In Pfungstadt ist Richtfest für ein neues Schwimmbad gefeiert worden. Das 45-Millionen-Euro-Projekt soll Familien, Vereinen und Sportlern wieder ein Bad bieten. Doch die Stadt muss dafür tief in die Tasche greifen – und ihre Haushaltslage ist angespannt.
Dass das dunkelblaue Sakko und die weißen Sportschuhe nicht so recht zum Baustellenambiente und der Maurerkelle in seiner Hand passen wollten, störte Bürgermeister Maximilian Schimmel wenig. „Das ist ein ganz wundervoller Tag“, sagte der CDU-Politiker am Mittwochnachmittag, der sich für ein Foto vor dem Rohbau des neuen Spaßbads in Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) aufgestellt hatte.
Audio
00:39 Min.|Helene Wilke
Anlass für das Statement war das Richtfest samt verspäteter Grundsteinlegung für den 45 Millionen Euro teuren „Bade- und Saunapark“ im Süden der Stadt – ein modernes Bad mit Rutsche, Sauna und großem Außenbereich, das Familien und Sportbegeisterte gleichermaßen anziehen soll.
Für die Pfungstädterinnen und Pfungstädter geht damit in absehbarer Zeit eine lange Geduldsprobe zu Ende, denn seit das alte Hallenbad 2014 geschlossen wurde, steht die Stadt ohne Schwimmbad da.
Die Freude ist groß
Viele Menschen in Pfungstadt teilen deswegen die Freude des Bürgermeisters über das neue Bad. „Dann kann ich endlich wieder morgens schwimmen gehen“, sagte eine Pfungstädterin am Rande der Veranstaltung. Mit dem neuen Bad habe Pfungstadt endlich wieder einen Ort, „wo sich die Menschen aus Pfungstadt und Umgebung treffen können, um Sport zu treiben und Spaß zu haben“, sagte ein Anwohner.

Hell und viel Holz: So soll der Innenbereich des neuen Schwimmbads aussehen.
Bild © Visualisierung/Slangen+Koenis Architekten
Auch Volker Heisel von der DLRG Pfungstadt kann die Neueröffnung kaum erwarten: „Die Schließung damals war ein schwerer Schlag“, erinnert er sich. Bis zu 200 Kinder pro Woche hätten dort Schwimmen gelernt, auch die Vereine hätten dort trainiert. „Das war plötzlich nicht mehr möglich.“ Im neuen Bad könne all das wieder stattfinden.
Generell genießt das neue Bad eine hohe Zustimmung in Pfungstadt. Bei einer repräsentativen Umfrage der Stadtverordnetenversammlung im Jahr 2020 – also sechs Jahre nach der Schließung des alten Bads – sprachen sich rund 80 Prozent der Teilnehmenden dafür aus, dass die Stadt wieder ein Familienbad bekommen soll.
Ex-Bürgermeister Koch: „Sprengt den Rahmen“
Doch nicht überall herrscht nur Freude über den Bau des Schwimmbads, besonders über die Kosten und die Dimensionen des Bads wurde viel gestritten, selbst der Vorwurf der Steuerverschwendung steht im Raum. Einer der größten Kritiker am Neubau in seiner jetzigen Form ist Ex-Bürgermeister Patrick Koch (SPD).
„Pfungstadt braucht ein Bad, wo Menschen schwimmen lernen und Vereine trainieren können“, sagte Koch der hessenschau: „Aber diese Dimension sprengt den Rahmen.“ Er befürchtet, die finanziellen Belastungen auch durch den laufenden Betrieb könnten die Stadt überfordern.
Koch war von 2014 bis 2025 im Amt, er begleitete die Planungen zum neuen Bad also elf Jahre lang – von der Schließung bis zum Baubeginn im vergangenen Jahr.
Vorwurf der Steuerverschwendung
Die Finanzen waren spätestens seit dem Abriss des alten Schwimmbads ein heikles Thema. Noch zwei Jahre vor der Schließung des alten Bades ließ die Stadt 2012 einen Saunabereich anbauen – für 6,1 Millionen Euro. Die Sauna wurde im September 2012 eröffnet, musste aber bereits mit dem Schwimmbad im Januar 2014 wieder schließen. Erst elf Jahre später wurde sie abgerissen. Der Fall schaffte es sogar ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes in Hessen.
Koch kann sich noch gut erinnern: „An meinem ersten Amtstag lag ein Brandschutzgutachten auf meinem Tisch, in dem es hieß, das Bad sei nicht mehr sicher.“ Über die Jahre sei ein Sanierungsstau von 18 Millionen Euro angelaufen. „Deswegen habe ich auch nie verstanden, warum man diese Sauna überhaupt gebaut hat.“ Nach 30 Tagen im Amt fällte Koch die Entscheidung: Das Bad inklusive Sauna muss schließen.
In der Folge habe er in der Debatte um einen Neubau stets für Mäßigung und Zurückhaltung – vor allem bei den Kosten – plädiert. Die Stadtverordneten entschieden sich aber für die große Variante. Rund 45 Millionen Euro soll der Neubau kosten, nach Abzug von Mehrwertsteuererleichterungen und Fördergeldern bleiben aktuell rund 33 Millionen Euro an der Stadt hängen. Zum Vergleich: Das vor einigen Jahren in Dieburg eröffnete reine Sportbad kostete rund 8,5 Millionen Euro.
Bürgermeister Schimmel: „Nie eine Sache, die sich rechnet“
Viel Geld für die 25.000-Einwohner-Stadt Pfungstadt, das weiß auch der amtierende Bürgermeister Schimmel: „Ein Infrastrukturprojekt wie ein Schwimmbad ist nie eine Sache, die sich rechnet.“ Für ihn sei das Bad aber „eine Investition in unsere Bürgerinnen und Bürger und die Zukunft der Stadt“.

Der Rohbau lässt bereits erahnen, wie das Schwimmbad einmal aussehen wird.
Bild © Helene Wilke (hr)
Pfungstadt könne sich diese Investitionen „sehr gut leisten“, sagt Schimmel. Die aktuelle Haushaltslage ist allerdings angespannt: Das ordentliche Ergebnis für 2025 fiel mit rund 2,24 Millionen Euro ins Minus. Für 2026 erwartet die Stadt derzeit einen Fehlbedarf von rund 4,5 Millionen Euro im ordentlichen Ergebnis.
Bei dem Richtfest war die Laune bei Häppchen in der Sonne gut. Bürgermeister Schimmel freut sich auch schon darauf, „an einem schönen Sommertag mit einer Pommes in der Hand am Beckenrand zu sitzen“.
Die Pommes werden allerdings noch etwas warten müssen, die Eröffnung des Bads ist im Frühjahr 2028 geplant.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/neues-schwimmbad-in-pfungstadt-richtfest-fuer-umstrittenes-grossprojekt-v1,richtfest-schwimmbad-pfungstadt-100.html


