Während die juristische Aufarbeitung zum Wilke-Wurst-Skandal noch läuft, sind am ehemaligen Standort in Twistetal Weichen für die Zukunft gestellt worden: Ein Investor aus Frankfurt bekam den Zuschlag für das Areal.
Das 30.000 Quadratmeter große Wilke-Areal mitten in Berndorf liegt seit Jahren brach.
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00:49 Min.|Silvia Ritter
Eindeutige Entscheidung in Twistetal (Waldeck-Frankenberg): Die 22 Gemeindevertreter stimmten auf einer Sondersitzung am Montagabend nahezu einstimmig für die Frankfurter Lugmann-Gruppe als neuen Investor auf dem ehemaligen Wilke-Gelände. Es gab eine Enthaltung und keine Gegenstimme. Das Firmengebäude auf dem 30.000 Quadratmeter großen Areal im Ortsteil Berndorf soll somit erhalten bleiben und umgestaltet werden.
Als die Entscheidung gefallen war, brandete Applaus in der vollbesetzten Berndorfer Sporthalle auf. „Das war ein sehr, sehr großer Schritt für die Zukunft in Twistetal“, reagierte Bürgermeister Friedrich Vogel (parteilos) erleichtert auf das eindeutige Votum. Die Abstimmung sei „sehr überwältigend“ gewesen und habe ihn „positiv überrascht“.
Entscheidung für Grundschule mit Ganztagsangebot
In den kommenden drei bis vier Jahren sollen auf dem Gelände der früheren Wurstfabrik neue Produktions- und Schulungsräume entstehen. Außerdem soll eine neue Grundschule mit Ganztagsangebot gebaut werden und die beiden in Twistetal bestehenden ersetzen. Die beiden alten Schulen seien für die jetzt erforderliche Ganztagsbetreuung nicht „zukunftsfähig“, sagte der Bürgermeister.

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Der Frankfurter Investor habe den Zuschlag bekommen, weil man das Gelände weiterentwickeln wolle, erklärte Vogel. Ein Abriss und Neubauten, wie sie der zweite Investor vorgeschlagen hatte, wären finanziell für die Gemeinde wohl nicht zu stemmen gewesen, sagte Vogel.

Seit Jahren leerstehend: Gebäude von Wilke-Wurst in Twistetal-Berndorf (Waldeck-Frankenberg).
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Zukunftsvision: Planung eines Firmengebäudes auf dem Wilke-Areal in Twistetal-Berndorf (Waldeck-Frankenberg).
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Auf dem Areal hatte bis vor sieben Jahren die Firma Wilke Wurst- und Fleischwaren produziert. Die Insolvenz infolge des Gammelfleisch-Skandals bedeutete das Ende für den größten Arbeitgeber in der Region – und damit einer wichtigen Einnahmequelle an Gewerbesteuern für Twistetal. Entsprechend war die Insolvenz „ein großer Schlag“, wie Bürgermeister Vogel betonte.
Fragenkatalog von Gemeinde-Ausschüssen
Nach dem Wurst-Skandal hatte die Gemeinde 2021 das Gelände erworben, das inzwischen einen neuen Namen hat: Stukenhof. Zwei Investoren standen zur Wahl für die Entwicklung des Areals und damit entweder Abriss oder Erhalt der Gebäude im Raum.
Ihre Konzepte hatten die Investoren bereits Anfang Juni in den Gemeinde-Ausschüssen vorgestellt. Danach hatten sie Gelegenheit, verbliebene Fragen der Fraktionen zu beantworten. Die Ausschussmitglieder hatten bereits eine klare Tendenz zur Lugmann-Gruppe – und damit dem Erhalt der Gebäude.
Gemeinde zahlte bereits 1,5 Millionen Euro
Die Lugmann-Gruppe wird das Gelände laut Vogel für 500.000 Euro der Gemeinde abkaufen. Der Bau des neuen Komplexes soll im kommenden Jahr beginnen. Insgesamt 50 Arbeitsplätze sollen dort langfristig entstehen.
Für den Teilabriss, die Entkernung und den bisherigen Rückbau entstanden bislang Kosten in Höhe von drei Millionen Euro. Die Gemeinde erhielt dafür 1,5 Millionen Euro an Fördermitteln, sodass der Eigenanteil für die Gemeinde bei 1,5 Millionen Euro lag.
„Riesenchance im ländlichen Raum“
In die weitere Entwicklung wollen Gemeinde und Investor auch die rund 1.700 Bürgerinnen und Bürger von Berndorf einbinden, wie deren Vertreter am Abend betonten.
Ein kompletter Abriss „wäre eine Schande gewesen“, sagte Sascha Neuburger vom Investoren-Team. „Die Versöhnung mit dem Ort, dass die Menschen das nicht als eine Schade empfinden, sondern als Riesenchance im ländlichen Raum“, sei für ihn ein wichtiger Aspekt, unterstrich Neuburger.
Juristische Aufarbeitung des Wilke-Skandals begonnen
Während die Weichen für die Zukunft des Wilke-Areals gestellt werden, müssen sich in Kassel drei Vertreter der ehemaligen Wurstfabrik seit Anfang Juli vor Gericht verantworten. Ihnen wird unter anderem fahrlässige Tötung in elf Fällen vorgeworfen. Laut Anklage ließen die Angeklagten von 2015 bis 2019 „unter katastrophalen hygienischen Bedingungen“ keimbelastete Wurst produzieren.
Außerdem sollen verdorbene Fleischwaren ein neues Etikett bekommen haben und auch verkauft worden sein. Die Behörden stoppten die Produktion schließlich im Oktober 2019, anschließend ging Wilke in die Insolvenz.
Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/wilke-wurst-gelaende-in-twistetal-investor-soll-areal-wiederbeleben-v1,wilke-wurst-entscheidung-investor-100.html



