Wirtschaft

„We Live Tower“ in Frankfurt: Mieterbund kritisiert Mikro-Apartment-Projekt

„We Live Tower“ in Frankfurt: Mieterbund kritisiert Mikro-Apartment-Projekt

In Frankfurt-Niederrad entstehen gerade mehr als 360 Apartments in einem früheren Büroturm. Die stadtnahe Mainzer Aufbaugesellschaft ist daran beteiligt. Geförderter Wohnraum – etwa für Studierende – ist kaum geplant. Das kritisiert der Hessische Mieterbund.


In Frankfurt-Niederrad entsteht der „We Live Tower“.
Bild © Tobias Lübben (hr)


Das könnte eigentlich eine gute Nachricht für Studierende und Azubis in Frankfurt sein: Im Stadtteil Niederrad, der früheren Bürostadt, wird gerade ein Bürogebäude aus den 80er Jahren zu einem Apartmenthaus umgebaut. „We Live Tower“ heißt das Projekt, 364 Apartments sollen entstehen.

Doch wer wird sich die leisten können? Das fragt der Hessische Mieterbund, der das Projekt mit kommunaler Beteiligung kritisch sieht. Geplant sind vor allem vollmöblierte Mikroapartments, aber auch 144 so genannte Serviced Apartments mit hotelartigen Dienstleistungen. Diese Wohnformen fielen oft durch hohe Mieten auf, sagt Gert Reeh, der Vorsitzende des Mieterbundes Hessen.

Audiobeitrag


Audio

00:39 Min.
|Tobias Lübben

Bild © Tobias Lübben (hr)|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Keine Angaben zu Mietpreisen

Zu den geplanten Mietpreisen machen die Projektpartner noch keine Angaben. Die würden „zu gegebener Zeit“ veröffentlicht, erklärt die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) auf hr-Anfrage. Die MAG gehört zu großen Teilen der Stadt Mainz, Aufsichtsratsvorsitzender ist Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). Das Projekt in Niederrad setzt die MAG zusammen mit der privaten i Live Group aus Aalen in Baden-Württemberg um.

In Frankfurt betreibt die i Live Group schon ein Haus mit mehr als 1.000 vollmöblierten Apartments. Es liegt direkt neben der privaten Frankfurt School of Finance and Management. Wie dort das Mietniveau ist, zeigt ein Blick auf die Internetseite des Unternehmens. Dort wird etwa ein 19 Quadratmeter großes Apartment für 921 Euro im Monat angeboten.

Ob die Mieten im „We Live Tower“ ähnlich hoch ausfallen werden, ist unklar. Denn MAG und i Live Group lassen die Frage nach der geplanten Miethöhe offen.

Auch geförderter Wohnraum geplant

Als Zielgruppe des „We Live Tower“ nennt die MAG unter anderem Studierende, Auszubildende und Berufseinsteiger. Es soll auch geförderter Wohnraum entstehen, erklärt ein Sprecher. Zwölf Doppelapartments mit 24 Wohnplätzen sollen demnach für ein Programm angemeldet werden, mit dem die Stadt Frankfurt Wohnraum für Studierende und Auszubildende fördert.

Das wird der Frankfurter Planungsdezernent Markus Gwechenberger (SPD) gerne hören. Er sagt, die Stadt habe der MAG schon vor einiger Zeit vorgeschlagen, das Förderprogramm zu nutzen. Allerdings sei bei der Stadt Frankfurt bisher kein Förderantrag für dieses Projekt eingegangen, teilt das Planungsdezernat mit.

„Nur ein Stecknadelkopf“

Selbst wenn 24 Wohnplätze gefördert werden sollten: Für den hessischen Mieterbund ist das nicht einmal ein soziales Feigenblatt, sondern „nur ein Stecknadelkopf“, wie der Vorsitzende Gert Reeh es ausdrückt. In Frankfurt fehle vor allem Wohnraum für Familien und Einkommensschwache. Da sehe er kommunale Unternehmen gefordert.

Die MAG verteidigt ihr Projekt. Es habe sehr wohl einen öffentlichen Mehrwert. So werde ein Bürogebäude vor dem Abriss bewahrt und neu genutzt, das schone Ressourcen. Es entstehe neuer Wohnraum in einem angespannten Wohnungsmarkt. Außerdem soll das Projekt durch eine Kindertagesstätte und zwölf zusätzliche Wohnungen in einem Neubau ergänzt werden.

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/we-live-tower-in-frankfurt-mieterbund-kritisiert-mikro-apartment-projekt-v1,mikro-apartments-frankfurt-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert