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Rückzug nach zehn Jahren: Marburger Oberbürgermeister Spies tritt 2027 nicht erneut an

Rückzug nach zehn Jahren: Marburger Oberbürgermeister Spies tritt 2027 nicht erneut an

Nächstes Jahr ist Schluss: Thomas Spies tritt nicht erneut zur Wahl als Marburger Oberbürgermeister an. Für die Stadt kommt das in einer recht angespannten Lage: Marburg muss drastisch sparen – und eine Koalition steht bislang nicht.

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|Anna Spieß

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Der Marburger Oberbürgermeister (OB) Thomas Spies wird bei der Wahl im Jahr 2027 nicht erneut kandidieren. Das teilten die Marburger SPD und Spies am Wochenende gemeinsam mit, einen Tag nach Spies‘ 64. Geburtstag.

Spies steht seit 2015 an der Spitze der Universitätsstadt. Er sagte: „Es ist keine leichte Entscheidung, denn ich habe einen der schönsten Jobs der Welt. Und den werde ich bis zu meinem letzten Arbeitstag am 30. November 2027 mit ganzer Kraft und Leidenschaft ausfüllen.“

Die Entscheidung sei keine spontane gewesen, sondern bereits länger in ihm gereift, erklärte Spies auf hessenschau-Nachfrage. Getroffen habe er sie schon im Winter. Er habe sich nun entschieden, sie öffentlich zu machen, da sich in Marburg aus seiner Sicht eine politische Mehrheit und damit Stabilität anbahne.

Finanzielle Lage setzt Stadt unter Druck

Nach der Kommunalwahl im März steht Marburg vor der Sommerpause allerdings noch ohne Koalition da. Nachdem sich die CDU als stärkste Kraft aus den Verhandlungen zurückgezogen hatte, bahnt sich derzeit ein Linksbündnis an. Laut SPD arbeite man „intensiv und gut“ miteinander und sei zuversichtlich, brauche aber noch etwas Zeit.

Gleichzeitig steht die Kommune vor großen finanziellen Herausforderungen: Die Stadt muss den Haushalt konsolidieren und drastisch Ausgaben reduzieren – obwohl sie vor Jahren noch in Biontech-Millionen schwamm. Mittlerweile verzeichnet Marburg allerdings deutlich geringere Gewerbesteuereinnahmen, die Ausgaben sind jedoch hoch.

Spies betonte: Er wolle in den kommenden 17 Monaten einen geordneten Übergang sicherstellen. Er habe die Stadt aus sehr guten Händen von seinem Amtsvorgänger Egon Vaupel übernommen und wolle sie ebenso gut aufgestellt in neue Verantwortung übergeben.

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OB-Wahlen in Marburg

In hessischen Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern gibt es einen Oberbürgermeister (OB) oder eine Oberbürgermeisterin. Sie werden direkt gewählt, die Amtszeit beträgt sechs Jahre.
Zusätzlich kann es hauptamtliche Bürgermeister oder Bürgermeisterinnen neben dem OB geben, die für eigene Dezernate zuständig sind. Sie werden nicht direkt gewählt, sondern von der Stadtverordnetenversammlung bestimmt.
Die nächste OB-Wahl in Marburg findet am 6. Juni 2027 statt. Als Termin für die Stichwahl hat die Stadtverordnetenversammlung den 20. Juni 2027 festgesetzt.  

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SPD würdigt Bilanz

Die SPD würdigte die Entscheidung mit Respekt, äußerte aber auch Bedauern. Der Marburger SPD-Vorsitzende Thorsten Büchner verwies auf zahlreiche Projekte und politische Initiativen der vergangenen Jahre – vom Klimaaktionsplan über Beteiligungsformate für Bürgerinnen und Bürger bis hin zu Investitionen in Bildung und Wohnraum.

Auch in Krisenzeiten habe sich Spies bewährt und Rückgrat bewiesen, so Büchner. „Niemand spart gerne. Niemand trifft gerne unbequeme Entscheidungen. Thomas Spies übernimmt die Verantwortung dennoch immer, auch wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, die schmerzen.“

Stadtverordnetenvorsteherin dankt OB

Die Marburger Stadtverordnetenvorsteherin Andrea Suntheim-Pichler (CDU) dankte Spies für die bisherige gute Zusammenarbeit, den respektvollen Umgang und seinen Einsatz im Dienst der Stadt.

Mit Blick auf die Wahl 2027 zeigte sie sich zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, dass dieser demokratische Prozess von einer sachlichen, fairen und respektvollen Auseinandersetzung geprägt sein wird.“

Zugleich verwies sie auf anstehende Aufgaben und zukunftsweisende Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung, die unabhängig vom anstehenden Oberbürgermeisterwahlkampf seien.

Nachfolge: Kandidaten noch offen

Mit Spies‘ Ankündigung stellt sich in Marburg zugleich die Frage nach der möglichen Nachfolge. Wer Spies aus den eigenen Reihen an die SPD-Spitze folgen wird, steht noch nicht fest.

Im Raum steht etwa die langjährige hauptamtliche Stadträtin Kirsten Dinnebier. Stadtverbandssprecher Büchner sagte auf Nachfrage, es stehe derzeit noch keine Personalie diesbezüglich fest. „Wir sind parteiintern bereits dabei, eine würdige und überzeugende Nachfolge für die Kandidatur um das OB-Amt zu finden.“

Bei der OB-Wahl 2021 lag Spies nur mit hauchdünner Mehrheit von 95 Stimmen in der Stichwahl vor seiner Herausforderin Nadine Bernshausen. Die Grünen-Politikerin und derzeitige Bürgermeisterin sagte auf Nachfrage der hessenschau: Sie freue sich über das Vertrauen ihrer Partei, das ihr entgegengebracht werde. Jetzt gehe es zunächst darum, Verantwortung für die Stadt  zu übernehmen. „Alles weitere wird zu gegebener Zeit gemeinsam mit meiner Partei entschieden.“

Ebenfalls angetreten war 2021 der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Bamberger. Der Stadtverband teilte mit, wer 2027 für die CDU kandidieren werde, stehe derzeit noch nicht fest.

Scharfe Kritik der Opposition

Die Opposition verband die Ankündigung des Oberbürgermeisters auch mit scharfer Kritik an aktuellen politischen Zuständen in Marburg – und besonders an mutmaßlichen internen Vorgängen in der SPD mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen.

Die CDU nehme die Entscheidung des Oberbürgermeisters „mit Respekt zur Kenntnis“ und erkenne an, dass Spies in der Zusammenarbeit „stets verlässlich war“, erklärte Fraktionsvorsitzender Jens Seipp. Die Entwicklung der vergangenen Monate sei aber auch ein Paradebeispiel dafür, „wie ein Mandatsträger von den eigenen Leuten sturmreif geschossen wurde.“ Besonders die Parteilinke habe politische Realitäten ausgeblendet, so Seipp.

„Politisch final fertig gemacht“

Auch FDP-Stadtverordneter Christoph Ditschler fand drastische Worte: „Thomas Spies ist Oberbürgermeister – noch. Auch wenn wir ihm als FDP ganz bestimmt kein gutes Zeugnis ausstellen können, hätte ich nie gedacht, dass es mal seine eigene SPD sein würde, die ihn politisch final fertig macht, entmachtet und aufs politische Abstellgleis zwingt.“

Zuletzt hatte es in Marburg Diskussionen um von Spies eingebrachte Sparmaßnahmen gegeben. Zudem gab es untere anderem einen mutmaßlich nur mit knapper Mehrheit getroffenen parteiinternen Beschluss der SPD-Spitze, nach der Kommunalwahl kein Bündnis mit der CDU eingehen zu wollen.

Spies weist Spekulationen zurück

Spies selbst erklärte: Seine Entscheidung sei unabhängig von aktuellen politischen Entwicklungen getroffen worden. Er zog insgesamt eine positive Bilanz seiner OB-Amtszeit. „Ich bin stolz auf das, was wir, was Marburg erreicht hat, im letzten Jahrzehnt.“ Die Stadt habe große Herausforderungen gemeistert und zugleich wichtige Strukturen geschaffen.

Spies betonte, dass für ihn stets das Wohl der Stadt im Vordergrund gestanden habe. „Und für mich steht immer an erster Stelle, das zu machen, was für Marburg gut ist. Letztlich solle man aber aus seiner Sicht noch gehen, „solange die Menschen noch winken“.

Er wolle weiterhin in der SPD politisch aktiv bleiben. Ob er zukünftig noch einmal ein politisches Amt anstreben werde, wolle er derzeit aber noch offenlassen. Der promovierte Mediziner und gebürtige Marburger hatte vor seiner Wahl 16 Jahre lang dem hessischen Landtag angehört.

Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/rueckzug-nach-zehn-jahren-marburger-oberbuergermeister-spies-tritt-2027-nicht-erneut-an-v1,spies-marburg-102.html

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