ereignisse im Rahmen der Documenta 14 in Kassel. Die Berichte stießen auf Kritik seitens einiger Politiker, die versuchten, Zweifel an den Ergebnissen zu säen. Die Wiederentdeckung eines Polizeiberichts aus dem Jahr 2008 zeigt jedoch, dass Temmes Aussagen fragwürdig sind und weitere Untersuchungen erforderlich sind. Die Familien der NSU-Opfer und die Öffentlichkeit fordern weiterhin eine umfassende Aufklärung der Todesfälle.


