Wirtschaft

Rheinmetall in Kassel: Kritik an Millionen für Rüstungsprojekt

Rheinmetall in Kassel: Kritik an Millionen für Rüstungsprojekt

Rheinmetall investiert mehr als 260 Millionen Euro in Kassel und am Flughafen in Calden, das Land Hessen weitere 25 Millionen. Wirtschaft und Politik begrüßen den Ausbau. Doch es gibt auch scharfe Kritik – vor allem am Einsatz von Steuergeld und an der Rolle des Flughafens.


Künftig soll die Panzerproduktion bei Rheinmetall in Kassel deutlich ausgebaut werden.
Bild © picture alliance/dpa | Swen Pförtner


Audiobeitrag


Audio

03:12 Min.
|Jens Wellhöner

Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Die Geschichte klingt ein bisschen so wie zu Wirtschaftswunderzeiten: Der Grundstein für den Rheinmetall-Rüstungsdeal in Nordhessen wurde nach Angaben von Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und Rheinmetall-Chef Armin Papperger bei einem Gespräch auf der Münchner Sicherheitskonferenz gelegt.

Ein gutes halbes Jahr später ist nun ein „Memorandum of Understanding“, also eine Absichtserklärung, unterzeichnet worden. Rheinmetall investiert mehr als 260 Millionen Euro, das Land Hessen weitere 25 Millionen Euro. Zuvor habe es nur Vereinbarungen per Handschlag gegeben, erzählt Papperger.

Logistikzentrum soll Ende 2027 fertig sein

Laut Rheinmetall sollen schon bald die Bagger rollen. Ende 2027 soll das neue Logistikzentrum auf 30.000 Quadratmetern am Kassel Airport in Calden fertig sein. Zudem fließen Millionen in den Ausbau des bestehenden Rheinmetall-Werks in Kassel, in ein Schulungszentrum und in ein Drohnen-Testzentrum in Calden.

Der Jubel darüber ist bei vielen Vertretern aus Politik und Wirtschaft groß. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

Linke: „Wollen kein Zentrum der Kriegsindustrie werden“

„Wir wollen nicht das Zentrum der Kriegsindustrie werden“, sagt Arvid Jasper von der Fraktion der Linken in Kassel der hessenschau. „Diese 25 Millionen Euro an Staatsknete brauchen wir viel eher für unsere Schulen oder damit der Sozialstaat nicht immer weiter kaputtgespart wird.“

Die Kriegsindustrie vereinnahme immer mehr Flächen in Kassel und gehöre ohnehin nicht in Wohngebiete, so Jasper. Tatsächlich befinden sich gleich neben dem Rheinmetall-Werk Wohnhäuser samt Spielplatz.

Airport-Gegner kritisieren Ausba

Auch das Bündnis „Kassel Airport Stoppen“ übt Kritik. „Den chronisch defizitären Kassel Airport jetzt zur militärischen Drehscheibe für Rheinmetall aufzurüsten, zeugt von fataler historischer Vergesslichkeit“, sagt Jona Königes. Schließlich sei Kassel schon als Rüstungsstandort im Zweiten Weltkrieg Ziel von Angriffen gewesen.

„Dass die Landespolitik das gescheiterte Millionengrab in Calden nun ausgerechnet mit Waffengeschäften und Kriegslogistik künstlich am Leben halten will, ist ein zynischer Offenbarungseid“, sagt Königes.  Das Bündnis fordert einen Schlussstrich unter den „Flughafen-Wahnsinn“.

Videobeitrag

Vier Männer stehen vor einem Hubschrauber auf einem Flugfeld.

Ende des Videobeitrags

Bürgermeister sieht großen Erfolg für Calden

Ganz anders sieht das Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz (parteilos): „Hier entsteht ein zukunftsorientiertes Projekt, das Arbeits- und Ausbildungsplätze schafft. Für unsere Kommune ist die Ansiedlung ein großer Erfolg.“

Auch Kassels Oberbürgermeister Sven Schoeller (Grüne) lobt das Projekt im Gespräch mit der hessenschau. „Es ist eine kluge Entscheidung der Firma Rheinmetall, hier in den Standort zu investieren.“

Dass Steuergeld in die Rüstungsindustrie fließt, befürwortet Schoeller: „Wir müssen wehrfähig sein, wir müssen uns wehren können gegen Angriffe von außen. Und dazu leistet diese Entwicklung ihren Beitrag und damit auch der Standort Kassel.“

IHK erwartet Innovationen

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg sieht in dem Rheinmetall-Projekt einen wichtigen Schritt. „Ich bin mir sicher, dass hier sehr viele Innovationen entstehen werden, die auch im zivilen Bereich eine Relevanz haben“, sagt Hauptgeschäftsführer Arnd Klein-Zirbes.

Weitere Informationen

Kassel Airport gehört größtenteils dem Land

Größter Anteilseigner am Kassel Airport ist mit 68 Prozent das Land Hessen. Der Stadt Kassel gehören – wie auch dem Landkreis Kassel – 14,5 Prozent des Airports. Die Gemeinde Calden hält 3 Prozent.

Ende der weiteren Informationen

Entspannt zeigte sich am Donnerstag auch Flughafen-Chef Lars Ernst, der zuletzt viel Kritik wegen der geringen Auslastung des Airports einstecken musste. „Die Vorhaben passen hervorragend zu unserer erweiterten Strategie und stärken den Flughafen als wichtiges Infrastrukturangebot für die Region“, sagte er.

Am Flughafen selbst war am Donnerstag kaum Betrieb. Die Abflugtafel war leer, nur Pressevertreter sind vom Sicherheitspersonal kontrolliert worden. Der nächste Flug geht erst am Freitag nach Bozen – es ist der einzige an diesem Tag.

Wie viel der neue Deal mit Rheinmetall dem Airport tatsächlich einbringt, dürfte aus den künftigen Geschäftszahlen hervorgehen. Zuletzt machte der Airport rund fünf Millionen Euro Minus.

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/rheinmetall-in-kassel-kritik-an-millionen-fuer-ruestungsprojekt-v1,rheinmetall-reax-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert