Helmut Kohl, der imposante deutsche Bundeskanzler, dessen Wiedervereinigung eines von den Auswirkungen des Kalten Krieges geteilten Landes Deutschland in das Herz eines vereinten Europas gestellt hat, ist im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen verstorben. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Kohl als „einen großen Deutschen und einen großen Europäer“. Über seine 16-jährige Amtszeit von 1982 bis 1998, zunächst für Westdeutschland und dann für ganz Deutschland, verfolgte Kohl entschlossen die Einheit Europas.
Weniger als ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 leitete er das Ende der jahrzehntelangen Teilung Deutschlands in Ost und West ein und läutete eine neue Ära in der europäischen Politik ein. Kohls enge Freundschaften mit anderen Weltführern halfen ihm, sowohl anti-kommunistische westliche Verbündete als auch die Führer des zusammenbrechenden sowjetischen Staates zu überzeugen, dass ein starkes, vereintes Deutschland in Frieden mit seinen Nachbarn leben konnte.
Kohls Vermächtnis umfasst die Einführung der gemeinsamen Euro-Währung, die Europa enger miteinander verbunden hat als je zuvor. Kohl setzte sich stark für den Euro ein, der 1999 eingeführt wurde, und als er mehr als ein Jahrzehnt später in Schwierigkeiten geriet, bestand er darauf, dass es keine Alternative gab, als dass Deutschland Ländern in Schuldennot wie Griechenland helfen müsse. Kohl wurde von Freunden und ehemaligen Weltführern als „Fels – sowohl stabil als auch stark“ bezeichnet.
Geboren am 3. April 1930 in Ludwigshafen, trat Kohl der CDU in seiner Jugend kurz nach ihrer Nachkriegsgründung bei. Er promovierte 1958 an der Universität Heidelberg und wurde 1969 Gouverneur des westlichen Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Kohl übernahm 1982 die Macht, als eine Junior-Partei die Seiten wechselte, und gewann die Wahlen in den Jahren 1983 und 1987 sowie einen Triumph nach der Einheit 1990.
Kohls Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung wurde durch seine Freundschaften mit dem französischen Präsidenten Francois Mitterrand und dem sowjetischen Führer Michail Gorbatschow gestärkt. Kohl wurde auch dafür kritisiert, dass er während seiner Kanzlerschaft nicht deklarierte Spenden akzeptiert hatte, was letztendlich zu einem Rückzug von seinem Partei-Ehrenvorsitz führte. Trotz der Höhen und Tiefen seines politischen Lebens betonte Merkel am Freitag, dass Kohl eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung eines vereinigten Deutschlands und eines starken Europas gespielt habe.


