Kultur

Mit dem Strom gehen

Mit dem Strom gehen

Eine Auswahl von Toilettenpapierrollen aus dem Klooseum, Wiesbaden-Erbenheim, 2012: Der Sammler Michael Berger hat mehrere Museen in Wiesbaden-Erbenheim gegründet, darunter das Klooseum, ein farbenfrohes Haus, das er manchmal als das „Museum des Modernen Arsches“ bezeichnet. Berger hat als Patron und Sammler Fluxus-Künstler unterstützt und gehört einer Generation von professionellen Eigenbrötlern und politisch zentristischen Exzentrikern an. Er betrachtet Exkremente als Metapher für das Leben und die Existenz und möchte Tabus über die Darmtätigkeit brechen.

Im Klooseum behandelt Berger Künstler und Diktatoren gleich, indem er ihre Exkremente nachbildet und auf Toilettenbürsten Gemälde von Mao, Hitler und Stalin anbringt. Er betrachtet jeden Stuhlgang als eine Meditation, die Platz für etwas Neues schafft. In seinem anderen Museum, dem Harlekinäum, werden Kunstfetischismus und Alltagsbanalität zusammengeführt. Hier finden sich redende Toiletten, ein Plastikzoo und seltsame Kunstwerke, die eine Flucht ins Unterbewusste darstellen. Berger finanzierte seine Kunstpatronage durch den Verkauf von Scherzartikeln und sieht die Verbindung zwischen Unternehmertum und Kunstförderung als selbstverständlich an.

Berger ist ein exzentrischer Sammler, der nicht nur Kunstobjekte und Toilettenbürsten sammelt, sondern auch Särge aus Ghana und Plastiktüten. Er interessiert sich für die Verbindung von Kunst und Alltagsbanalität und betrachtet Kunst als integralen Bestandteil des Lebens. Obwohl er kein Teil der Jubiläumsveranstaltungen von Fluxus war, sieht er sich als historische Figur und überlässt es einer jüngeren Generation, das Erbe von Fluxus zu verstehen. Berger ist ein Analogzeitmensch, der auf direkte, physische und haptische Kommunikation setzt und die Geschichte des Fluxus weiterleben lässt.

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