Karneval

Kommentar: Im Streit um die Dyba-Allee in Fulda gibt es Verlierer auf allen Seiten

Kommentar: Im Streit um die Dyba-Allee in Fulda gibt es Verlierer auf allen Seiten

Das Stadtparlament in Fulda hat sich gegen die Umbennenung der Johannes-Dyba-Allee entschieden. Der Bischof stand in der Kritik wegen seines Umgangs mit Missbrauchsfällen. Nach monatelangen Debatten gibt es ein Ergebnis, das schlechter nicht hätte sein können.


Johannes Dyba bei einer Bischofskonferenz im Jahr 1998.
Bild © picture-alliance / dpa | Torsten_Silz


Audiobeitrag


Audio

03:47 Min.
|Paul Mosbacher

Bild © hessenschau.de|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Über ein Jahr ist in Fulda gestritten worden über die Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee. Es gab zahlreiche Debatten und Hinterzimmergespräche. Herausgekommen ist ein Ergebnis, das wohl schlechter nicht hätte sein können.

Denn die politisch Verantwortlichen in Fulda sind bei einer komplizierten Frage mit dem üblichen Schwarz-Weiß-Muster vorgegangen, das mittlerweile viele politische Debatten prägt. Bist du für Dyba oder gegen Dyba? Bist du für oder gegen die Umbenennung? Bist du Feind oder Freund? Maximale Polarisierung statt einer echten Lösung, die eine ganze Stadtgesellschaft mitnimmt.

Weitere Informationen

Portrait von Marcel Ruge. Daneben steht "Meinung".

Bild © hr, hessenschau.de


Marcel Ruge
Regionalreporter im Studio Kassel

Ende der weiteren Informationen

Dabei hätten sich die Parlamentarier in Fulda dem Thema auch ganz anders nähern können. Nämlich mit der Leitfrage: Wie gehen wir mit einer kontroversen Persönlichkeit um, die wir als Stadt seit 26 Jahren mit einer eigenen Straße würdigen?

Prägender Bischof mit unverzeihlichen Aussagen

Fest steht nämlich mindestens Zweierlei: Dyba war von 1983 bis 2000 Bischof in Fulda, er hat viele Katholiken und die Kirche geprägt. Er hat seine konservativen Positionen in Debatten eingebracht und zahlreichen Menschen damit Orientierung gegeben.

Fest steht aber auch und keinesfalls nachgeordnet: Er hat dabei Schwangerschaftsabbrüche einen „Kinder-Holocaust“ genannt und gegen Homosexuelle gewettert. Er hat somit ganze Menschengruppen verächtlich gemacht und gleichzeitig den Holocaust relativiert.

Weniger klar hingegen ist nach wie vor die genaue Rolle von Dyba mit Blick auf Missbrauchstaten in seinem Bistum. Der Abschlussbericht der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda hat nur Hinweise, aber keine „manifesten Belege“ dafür finden können, dass Dyba Täter gedeckt oder Verdachtsmomente abgewiegelt hat.

Ein Erinnerungsort ist das Mindeste

Konkrete Beweise für schuldhaftes Handeln von Bischof Dyba habe der Abschlussbericht nicht geliefert, lautet daher das Argument der CDU. Für die Partei ein perfekter Hebel. Weil eine mögliche Verfehlung nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, gäbe es auch keinen Grund für eine Umbenennung. Sie würde Dyba die Ehre nehmen, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann. Thema erledigt.

Und was ist mit der Ehre der Missbrauchsopfer? Die CDU schlägt jetzt vor, sich für einen dauerhaften Erinnerungsort für die Betroffenen von Missbrauch einzusetzen. Das ist jetzt auch das Mindeste.

Warum ist die CDU mit dieser Idee nicht schon viel früher auf die anderen Parteien zugegangen und hat sie gemeinsam weiterentwickelt? Warum hat sie zugelassen, dass sich die Debatte auf das Schwarz-Weiß-Denken zuspitzt? Warum hat sie diese Chance vertan?

Denn auch mit einer Umbenennung wäre keinem Missbrauchsopfer geholfen, wäre kein Leid ungeschehen gemacht worden. Damit wäre nur der Name eines sehr umstrittenen Bischofs weniger sichtbar gewesen. Gleichzeitig hat das Ansehen von Dyba und der Kirche alleine durch die Debatte weiter gelitten.

Entscheidung bringt Stadtgesellschaft nicht voran

Besser wäre es gewesen, wenn die Parlamentarier in diesen langen Monaten einen Konsens entwickelt hätten. Eine kritische Einordnung von Bischof Dyba im Bereich der Straße, die nach ihm benannt ist, zudem ein Informationsangebot über Missbrauch in der katholischen Kirche, vielleicht sogar einen neuen Fonds, der Opfern von Missbrauch hilft.

Dies wäre ein Ergebnis einer kontroversen Debatte gewesen, das die Stadtgesellschaft tatsächlich vorangebracht hätte. Nun geht die Debatte zu Ende mit moralischen Gewinnern auf der einen Seite und politischen Gewinnern auf der anderen Seite. Oder anders ausgedrückt: Verlierer auf allen Seiten.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/kommentar-im-streit-um-die-dyba-allee-in-fulda-gibt-es-verlierer-auf-allen-seiten-v1,kommentar-dyba-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert