Für die einen schleimig und eklig, für andere ein begeisternder Anblick: Quallen polarisieren. Aquarien und Forscher brauchen ständig Nachwuchs an Tieren – und der kommt aus Hessen. Ein Fliedener Züchter will den Tieren nun eine ganze „Erlebniswelt“ widmen.
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00:40 Min.||Paul Mosbacher
Europas nach eigenen Angaben größte Quallenzucht befindet sich nicht etwa an einer Seeküste oder am Meer. Sie hat ihren Sitz in Hessen, neuerdings in Flieden (Fulda). Der Betrieb ist in einer unscheinbaren Lagerhalle am Bahnhof untergebracht.
An einer Metalltür klebt ein Zettel mit der Aufschrift „Jellyfish Farm“ – darunter Name und Telefonnummer des Betreibers. Es wirkt noch etwas provisorisch. Aber Firmen-Chef Alexander Dressel ist mit seinem Betrieb ja auch gerade erst umgezogen.
Besucherzentrum geplant
Dressel ist von Künzell (Fulda), auch nicht gerade maritim, in Osthessen einige Kilometer weiter nach Flieden gezogen. „Wir haben mehr Platz gebraucht“, erklärt Dressel. Den braucht es auch für seine großen Pläne.

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Der Quallenzüchter will nicht nur seinen Betrieb ausbauen, sondern auch darin eine „Erlebniswelt“ schaffen, in der Besucher die Nesseltiere anschauen können. Im nächsten Jahr will er Räume eröffnen, die vielfältig genutzt werden können. Angedacht hat er Bildungsarbeit für Schulen und Kindergärten, aber auch für Kultur- oder Firmenveranstaltungen.
Nach erfolgter Machbarkeitsstudie will er nach dem nun bald abgeschlossenen Umzug in die Details gehen. Fördermöglichkeiten will er noch prüfen. Dann sollen die Rohbauarbeiten folgen und Leitungen verlegt werden. „Wenn alles nach Plan läuft, können wir in einem Jahr öffnen.“ Die Kosten sollen sich auf rund eine halbe Million Euro belaufen. Der Züchter ist überzeugt vom großen Schauwert der Tiere.
Beruhigende Wirkung
Dressel schwärmt: „Quallen faszinieren die Menschen. Wenn man sie im Aquarium betrachtet, zeigt sich ihre Schönheit – mit dem großen Schirm, den feinen Tentakeln und den rhythmischen Pump-Bewegungen, die an unseren Herzschlag erinnern.“

Quallen wie diese verkauft Züchter Alexander Dressel von seiner Jellyfish-Farm in Flieden (Fulda) aus in die ganze Welt.
Bild © Jörn Perske (hr)
Doch Begeisterung herrscht nicht überall: „Wenn Menschen am Strand auf Quallen treffen, sehen sie nicht schön aus, wenn sie schleimig im Sand liegen. Und beim Schwimmen im Meer kommt auch eher ein ungutes Gefühl auf.“ Denn Quallen besitzen Nesselzellen, die Gift enthalten. Wie gefährlich es für Menschen ist, hängt von der jeweiligen Art ab.
Wissenschaftler forschen an Quallen
Dressels Hauptaufgaben sind Zucht und Verkauf. Zu den Abnehmern zählen vor allem Geschäftskunden und weniger Privatkunden, wie er sagt. Zoos, Betreiber von großen Schaubecken wie etwa in Hotels oder Einkaufszentren und auch wissenschaftliche Institute bestellen bei ihm.
Wissenschaftler etwa ordern Quallen, um die Entwicklungsgeschichte der Tiere zu erforschen. Ihre Vorfahren existierten bereits vor über 500 Millionen Jahren. Bei DNA-Untersuchungen werde erforscht, welche Tier es schon wie lange gibt und welche Art am ältesten ist.

Quallen wie diese werden in der Jellyfish-Farm in Flieden (Fulda) gezüchtet.
Bild © Jörn Perske (hr)
Quallen als Nahrungsmittel?
Andere erforschen, wie hoch der Nährstoffgehalt von Quallen ist und ob sie als Nahrungsmittel taugen. „In Asien sind sie schon lange auf der Speisekarte, etwa als Salate, in Suppen oder als Chips“, weiß Dressel. In Europa gebe es dafür aber (noch) keine Zulassung. „Daran arbeiten aber schon einige. Ob sich das durchsetzt, muss man sehen.“
Für die Kosmetikbranche und das Medizinwesen sei auch das Protein Kollagen in den Quallen interessant, erklärt Dressel. Forscher wollen herausfinden, welche Arten besonders viel und reines Kollagen liefern können und wie es als möglicher Rohstoff für Kosmetik genutzt werden kann.

Quallenzüchter Alexander Dressel befüllt eine Transportbox mit Wasser und Quallen zur Auslieferung.
Bild © Jörn Perske (hr)
3.000 Quallen in der Zucht
Viel Konkurrenz gebe es in der Nischenbranche der Quallenzüchter nicht. Europaweit könne man sie an einer Hand abzählen, sie säßen etwa in Spanien, Frankreich und Tschechien.
In seiner Zucht befinden sich in der Regel rund 3.000 Quallen, wie Dressel sagt. Sie verteilen sich in zwölf Anlagen mit insgesamt 200 Becken. Dressel hat rund 30 Quallenarten als Polypen sowie etwa 20 Arten als ausgewachsene Medusen. Auch bei Quallen gibt es Männchen und Weibchen. Sie geben Spermien und Eizellen ins Wasser ab.

Quallenzüchter Alexander Dressel ist mit seiner Jellyfish-Farm von Künzell nach Flieden (Fulda) umgezogen, um mehr Platz für seine Quallenzucht zu haben.
Bild © Jörn Perske (hr)
Für die Quallenzucht müssen unter anderem Salzgehalt und Wassertemperatur auf die jeweiligen Arten abgestimmt werden. Während tropische Quallen warmes Wasser benötigen, bevorzugen Arten aus dem Atlantik deutlich niedrigere Temperaturen um die 10 Grad. Die Tiere werden in speziell ausgestatteten Kreislaufanlagen gehalten.
Schon als Kind von Wassertieren begeistert
Dressel kam nicht zu den Quallen wie die Jungfrau zum Kinde. Er ist gelernter Fischwirt und Forschungstaucher. Er war eigenen Angaben nach viele Jahre in zahlreichen Aquarien verantwortlich für die Quallenhaltung und -ausstellung. 2019 machte er sich mit seiner Zucht selbstständig.
„Mein Schulweg ging am Fluss entlang. Da musste ich einfach jeden Tag nach Fischen schauen“, sagt der Unternehmer. Als Jugendlicher habe er tropische Süßwasserfische gezüchtet, in den Ferien in der Fischzucht gearbeitet. „Es war schnell klar, was ich nach der Schulzeit machen werde“, sagt Dressel.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/wie-aus-einer-quallenzucht-eine-erlebniswelt-werden-soll-v1,quallenzuechter-102.html

