Das Beratungsnetzwerk Hessen wird tätig, wenn extremistische Vorfälle gemeldet werden. Im vorigen Jahr war das mehr als 300-mal der Fall. Ganz überwiegend ging es dabei um rechtsextreme oder rassistische Übergriffe.

Hakenkreuz-Schmiererei an einer Hauswand in Frankfurt (Archivbild).
Bild © picture alliance / epd-bild | Heike Lyding
Die Beratungszahlen des Beratungsnetzwerks Hessen sind im Jahr 2025 von 332 auf 302 Fälle zurückgegangen. Allerdings wurden noch 62 Fälle aus dem Vorjahr weitergeführt, wie das Netzwerk in seinem am Freitag veröffentlichten Jahresbericht 2025 mitteilte. 2024 habe es eine Rekordzahl an Anfragen gegeben.
Das Netzwerk berät Hilfesuchende – Einzelpersonen, Schulen, Eltern, Familienangehörige, Kommunen und Vereine – in Fällen von Rechtsextremismus, Antisemitismus oder Rassismus. Die Fälle aus dem vergangenen Jahr lassen sich demnach so gruppieren (Mehrfachnennungen möglich):
- Rechtsextremismus (142 Fälle),
- Rassismus (138 Fälle),
- Rechtspopulismus (43 Fälle),
- Antisemitismus (17 Fälle),
- Islam- und Muslimfeindlichkeit (10 Fälle).
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00:38 Min.||Lena Lachnit
Manche Fälle ziehen sich über Jahre hin
Nach Darstellung des Beratungsnetzwerks muss man von einer Stagnation auf hohem Niveau ausgehen – manche Fälle zögen sich zudem über Jahre hin. „Die Beratungsprozesse sind aufgrund der Fallkomplexitäten langwieriger geworden und binden daher auch die Beratungsteams zeitlich stärker bei gleichbleibenden Ressourcen“, meldete das Netzwerk, das zum Demokratiezentrum Hessen an der Philipps-Universität Marburg gehört.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Netzwerks werden anlassbezogen tätig. Sie werden etwa um Unterstützung gebeten,
- wenn sich Vereine zum Umgang mit diskriminierenden Äußerungen einzelner Mitglieder beraten lassen wollen,
- wenn Menschen in der Öffentlichkeit oder im privaten Umfeld rechtsextremistische oder rassistische Vorfälle erleben,
- wenn Eltern sich wegen der Social-Media-Aktivitäten des Kindes Sorgen machen oder
- wenn Kommunalpolitiker oder Verwaltungsmitarbeitende Rat zu Vorfällen in Städten und Gemeinden benötigen.
Fortbildungsworkshops für Lehrkräfte
Besonders häufig wird das Netzwerk nach eigener Darstellung von Schulen um Hilfe gebeten. In diesen Fällen gehe es zum Beispiel um Hakenkreuzschmierereien, um rechte Parolen in Klassenchats oder auf dem Schulhof und um Drohungen sowie antisemitische oder rassistische Beleidigungen gegen Schüler. Auch Fälle von Gewalt kommen demnach an Schulen vor.
Das Beratungsnetzwerk unterstützt außerdem mit Bildungs- und Präventionsarbeit – beispielsweise in Form eines Fortbildungsworkshops für Lehrkräfte nach einem rechtsextremen Vorfall an deren Schule. Als Beispiel führte das Netzwerk einen Kurs für Lehrer und Sozialarbeiter an, um Symbole und Codes der rechtsextremen Szene erkennen und einordnen zu können.
159 rechtsextreme Fälle an Schulen
Wie das Beratungsnetzwerk am Freitag in einer Pressemitteilung darlegte, wurden nach Angaben des Hessischen Kultusministeriums 2025 insgesamt 159 rechtsextreme Vorfälle an hessischen Schulen gemeldet. In 92 Fällen wurde Strafanzeige erstattet.
Das Beratungsnetzwerk Hessen unterstützt seit 2007 Menschen und Institutionen. Die Beratung ist vertraulich und kostenfrei. Das Netzwerk umfasst 54 staatliche, zivilgesellschaftliche und kirchliche Mitglieder sowie 49 mobile Berater. Im Jahr 2025 standen für die Arbeit des Demokratiezentrums und des Beratungsnetzwerks rund 3,4 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung.
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/hessen-schulen-sind-schwerpunkt-bei-gemeldeten-rechtsextremen-vorfaellen-v1,beratung-rechtsextrem-100.html


