Wirtschaft

Niederiger Rhein-Pegel lähmt Schifffahrt: Weiter Probleme für Frachter und Fähren

Niederiger Rhein-Pegel lähmt Schifffahrt: Weiter Probleme für Frachter und Fähren

Obwohl es geregnet hat, können Schiffe auf dem Rhein wegen niedriger Pegelstände nach wie vor nicht fahren wie gewohnt. Viele Frachter müssen mit deutlich weniger Ladung fahren, Ausflugsschiffe ihre Routen immer wieder anpassen.



Der Rhein führt Niedrigwasser, hier bei Lorch im Rheingau.
Bild © picture alliance / Jochen Tack | Jochen Tack


Trotz steigender Pegelstände des Rheins bleibt die Binnenschifffahrt eingeschränkt. Die Frachter können nach ‌den teils ergiebigen Regenfällen am Oberlauf des Flusses in Süddeutschland der vergangenen Tage zwar ​wieder mehr Ladung aufnehmen. Deutschlands wichtigste Wasserstraße führt jedoch weiterhin viel zu wenig Wasser, so dass Güterschiffe nicht voll beladen werden können und Ausflugsschiffe mitunter ihren Betrieb einstellen müssen.

Etwa drei Viertel der Frachter seien derzeit unterwegs, teilt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) am Montag auf hessenschau-Anfrage mit. Beladen seien sie zu jeweils 30 bis 40 Prozent.

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||hessenschau.de (Stephan Loichinger)

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Das bedeutet, dass weiterhin viele, viele Tonnen von Gütern, die die Industrieunternehmen von Baden-Württemberg über Hessen bis Nordrhein-Westfalen verarbeiten, nicht transportiert werden können. Oder Fracht muss auf mehrere Schiffe verteilt oder auf ​Straße und Schiene verlagert werden – wo es zu wenige Kapazitäten dafür gibt.

Wichtige Route für Getreide und Kohle

Der Rhein ist eine ‌der wichtigsten Transportrouten für Getreide, Erze, Kohle und Mineralölprodukte. Fällt sie ganz oder teilweise aus, führt dies dazu, dass die Betriebe mehr für die Transportkosten ausgeben oder ihre Produktions drosseln müssen.

Experten gehen davon aus, dass die Konjunktur spürbar unter dem Niedrigwasser dieses extrem heißen und trockenen Sommers leidet.

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Was ist ein Pegelstand?

Ein Pegelstand ist die gemessene Höhe der Wasseroberfläche eines Flusses, Sees oder des Meeres an einer bestimmten Messstelle, bezogen auf einen festen Nullpunkt. Der Pegelstand zeigt nicht an, wie tief das Wasser bis zum Grund des Gewässers ist. Der Wert gibt an, wie viele Zentimeter oder Meter das Wasser über diesem festgelegten Nullpunkt steht.
Pegelstände werden nicht in der Mitte des Flusses oder der Fahrrinne gemessen, sondern ufernah. Da jede Messstelle einen eigenen Nullpunkt hat, ist ein Wert von zwei Metern an Ort A nicht direkt mit zwei Metern an Ort B vergleichbar.

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Am wichtigen Nadelöhr im rheinland-pfälzischen Kaub gleich hinter der hessischen Landesgrenze bei Lorch (Rheingau-Taunus) lag der maßgebliche Pegelstand am ​Montag bei etwa ‌72 Zentimetern. Am Freitag waren es noch 60 Zentimeter.

Ein satter Zuwachs innerhalb eines Wochenendes einerseits. Andererseits sind für voll beladene ​Schiffe bei Kaub rund 1,50 Meter erforderlich. Wie die WSV mitteilt, dürfte der Pegelstand im Verlauf dieser Woche auch schon wieder leicht zurückgehen, wenn auch nicht so niedrig wie wenigen Wochen. Am Dienstagmorgen zeigte der Pegel bei Kaub schon nur noch 69 Zentimeter an. Die Aussichten auf weiteren ergiebigen Regen sind zu gering. Nötig wäre wochenlanger Landregen, damit der Rhein nachhaltig vollläuft.

Mitte August zeigte der Pegel in Kaub noch unter zehn Zentimeter an – ein Rekordtief und ​deutlich unter dem bisherigen Tiefststand von 25 Zentimetern aus dem Hitzesommer 2018. Die Wassertiefe in der Fahrrinne in der Mitte des Rheins liegt bei Kaub etwa einen Meter über dem Pegelstand.

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||hr


Niedrigwasser am Rhein setzt Tourismus zu

Niedrigwasser lähmt Tourismus

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Ausflugsschiffe: Mal fahren sie, mal fahren sie nicht

Wo zum Teil Frachter schon wieder fahren können, reicht es für Fähren und Fahrgastschiffe mit ihrem größeren Tiefgang noch nicht aus. Bianca Rössler, Chefin der gleichnamigen Ausflugslinie im sonst so touristisch trubeligen Rüdesheim im Rheingau, berichtet von einem Auf und Ab für ihren Betrieb in diesem August.

Anfang des Monats hätten ihre Schiffe nicht mehr bis Köln oder Koblenz fahren können, zur extremen Niedrigwasserzeit Mitte August noch nicht einmal mehr ins nahe Assmannshausen. Dann habe der ergiebige Regen zwischenzeitlich wieder das volle Programm erlaubt. „Und jetzt sind wir da, wo wir vor vier Wochen schon waren“, sagt Rössler am Montag auf hessenschau-Anfrage.

„Wir brauchen auch einen Plan C“

Sie sei beständig dabei, die Fahrpläne ihrer Ausflugsschiffe an den arg schwankenden Wasserstand anzupassen. „Wir brauchen nicht nur einen Plan B, sondern auch mindestens einen Plan C“, sagt Rössler. Ähnlich flexibel müssten sich die Kunden zeigen, die für Gruppenausflüge die Schiffe und Dienste der Rössler-Linie chartern. Dann gehe es eben mal kurzfristig von Bingen (Rheinland-Pfalz) statt von Eltville los oder von Mainz statt von Wiesbaden.

„Man muss sich eben anpassen, das ist halt Natur“, sagt Bianca Rössler. Als Chefin ihres Familienunternehmens in siebter Generation ist sie quasi auf dem Rhein groß geworden. Aber an so wenig Wasser im eigentlich stolzen Strom wie in diesem Sommer kann sie sich nicht erinnern.

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/niederiger-rhein-pegel-laehmt-schifffahrt-weiter-probleme-fuer-frachter-und-faehren-v1,rhein-pegelstand-100.html

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