Die Rechenzentrums-Branche in Hessen boomt – und muss sich dabei immer wieder Kritik stellen: Unter anderem wegen des Wasserbedarfs. Wie viel Wasser verbrauchen Hessens Rechenzentren? Und wie gehen Betreiber, Versorger, Land und Kommunen damit um?
„Das Wasser muss zu den KI-Zentren!“, oder: „Bitte liebe Menschen, spart privat Wasser, damit die Rechenzentren das nutzen können“.
Sarkastische Kommentare wie diese finden sich unter Social-Media-Beiträgen der hessenschau zum Thema Trinkwasserknappheit, niedrige Flusspegel und Wassernotstände aus diesem Sommer zuhauf. Denn insbesondere in den USA sorgte der enorme Wasserverbrauch von riesigen Rechenzentren in ohnehin schon extrem trockenen Gegenden immer wieder für Proteste.
Auch in Hessen werden im Zuge des weltweiten KI-Booms immer mehr Rechenzentren gebaut. Zugleich zeigte sich im Hitzesommer 2026 erneut, wie knapp die Ressource Wasser mit dem fortschreitenden Klimawandel auch hierzulande werden kann – oder schon längst ist.
Aber wie viel Wasser verbrauchen Rechenzentren in der Region tatsächlich? Das Bild, das sich aus Auskünften von Betreibern, Behörden und aus der Wissenschaft zu dieser Frage ergibt, ist lückenhaft. Möglich ist eine Annäherung:
Warum benötigen Rechenzentren überhaupt Wasser?
Rechenzentren produzieren große Mengen an Abwärme. „Die gesamte Energie, die in Form von Strom ins Rechenzentrum reingeht, muss das Rechenzentrum nachher auch wieder als Wärme verlassen“, erklärt Jens Gröger, der sich beim Öko-Institut mit den Umweltauswirkungen von Rechenzentren beschäftigt.
Um Rechenzentren zu kühlen, gibt es mehrere Möglichkeiten: „Eine dieser Kühlarten ist es, Wasser zu verdampfen“, sagt Gröger. Dabei gebe es beispielsweise ähnlich wie bei einem Kraftwerk eigene Kühltürme, in die Wasser eingespritzt werde. Durch das Verdampfen wird die Wärme über das Wasser an die Luft abgegeben.
Die Verdunstungskühlung ist die wasserintensivste, aber nicht die einzige Möglichkeit: Zwei weitere Varianten sind die sogenannte freie Kühlung und die Kompressionskühlung.
„Bei der freien Kühlung zieht man kältere Umgebungsluft oder Flusswasser an, das man zum Kühlen nutzt und erwärmt wieder abgibt – an die Luft oder das Wasser“, erklärt Gröger.
Eine andere, verbreitete Möglichkeit ist die sogenannte Kompressionskühlung. „Die kennen wir zum Beispiel aus dem Kühlschrank“, erklärt Gröger. „Dann gibt es eine kalte und eine warme Seite – die kalte Seite kühlt das Rechenzentrum runter und die warme Seite gibt die Wärme an die Umgebung ab“, so Gröger. Dabei zirkuliere Wasser oder ein Kühlmittel unter dem Einsatz von Strom in einem geschlossenen Kreislauf.

Server im Inneren eines Rechenzentrums: Hier wird nur das Innere der schwarzen Schränke mit Außenluft gekühlt, sodass nicht die ganze Halle gekühlt werden muss.
Bild © hessenschau.de
Wie viele Rechenzentren nutzen Verdunstungskühlung?
Eine wasserdichte Antwort auf diese Frage gibt die Informationslage nicht her. Die Kühlkonzepte von Rechenzentren setzen sich laut Jens Gröger vom Öko-Institut in der Regel aus einem Mix dieser verschiedenen Varianten zusammen. „Mit Außenluft kühlen ist eine feine Sache im Winter, aber im Sommer geht es nicht immer“, so Gröger. Dazu komme das wirtschaftliche Abwägen: Für Kompressionskühlung brauche es mehr Strom als für das Verdampfen von Wasser.
Während das Hessische Digitalministerium in einem Leitfaden 2025 noch schreibt, dass aufgrund der besseren Energieeffizienz künftig mit mehr Verdunstungskühlung zu rechnen sei, ist aus der Branche das Gegenteil zu hören.
„Die meisten Rechenzentren arbeiten mit Trockenkühlung und ‚verbrauchen‘ kein Wasser“, schreibt Martin Kohoutek, Geschäftsführer des Branchenverbandes German Data Centers. Verdunstungskühlung werde grundsätzlich nur bei Spitzenlasten eingesetzt. „Keinesfalls 24 Stunden am Tag oder 365 Tage im Jahr“, so Kohoutek.
Etwas konkreter wird die Deutsche Gesellschaft für Informatik (pdf): Sie geht davon aus, dass ein Drittel der Rechenzentren in Deutschland Verdunstungskühlung nutzt.
Was ist zum Wasserverbrauch von Rechenzentren in Hessen bekannt?
Auf Anfrage kann das CDU-geführte Hessische Digitalministerium keine Auskunft über den Wasserverbrauch der Rechenzentren geben. Auch das Umweltministerium (ebenfalls CDU) erklärt, dass keine Trinkwasser-Verbrauchsdaten von Rechenzentren vorliegen würden. Für Auskünfte zur Grundwassernutzung verweist das Ministerium an die Regierungspräsidien (RP).
„Ein Entnahmerecht für Grundwasser besitzt in unserem Zuständigkeitsbereich nur ein Rechenzentrum“, schreibt dazu das RP Darmstadt, in dessen Zuständigkeitsbereich die meisten Rechenzentren Hessens liegen. Demnach dürfe dieses Rechenzentrum jährlich 122.000 Kubikmeter entnehmen, habe im Jahr 2025 aber nur 65.000 Kubikmeter Grundwasser entnommen. Das entspricht in etwa 26 olympischen Schwimmbecken.
Etwas mehr Informationen finden sich auf Bundesebene: Seit 2023 führt das Bundeswirtschaftsministerium ein Register, das von den Unternehmen gemeldete Daten zu Energieeffizienz, Rechenleistung und auch Wassereinsatz enthält. Der Wassereinsatz von Rechenzentren in Hessen wird dort mit 1,4 Millionen Kubikmetern beziffert.
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Jens Gröger vom Öko-Institut hält diese Angaben aus dem Bundesregister aber für unvollständig. Dass offenbar noch nicht alle Daten gemeldet oder veröffentlicht sind, bestätigt sich im Abgleich der Daten des Registers mit Informationen über Rechenzentren, die der hessenschau bekannt sind.
Auf Basis der bekannten Rechenleistung im Rhein-Main-Gebiet schätzt Gröger den jährlichen Wasserverbrauch auf zwischen fünf Millionen und 50 Millionen Kubikmeter. „Das sind etwa 2.000 bis 20.000 olympische Schwimmbecken.“
Warum die Spanne seiner Schätzung so groß ist? Aufgrund der unterschiedlichen Kühlungssysteme könne der Verbrauch von Rechenzentren stark variieren: „Das ist tatsächlich der Faktor zehn“, sagt Gröger. „Daher kann man diese Aussage nur so grob treffen, irgendwo liegt die Wahrheit dazwischen.“
Was wissen die Kommunen zum Wasserverbrauch ihrer Rechenzentren?
Auch hier fallen die Antworten unterschiedlich aus: Die Stadt Offenbach hat den genauen Trinkwasserverbrauch von Rechenzentren in ihrem Stadtgebiet öffentlich gemacht, als sie im Juni den Wassernotstand ausrufen musste: Der Zweckverband Wasser Offenbach (ZWO) kaufte im Jahr 2025 demnach 7.381 Kubikmeter Trinkwasser ein, das an die Rechenzentren der Stadt ging. Das wären nach dem bisherigen Beispiel etwa drei olympische Schwimmbecken. „Es gibt mehrere Unternehmen mit größerem Verbrauch“, hieß es dazu.
In Offenbach gibt es Angaben der Stadt zufolge aktuell vier Rechenzentren. Deutlich mehr sind es in Frankfurt: Hier zählt die Stadt insgesamt 85 Rechenzentrums-Bauten – wobei sich die einzelnen Anlagen in ihrer Größe und Rechenleistung deutlich unterscheiden.
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Angaben zum Wasserverbrauch der Rechenzentren im Frankfurter Stadtgebiet können aber weder das Stadtplanungsamt noch das Umweltamt oder die Versorger Hessenwasser und Mainova machen. Eine Sprecherin von Hessenwasser erklärt, dass das Unternehmen lediglich als „Vorversorger“ das Wasser bereitstelle, das die Mainova an die Endverbraucher weitergebe.
Der Versorger Mainova erklärt, dass man bei den Kunden jedoch noch zwischen „Haushalt/Kleingewerbe“ und „Industrie“ unterscheide und somit nicht differenziert auswerte, wie viel Trinkwasser Rechenzentren beziehen. Rund drei Viertel des Gesamt-Trinkwasserbedarfs in Frankfurt gingen an die Gruppe „Haushalt/Kleingewerbe“.
Was teilen die Betreiber von Rechenzentren öffentlich mit?
Eine neue EU-Gesetzgebung sieht zwar vor, dass Rechenzentrums-Betreiber ihren Wasserverbrauch der EU-Kommission melden müssen. Allerdings bleiben diese Informationen vertraulich. Für Rechenzentrums-Betreiber besteht keine Pflicht, absolute Werte öffentlich zu machen.
Dennoch beantworten einige Rechenzentrums-Betreiber auf hessenschau-Anfrage, wie viel Wasser sie nutzen. So heißt es etwa von Google, der gesamte Wasserverbrauch des Rechenzentrums in Hanau habe im Jahr 2025 bei 7.192 Kubikmetern gelegen. „Weniger als der jährliche Verbrauch eines Golfplatzes“, betont die Sprecherin des Unternehmens. Das liege auch daran, dass man keine Verdunstungskühlung nutze.

In Hanau hat Google 2023 ein Cloud-Rechenzentrum eröffnet.
Bild © picture-alliance/dpa
Der einzige von der hessenschau angefragte Betreiber, der explizit den Verbrauch eines Rechenzentrums mit Verdunstungskühlung nennt, ist das Frankfurter Unternehmen firstcolo: Je nach Außentemperatur verbrauche dessen Rechenzentrum in der Hanauer Landstraße 400 bis 500 Kubikmeter Wasser im Jahr.
Dabei handelt es sich um ein vergleichsweise kleines Rechenzentrum mit nur einem Megawatt Anschlussleistung. Für neue, größere Rechenzentren, plane man nicht mehr mit Verdunstungskühlung, heißt es vom Geschäftsführer Jerome Evans.
Wird der Wasserverbrauch bei der Ansiedlung von Rechenzentren berücksichtigt?
„Konkrete Informationen, ob das Thema Wasserverfügbarkeit für die Kühlung eine Rolle bei der Ansiedlung spielt […] liegen nicht vor“, heißt es zu dieser Frage vom Hessischen Digitalministerium.
Das Ministerium verweist auf den Handlungsspielraum bei den Kommunen, die durch Satzungen Vorschriften zum Umgang mit Energie und Wasser „in bestimmten, genau abgegrenzten Teilen des Gemeindegebiets“ machen könnten. Es sei davon auszugehen, „dass hiervon in Zukunft vermehrt Gebrauch gemacht werden wird.“
Heißt frei übersetzt wohl: Darauf müssen die Kommunen schon selbst achten.

Digitalministerium Kristina Sinemus (CDU) bei einer Baustellenbesichtigung eines neuen Rechenzentrums-Campus im Frankfurter Osten.
Bild © picture alliance/dpa | Lukas Fortkord
Einige Landkreise schildern auf hessenschau-Anfrage, dass sie bei der Ansiedlung von Rechenzentren mit den Betreibern vorab gewisse Maßnahmen zum Umgang mit Wasser vertraglich regeln.
„Grundsätzlich wird bei den jeweiligen Vorhaben darauf geachtet, den Wasserverbrauch durch geeignete technische und bauliche Maßnahmen möglichst gering zu halten“, meldet beispielsweise der Kreis Offenbach zurück. Solche Maßnahmen seien etwa Kühlsysteme mit geschlossenem Wasserkreislauf oder Regenwasserzisternen.
Wie herausfordernd ist der Wasserbedarf der Rechenzentren für Hessen?
„Der Wasserbedarf von Rechenzentren ist eine von mehreren Herausforderungen für die Wasserversorgung in einer wachsenden Metropolregion“, heißt es vom Versorger Hessenwasser. Entscheidend sei, wie sich der Gesamtbedarf im Verhältnis zu den verfügbaren Wasserressourcen angesichts von Bevölkerungswachstum und Klimawandel entwickle.
Eine ähnliche Aussage macht der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), zu dem Wasserversorger bundesweit zählen. „Wasser ist ein Standortfaktor, der durch den Klimawandel und seine Folgen in immer mehr Regionen immer bedeutsamer wird“, so ein Sprecher. „Genau deswegen müssen Wasserversorger bei Ansiedlungen immer von Anfang an miteinbezogen werden, um die langfristige Versorgungssicherheit und eine nachhaltige Ressourcennutzung zu gewährleisten“, fordert der VKU-Sprecher.
Keine Daten – kein Problem?
Für Frankfurt, die Stadt mit den meisten Rechenzentren in Hessen, sieht das städtische Umweltamt grundsätzlich eine „besondere Herausforderung“ bei der Trinkwasserbereitstellung. Da sich die Situation durch die wachsende Stadt und ausgeprägtere Hitze- und Trockenperioden durch den Klimawandel verschärfe, wolle man den nachhaltigen und sparsamen Umgang mit Wasser „auf mehreren Ebenen fördern beziehungsweise selbst umsetzen“.
Explizit zu Rechenzentren könne das Umweltamt jedoch keine Einschätzung abgeben, da die Verbrauchsdaten nicht vorliegen würden.
Genau diesen Punkt kritisiert Jens Gröger vom Öko-Institut: Die Kommunen müssten häufig anhand von lückenhaften Informationen über die Ansiedlung von Rechenzentren entscheiden.
„Grundsätzlich müssen nur Kennwerte genannt werden, so etwas wie Liter pro Kilowattstunde“, sagt Gröger. „Wenn nicht dazu gesagt wird, wie viele Kilowattstunden verbraucht werden, weiß ich auch nicht, wie viele Liter das sind.“ Deshalb sei aus seiner Sicht wichtig, dass Betreiber absolute Zahlen zum Wasser- und Strombedarf transparent machen.
Das Hessische Digitalministerium teilt dazu mit, dass es die bestehenden Regelungen für „auskömmlich“ halte. „Grundsätzlich setzten wir uns auch für weniger Regelung und mehr Digitalisierung und Entbürokratisierung ein“, heißt es. Zudem werde auf EU-Ebene an einem neuen Kennzeichnungs-System für die Wassereffizienz gearbeitet. So wolle man den Ressourcenverbrauch der digitalen Infrastruktur europaweit senken.
Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/warum-rechenzentren-wasser-brauchen–und-kaum-jemand-weiss-wie-viel-v1,wasserverbrauch-rechenzentren-100.html



